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Beim Sport- und Diabetestag der Uni Gießen erzählt Thomas Raeymaekers auch über seine Zeit als Radprofi.

Diabetiker kennen Körper besser

(mss). "Ich war mit 17 einer der besten Nachwuchsfahrer in Belgien, vielleicht sogar in der Top 10 der Welt", erzählt Thomas Raeymaekers, der ehemalige Radprofi und heutige Botschafter des Teams Novo Nordisk, beim Sport- und Diabetestag am Sportcampus der Justus-Liebig-Universität. Seit seinem zehnten Lebensjahr verfolgte der Belgier das Ziel, Profi zu werden und befand sich auf einem guten Weg, diese Vorgabe an sich selbst auch zu erreichen. Zeitweise fuhr er im selben Team wie der damalige UCI-Juniorenweltmeister. Doch im Alter von 17 Jahren folgte ein Rückschlag. Nachdem Raeymaekers in kurzer Zeit viel Gewicht verloren hatte, landet er im Krankenhaus. Die Ärzte diagnostizierten Diabetes Typ 1.

Für die Mediziner stand schnell fest: Eine Karriere als Profisportler war für den jungen Belgier nicht mehr möglich. Doch Raeymaekers ließ sich von der Krankheit nicht unterkriegen, im Gegenteil: Sie motivierte ihn noch mehr. Ein Grund dafür war die Türkei-Rundfahrt, bei der er das erste Mal auf die Mannschaft von Novo Nordisk aufmerksam wurde und sofort Kontakt aufnahm. Das Besondere an diesem Team: Dort fahren nur Sportler, die an Diabetes erkrankt sind.

"Ich liebe mein Leben, auch mit Diabetes", sagt der Radsportler. "Ich treffe tolle Menschen, erlebe tolle Sachen. Diabetes stoppt dich nicht." Aufgrund der zusätzlichen Erkrankung an Morbus Crohn musste Raeymaekers seine Karriere nach nur drei Jahren als Radprofi 2015 früh beenden. Heute ist er Botschafter für Novo Nordisk und sportlicher Leiter des Nachwuchsbereiches. "Als Botschafter des Teams möchte ich Menschen mit Diabetes inspirieren und ihnen zeigen, dass man auch mit Diabetes seine Träume verwirklichen kann", meint Raeymaekers.

Rückblickend sieht er Diabetes nicht als die größte Herausforderung an, vielmehr nennt er die Rennen selbst. Für Diabetiker im Radsport ist die Krankheit nur ein Faktor von vielen, auf die man sich konzentrieren muss. Natürlich gebe es Tage, an denen es besser laufe und solche, an denen man öfters Kohlenhydrate zu sich nehmen müsse. Als größten Unterschied zu einem Athleten ohne Diabetes nennt er den Umgang mit der Krankheit an sich. "Wir müssen Diabetes, sowohl auf als auch abseits des Rades kontrollieren", so Raeymaekers. Das Schwierigste sei jedoch, nicht aufzugeben. Dies ist auch sein Rat an jeden, der als Diabetiker Sport treiben oder gar Profi werden möchte. Diabetes hindert einen nicht daran, Sport zu treiben. "Ich habe gelernt, nicht aufzugeben. Wir haben gezeigt, dass es möglich ist, etwas zu erreichen." Das Team von Novo Nordisk zeigt dabei nicht nur, dass man als Diabetiker sportlich aktiv sein kann, sondern auch bessere Leistungen bringen kann als Nicht-Diabetiker. Für Raeymaekers kann Diabetes dabei sogar ein Vorteil sein, da man seinen Körper durch das Krankheitsbild oft besser kennt.

Derzeit ist das Team Novo Nordisk im Radsport vertreten und unterhält eine Jugendabteilung, ein Damenteam fehlt noch. Den Radsport hat man gewählt, da er eine Medienwirksamkeit genießt und man so darauf aufmerksam machen kann, dass sich Diabetes und Sport eben nicht ausschließen.

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