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Mehr Respekt gegenüber Schiedsrichtern - darüber diskutiert Sportkreis-Vorsitzender Heinz Zielinski mit Fußballerin Jacky Klippert, Rollstuhlbasketballer Thomas Böhme, Fußball-Schiri-Legende Walter Eschweiler und Basketball-Referee Erik Etzelmüller (v. r.).

Respekt im Sport

Dialog als Lösung: Positives Klima zwischen Schiri und Sportler ist das Ziel

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Schiedsrichter, Kampfrichter oder Wertungsrichter sorgen dafür, dass andere Sport treiben können. Als elementarer Teil des Systems sind sie dennoch oft Opfer mangelnden Respekts.

Anfeindungen gegen Schiedsrichter, versuchte Einflussnahme durch Kritik während des Wettkampfs, bisweilen sogar Gewalt gegenüber Referees. Wer sich für ein solches Amt entscheidet, hat es oft nicht leicht. Die fehlende Wertschätzung der Sportler ist ein Grund dafür. Deshalb hatte der Sportkreis Gießen am Mittwochabend zu einer Diskussionsrunde zum Thema "Respekt gegenüber Schiedsrichtern, Kampfrichtern und Wertungsrichtern" in die Sportschule Grünberg eingeladen.

In einem Punkt waren sich alle schnell einig: Das Thema ist kein rein sportliches. Vor allem der ehemalige Fußball-Referee Lutz Wagner stellte fest, dass mangelnder Respekt eher ein gesellschaftliches Problem sei. "Es wird aber im Sport besonders öffentlichkeitswirksam." Wagner, der bis zur Bundesliga pfiff und noch als Schiedsrichterbeobachter agiert, riet hauptsächlich zum Dialog, um Distanzen und Vorbehalte abzubauen. Wichtig war ihm, dass dieser natürlich vor dem Spiel erfolgen sollte - nicht erst während des Wettkampfs. "Der Schiedsrichter soll kein anonymer Mensch sein für den Sportler."

In die gleiche Kerbe schlug Walter Eschweiler, der bei seinen vielen internationalen Einsätzen stets von einer guten Kommunikation mit den Protagonisten profitiert hatte. Die 84-jährige Schiri-Legende leitete u. a. das Abschiedsspiel von Pele im Maracana-Stadion vor 200 000 Zuschauern. Die beiden prominenten Pfeifenmänner von damals gaben aber auch zu, dass das Mittel des Dialogs im Spitzensport leichter einzusetzen ist als an der Basis.

Das konnte Tobias Lambmann bestätigen. Der Handball-Bezirksschiedsrichterwart brachte auch den Faktor Eltern im Jugendbereich ins Spiel. "Bei den Spielern haben wir die Möglichkeit des direkten Zugriffs, z. B. durch eine Zeitstrafe. Bei den Eltern ist das nicht der Fall." Dennoch müsse der Unparteiische über eine gewisse menschliche Reife verfügen. "Nicht jeder ist von seiner Persönlichkeit für eine Führungsaufgabe, die der Schiedsrichter hat, gemacht. Einige schaffen es, in die Rolle hineinzuwachsen. Andere stellen fest, dass es nichts für sie ist", sagte Lambmann vor wenigen Tagen im Interview mit dieser Zeitung.

Aber selbst diese Führungspersönlichkeit kann einen Referee nicht vollends vor Anfeindungen oder sogar Gewalt schützen. Das mussten ein Schiedsrichter und sein Assistent dieser Tage bei einem Aufstiegsspiel in Nordrhein-Westfalen schmerzhaft feststellen. "Kreisliga-Skandal" titelte die "Bild". Die beiden Unparteiischen mussten nach Attacken einiger Spieler ins Krankenhaus. Laut Angaben eines Trainers wurde einer der beiden ins Gesicht geschlagen, der andere wurde getreten. Ein Fall, der wie kaum ein anderer mangelnde Wertschätzung gegenüber den Offiziellen ausdrückt, den Kreisfußballwart Henry Mohr aber auch nicht als repräsentativ einstufen wollte: "Es gibt am Wochenende Tausende von Spielen in Deutschland, bei denen sich solch schlimme Vorfälle nicht ereignen", sagte Mohr, der mit dem Sportkreis-Vorsitzenden Heinz Zielinski die Gespräche leitete.

Ebenfalls in Grünberg vor Ort, wenngleich nicht an der Diskussion beteiligt, war Ralf Burk. Der Gießener hatte einst mit seiner Tanzpartnerin die offenen deutschen Meisterschaften gewonnen und erzielte auch internationale Erfolge. Heute ist er u. a. als Wertungsrichter bei Latein- und Standardturnieren im Einsatz. "Es gibt schon Paare, die hinterher zu mir kommen und fragen, warum sie so oder so bewertet wurden", erklärt Burk. Das sei aber eher die Ausnahme. Eine Rolle für Wertungsrichter spiele zudem, ob sie offen oder geschlossen werten. Bei einer offenen Wertung sind die Noten nach jedem Tanz per Tafel anzuzeigen. Das Ergebnis der geschlossenen Wertung wird erst nach Turnierschluss mit einigen Minuten Verzögerung für Paare und Zuschauer verkündet. "Es gab Situationen, in denen ich froh war, dass geschlossen gewertet wird", sagt Burk, der immer bereit ist, den Tänzern seine Beurteilung zu erklären. "Es darf aber nie soweit kommen, dass sich ein Wertungsrichter rechtfertigen muss." In seiner Funktion als Trainer rät er seinen Paaren sogar, diese Nachfragen bei den Wertungsrichtern zu unterlassen.

Negativer Höhepunkt in der Laufbahn von Ralf Burk als urteilende Instanz am Rande des Parketts war ein Jugendturnier, nachdem er schon ein wenig Angst hatte, heil zu seinem Auto zurückzugelangen. Nicht etwa wegen der Tänzer, die unzufrieden waren mit ihren Noten, sondern wegen deren Eltern.

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