Deutschlands Topligen bangen

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(dpa). Das erneuerte Verbot von Großveranstaltungen bringt den deutschen Sport noch mehr in die Bredouille. Dass nach der Entscheidung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Länderchefs eine Arbeitsgruppe erst Ende Oktober über die Wiederzulassung von größeren Zuschauermengen befinden soll, hat die Hoffnungen der Topligen auf gefüllte Tribünen zum Saisonstart wohl platzen lassen.

Die anhaltende Ungewissheit in der Corona-Pandemie macht Ligaverbänden und Clubs schwer zu schaffen. "Wenn wir ständig neue Rahmenbedingungen bekommen, dann arbeiten wir ins Leere hinein. Da würde ich mir eine andere Kommunikation wünschen und dass wir auch eine größere Verlässlichkeit bekommen", sagte etwa Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL) der Deutschen Presse-Agentur.

Anstatt dank ausgefeilter Hygienekonzepte bald wieder Tausende Fans in die Arenen zu schleusen, wartet eine weitere Geduldsprobe auf die Macher der großen Spielklassen. Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), warnte bereits, dass "jede Verlängerung der Einschränkungen im Sport eine wachsende Gefahr für Vereine, Verbände, Ligen sowie Veranstalter und damit für die Vielfalt von ganz Sportdeutschland darstellt".

So ist der Stand der Dinge in den deutschen Spitzenligen:

Handball: Die Bundesliga will eigentlich am 1. Oktober wieder in den Spielbetrieb starten, schon am 26. September sollen Meister THW Kiel und Vizemeister SG Flensburg-Handewitt in Düsseldorf um den Supercup spielen. Dabei war die Liga aber davon ausgegangen, zu diesem Zeitpunkt wieder mit Zuschauern in den Hallen planen zu können. Jüngste Forderungen aus Kiel und Flensburg nach einer Verlegung des Starts in den Januar und einer Absage der WM in Ägypten hatten Verband und Ligaspitze klar abgelehnt. Nun aber stellt die Entscheidung der Politik die Pläne infrage. Das Problem: Bis zu 50 Prozent des Etats der Vereine kommen über Zuschauereinnahmen. "Sollten bis Jahresende keine Zuschauer erlaubt sein, könnte die Existenz unserer Sportart gefährdet sein", warnte Geschäftsführerin Jennifer Kettemann von den Rhein-Neckar Löwen. Der THW Kiel will bereits in der ersten September-Hälfte ein Konzept testen, mit dem 999 Zuschauer in die Halle können.

Eishockey: Die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) hatte den Auftakttermin für die neue Spielzeit schon vorher von Mitte September auf den 13. November verschoben. Der Spielbetrieb müsse für die Clubs "wirtschaftlich darstellbar" sein, hatte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke damals gesagt. Sprich: Es geht nur mit Zuschauern. Inzwischen hat auch die DEL 2, die eigentlich noch im Oktober starten wollte, nachgezogen. Für die weitere Planung der Saison hatte die Liga von der Politik eine klare Perspektive bis September gefordert. Neue Richtlinien der Arbeitsgruppe bis Ende Oktober kämen für die DEL wohl zu spät, um dann noch kurzfristig den Ligastart zwei Wochen später entsprechend organisieren zu können. "Wir werden zeitnah mit den Clubs sowie innerhalb der Ausschüsse beraten", teilte ein DEL-Sprecher mit.

Basketball: Für die Basketball-Bundesliga ergibt sich bei einem angepeilten Saisonstart am 6. November ein ähnliches Bild: Auf die Vorgaben der Arbeitsgruppe wird die BBL bei ihren weiteren Entscheidungen über den Beginn der Spielzeit kaum warten können. Hygienekonzepte müssen von jedem Club erarbeitet und vom zuständigen Gesundheitsamt genehmigt werden. Auch für hochwertige TV-Übertragungen von möglichen Spielen ohne Zuschauer müssen die Vereine Pläne erstellen. Diese Notfalloption, die schon beim Meisterturnier in München Anwendung fand, könnte auch zum Auftakt der Saison nötig sein.

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