Deutsche gegen die USA vorn

(ras) Ein Leckerbissen für Leichtathletikbegeisterte war am Samstag und Sonntag der Thorpe Cup in Marburg. Denn im gut gefüllten Georg-Gaßmann-Stadion bot der 19. Ländervergleich der Mehrkampfnachwuchsteams aus Deutschland und den USA großen Sport.

Dabei gelang dem deutschen Team der dritte Erfolg in Serie, an dem Kai Kazmirek von der LG Rhein-Wied als Einzelsieger mit einer tollen Steigerung auf 8130 Punkten wesentlichen Anteil hatte und als 66. deutscher Zehnkämpfer die Achttausendpunktemarke überbot.

Mit 38 521 Punkten setzte sich die deutsche Auswahl gegen die US-Boys (36 428) durch. Mit Kira Biesenbach gewann bei den Siebenkämpferinnen eine deutsche Nachwuchshoffnung mit 5878 Zählern, im Länderkampf siegten jedoch die US-Mädels mit 17 332 Zählern durch die besseren Laufergebnisse im abschließenden 800-m-Rennen. Das deutsche Frauenteam kam auf 17 251 Punkte. Zudem gaben auch die Olympiateilnehmer beider Nationen in ausgewählten Disziplinen in einem letzten Test vor London ihre Visitenkarte ab. Quasi hautnah bestaunte das fachkundige Publikum, unter dem sich nach einem Festempfang am Vorabend anlässlich "100 Jahre Olympischer Zehnkampf" reihenweise Olympiasieger, Weltmeister und Medaillenträger vergangener Jahrzehnte zeigten, die Leistungen der deutschen Spitzenathleten und amerikanischen Titelaspiranten. Denn es wurde den höchst disziplinierten und nicht mit Beifall geizenden Zuschauern gestattet, Disziplinen wie Kugelstoß oder Hochsprung aus nächster Nähe auch von der Rasenfläche zu verfolgen.

Bärenstark: Eaton und Hardee

Besondere Aufmerksamkeit genossen natürlich Zehnkampf-Weltrekordler Ashton Eaton, der zweifache Zehnkampf-Weltmeister Trey Hardee oder auch Bryan Clay, Olympiasieger von 2008 in Peking, der bereits bei den amerikanischen Trials in Eugene/Oregon die London-Teilnahme verpatzte und nun in Marburg im Hochsprung ohne einen gültigen Versuch ausschied. Bärenstark präsentierten sich jedoch Eaton und Hardee. Der stets gut gelaunt wirkende Eaton blieb zwar im 100-m-Sprint mit 10,46 s rund zwei Zehntel über seinem Rekordlauf (10,21), aber mit tollen 14,78 m im Kugelring, 2,04 m beim Hochsprung sowie Diskus- (46,54) und Speerergebnissen (61,68), mit denen er seine Leistungen gegenüber dem Rekordwettkampf bei den Trials (42,81/58,87) deutlich steigern konnte, untermauerte er seine Goldambitionen.

Groß auftrumpfen konnte auch Trey Hardee. Der 28-jährige Modellathlet aus Alabama begeisterte mit 7,27 m im Weitsprung und konstant guten Kugelstoßweiten, von denen der beste Versuch bei 14,95 m landete. Mit dem Diskus kam Hardee am Sonntag auf die Tagesbestweite von 47,75 m und meisterte mit dem Stab 4,85 m.

Viel Beifall für Felix Knobel

Viel Beifall erntete der hessische Olympiateilnehmer Jan Felix Knobel von der LG Eintracht Frankfurt. Der 23-Jährige, der sein Talent bereits als U20-Weltmeister und WM-Achter 2011 unter Beweis stellte, sprang 7,14 m weit und wuchtete die Kugel auf 14,99 m. Am Sonntag trat Knobel noch mit dem Diskus und beim Stabhochsprung an und kam auch dabei mit 46,61 m bzw. 4,85 m in die Nähe seiner Saisonbestleistungen. "Nach der Qualifikation in Ratingen ist die Olympiateilnahme natürlich das absolute Jahresziel, dem sich alles andere unterordnet. So zählt die Teilnahme hier in Marburg für mich zum Trainingsaufbau. Eine Medaille in London gewinnen zu wollen, wäre vermessen, aber ich möchte mich im Bereich der Top Ten platzieren", sagte Knobel nach Ende des Kugelstoßwettbewerbes. Auch Rico Freimuth, neben Knobel und Europameister Pascal Behrenbruch der Dritte für London nominierte deutsche Olympia-Zehnkämpfer, lieferte bei seinen beiden Auftritten im Weitsprung (7,03) und Kugelstoß (13,93) ordentliche Ergebnisse ab. Über die Hürden blieb Freimuth mit 14,14 s etwas über der Superzeit von Götzis (13,79). Mit dem Stab übersprang der Athlet von den Halleschen LAF zudem 4,45 m.

Begeistern konnten auch die deutschen Siebenkämpferinnen Jennifer Oeser (TSV Bayer Leverkusen), Lilly Schwarzkopf (LG Rhein-Wied) und Julia Mächtig vom SC Neubrandenburg. Schwarzkopf sprintete die Hürden in Saisonbestzeit von 13,42 m und blieb in den Sprungdisziplinen mit 1,80 m und 6,32 m nur ganz knapp unter ihren persönlichen Bestleistungen aus dem Jahr 2007. Auch der im Vorfeld von Verletzungen geplagten Oeser gelangen über 100 m Hürden (13,64), im Hochsprung (1,77) und mit der Kugel (13,22) achtbare Leistungen. Das beste Ergebnis hatte Julia Mächtig mit 14,81 m im Kugelstoß. Der mit einer Bestleistung von 7802 Punkten angereiste, erst 21-jährige Kai Kazmirek erwischte zwei Supertage und lieferte im Thorpe Cup sechs persönlichen Bestleistungen ab. Mit in die Nationenwertung kamen zudem Matthias Prey (Ahrensburger TV/7777), Maximilian Gilde (LG Hannover/7687), Moritz Cleve (TV Wattenscheid/7570) und Patrick Spinner (LG Ortenau Nord) mit 7357 Punkten. Als stärkster Amerikaner erkämpfte Ryan Harlan 7683 Zähler.

Freude bei Trainer Wolfgang Kühne

Bei den Frauen gab es ausgesprochen enge Ergebnisse. Neben Kira Biesenbach punkteten noch Anna Maiwald (5696) und Alina Biesenbach (5677), alle vom TSV Bayer Leverkusen. Zweite der Einzelwertung wurde Bette Wade mit 5798 Punkten. Trotz der knappen Niederlage freute sich Frauenmehrkampftrainer Wolfgang Kühne über die gezeigten Leistungen, "vier der fünf Teilnehmerinnen erzielten hier in Marburg persönliche Bestleistungen. Alle sind aus den Jahrgängen 1990 bis 92 und gehören damit in den U23-Bereich, den wir versuchen, behutsam auf Olympia 2016 vorzubereiten. Zu unseren Hoffnungsträgerinnen zählen mit Carolin Schäfer (Frankfurt), Christina Kiffe (Darmstadt) und der U20-Athletin Sara Gambetta auch drei bereits im Jugendbereich sehr erfolgreiche hessische junge Frauen".

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