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Der Wetterauer Paul Nebel hat für Mainz 05 seine ersten Partien bei den Profis absolviert.

Der Wetterauer »Rohdiamant«

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(cd). Die Lobeshymnen scheinen Paul Nebel fast unangenehm zu sein. Als »Rohdiamant« wurde er in Medien schon bezeichnet und als »eines der größten deutschen Talente«. Der 18-Jährige aus Nieder-Mockstadt (Wetterau) war erfreut und überrascht zugleich. Er weiß das einzuordnen und klingt geradezu demütig, wenn er über seine Premieren-Saison in der Bundesliga spricht.

Er sei »sehr dankbar« für die Chance, die er bekommen habe, und wisse, »dass es noch viel für mich zu lernen gibt«, sagt der Jung-Profi des FSV Mainz 05. »Deshalb versuche ich, von jedem Spieler und den Trainern so viel mitzunehmen wie möglich.«

Diese Saison hatte für Nebel schon mehrere besondere Momente zu bieten: das Pflichtspiel-Debüt für die Mainzer Profis und seine erste Torvorlage (jeweils beim 5:1 im DFB-Pokal gegen Havelse), wenige Tage später sein Bundesliga-Debüt (als Einwechselspieler bei der Auftaktpartie in Leipzig) und sein erster Treffer im Aktiven-Bereich (beim 2:0 der Mainzer Reserve in der Regionalliga gegen Stadtallendorf).

Dabei wäre der gebürtige Bad Nauheimer beinahe gar nicht in Mainz gelandet, sondern beim hessischen Erstliga-Rivalen Eintracht Frankfurt. Dass es nicht so kam, lag an den Offenbacher Kickers. Genauer gesagt: an Stefan Willhardt. Der U13-Coach der Mainzer war zuvor Jugendtrainer beim OFC. Er erkannte Nebels Talent 2013 bei einem Testspiel und drängte Stefan Hirschberg (damals Leiter des OFC-Leistungszentrums, seit 2014 in Mainz Sportlicher Leiter für U12 bis U16), den Spieler zu verpflichten. »Ich habe mich erst ein bisschen verwehrt, weil der Karbener SV ein Kooperationspartner des OFC war und die Spieler dort etwas länger bleiben sollten«, erinnert sich Hirschberg. »Stefan Willhardt lag mir aber in den Ohren, weil Eintracht Frankfurt auch Interesse hatte. Wir mussten also etwas auf die Tube drücken und haben ihn in einer Art Nacht- und Nebel-Aktion bereits im Winter zum OFC geholt.«

Von Januar 2014 bis Juni 2016 war Nebel für die Offenbacher Kickers aktiv. »In diesen zweieinhalb Jahren hatte ich eine super Mannschaft um mich herum und ein tolles Trainerteam rund um Stefan Willhardt und Kosta Dazanis«, erinnert er sich. »Der Verein ist sehr emotional. Wenn man als Balljunge bei den Spielen der Profis die Stadion-Atmosphäre mitbekommen hat, war das immer ein tolles Erlebnis, an das ich mich gern erinnere.«

Hirschberg sah anfangs gewisse Parallelen zwischen Nebel und einer Sturm-Legende. »Er hatte ein bisschen den Gerd-Müller-Look«, meint der 34-Jährige. »Damals war noch nicht klar, ob er ein Neuner ist oder ein offensiver Außen. Er kann auch auf der Zehn spielen, zumal er nicht der Größte ist.« Mit 1,69 Metern ist Nebel der kleinste Spieler im Mainzer Profi-Kader, dafür aber einer der wendigsten. Zudem zeichnen ihn Willen, Ehrgeiz und Flexibilität aus. In den Auswahlteams des DFB war der Wetterauer anfangs Rechtsverteidiger, nun spielt er links vorne. »Das zeigt, wie vielseitig er ist«, sagte Michael Feichtenbeiner, der anderthalb Jahre Nebels Nationalcoach war.

Wenn man Hirschberg glaubt, sind auch die Charaktereigenschaften vorbildlich. »Er arbeitet hart und akribisch und unabhängig davon, ob es gut läuft oder nicht. Er ist sehr bodenständig und hat seine Wurzeln nicht vergessen. Das macht ihn besonders«, lobt er.

Anfangs pendelte Nebel vom Elternhaus in der Wetterau zum Training. Ein Shuttle-Service holte ihn am Autobahnanschluss ab und brachte ihn wieder hin. Den Rest übernahmen seine Großeltern. »Zwei Jahre nahm er diese Strapazen auf sich«, betont Hirschberg. Alles für den Traum vom Profi-Fußball.

Im vergangenen September war es endlich so weit: Nebel, der inzwischen im Internat der 05er wohnt und seinen Vertrag bis 2024 verlängert hat, gab im DFB-Pokal sein Debüt in der ersten Mannschaft und hatte wenige Tage später seinen ersten Bundesliga-Einsatz. Drei weitere kamen seitdem hinzu. »Das macht Lust auf mehr, deshalb werde ich weiter alles geben, damit ich diese Saison vielleicht noch ein paar Einsätze bekomme«, sagt Nebel. »Mein Ziel ist es, irgendwann Stammspieler zu sein und immer das Maximum aus mir rauszuholen. Ich möchte immer der beste Paul sein, der ich sein kann.«

Hirschberg ist zuversichtlich, dass das gelingt: »Es besteht die Hoffnung, dass er nicht nur ein durchschnittlichen Bundesliga-Profi wird, sondern sich so gar noch weiter entwickelt.«

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