kus_Stehsatz_1-B_105943__4c_2
+
Auf Oberliga-Derbys vor hoffentlich dann wieder gut gefüllten Rängen freuen sich die HSG Pohlheim, deren Andreas Lex (r.) derzeit beim Bundesligisten HC Erlangen aushilft, und die HSG Wettenberg mit Philipp Oyono Essam (verdeckt). ARCHIVFOTO: RAS/PORTRÄTS: HF/RAS (2)

Der Reiz des Neuen

  • Markus Konle
    VonMarkus Konle
    schließen

Hessens Handballer haben wieder eine Perspektive. Am letzten Oktober- Wochenende soll die neue Saison beginnen. Die heimischen Männer-Oberligisten freuen sich darauf. Es wird sich einiges ändern für das Trio HSG Kleenheim-Langgöns, HSG Wettenberg und HSG Pohlheim - nicht nur personell.

Die erste Saison nach dann rund eineinhalb Jahren Corona-Pause wird in der Handball-Oberliga eine besondere: Neuer Modus mit zwei Gruppen und Playoff-Spielen, die Gesichter der Teams haben sich verändert, und außerdem darf in der nächsten Saison »geharzt« werden. Über den Einsatz von Haftmitteln freuen sie sich bei der HSG Pohlheim. »Das finden wir klasse. Das wird die Qualität der Spiele erhöhen«, meint Trainer Jens Dapper. Allerdings bringt diese Neuerung auch mehr Aufwand für die Vereine, denn noch ist unklar, wie die Reinigung in den kreiseigenen (Schul-)Sporthallen laufen soll, gibt sein Wettenberger Kollege Axel Spandau zu bedenken. »Nach dem Hygiene- brauchen wir jetzt wahrscheinlich noch ein Reinigungskonzept«, sagt er augenzwinkernd. Trotz einiger Unwägbarkeiten freuen sich die Teams darauf, dass sie wieder ihrem Hobby nachgehen und ab Oktober hoffentlich vor Zuschauern spielen können. So ist die Lage beim heimischen Männer-Trio HSG Kleenheim-Langgöns, HSG Wettenberg und HSG Pohlheim:

HSG Kleenheim-Langgöns

Bei der HSG Kleenheim-Langgöns können sie den Saisonstart kaum abwarten. Inzwischen wurde das Training wieder aufgenommen. »Wir trainieren, ganz locker, zweimal pro Woche, damit die Fitness langsam wiederkommt«, sagt Coach Matthias Wendlandt, der keinen Hehl daraus macht, dass sein Team und er gerne früher in die Runde gestartet wären. »Zu einem Zeitpunkt, an dem die Zahlen rapide sinken, hätte man - vorsichtig gesagt - ein, zwei Pläne mit verschiedenen Szenarien rausgeben können. Ich verstehe nicht, dass man jetzt schon ein definitives Ziel beschließen muss«, meint er und ergänzt: »Die Jungs waren sehr enttäuscht, dass es erst so spät losgeht. Für uns Erwachsene ist es schwierig, für den Nachwuchs ist es aus meiner Sicht eine Katastrophe.«

Anfang August möchte Wendlandt mit seinem Team so richtig in die Vorbereitung starten. In den vergangenen Monaten hat sich das Team hin und wieder digital getroffen, teilweise auch einmal wöchentlich gemeinsam online trainiert. »Wir haben das auf Sparflamme gemacht. Wenn man nicht auf ein konkretes Ziel hinarbeitet, ist es schwierig, die Leute dafür zu begeistern«, sagt Wendlandt. Mit dem neuen Modus kann er gut leben: »Die Entscheidung ist okay. Gerade die Playoff-Spiele können einen besonderen Charakter bekommen.«

Kopfzerbrechen bereitet ihm der überraschende Abgang von Kreisläufer Yannik Woiwod, der Ende April seinen Wechsel zum Drittligisten TV Gelnhausen bekannt gegeben hat. »Das tut uns richtig weh«, sagt der Trainer. Stefan Lang geht beruflich bedingt nach Stuttgart, zudem ist derzeit nicht absehbar, wann Fabian Hoepfner wieder Handball spielen kann. Er plagt sich seit eineinhalb Jahren mit Verletzungen herum - nach einer Schambeinentzündung kamen laut Wendlandt noch Rückenprobleme hinzu. »Das sind drei Spieler von unserer potenziellen ersten Sieben«, stöhnt der Trainer. Den Halblinken Lennart Müller aus der U19 der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen konnte die HSG als Ersatz für Lang gewinnen. Zudem ist Joshua Planer, der zuletzt zwischen der 1. und 2. Mannschaft pendelte, für das Oberliga-Team eingeplant - ebenso Daniel Schier aus der 2. Mannschaft. Angesichts der Personalsituation ist Wendlandt im Hinblick auf ein Saisonziel zurückhaltend: »Durch unsere Abgänge und die Situation mit Fabi Hoepfner wollen wir möglichst früh nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Außerdem wollen wir die jungen Spieler dazu bringen, dass sie gestandene Oberligaspieler werden.«

HSG Wettenberg

Wenn Axel Spandau, der Trainer HSG Wettenberg, sein Team am Donnerstag zum ersten Mal nach der langen Pause wieder komplett trifft, kennt er den ungefähren Fitnesszustand seiner Truppe schon. Der Sportwissenschaftler bittet seine Akteure zu Tests in seiner Firma, um beispielsweise Muskelmasse- und Körperfettanteil zu ermitteln. Bis Mitte März haben die Wettenberger zweimal pro Woche Online-Trainings absolviert, seit Anfang Juni bekommen die Handballer von ihrem Coach Laufaufträge, der optimistisch ist, dass seine Truppe in vergleichsweise gutem Zustand ist: »Wenn ich mit einem Oberliga-Team zu tun habe, dann bewege ich mich an der Grenze zum Leistungssport. Eine gewisse Eigeninitiative sollte da jeder mitbringen«, sagt Spandau.

Die Tatsache, dass die Runde erst am letzten Oktober-Wochenende beginnen soll, ist für ihn in Ordnung. »Dass wir sechs Wochen länger Zeit haben, ist nicht dramatisch«, sagt er. »Das Modell, wie es jetzt läuft, hatten wir Oberliga-Trainer dem HHV vorgeschlagen. Ich finde schön, dass das der Verband jetzt aufgenommen hat.« Zum einen bleibe die Liga durch die kleineren Gruppen etwas flexibler, falls Spiele nachgeholt werden müssten, zum anderen liege der Reiz im Neuen.

Natürlich würde er mit seinem Team lieber in den Playoffs statt in den Playdowns spielen, doch auf ein Saisonziel will sich der Coach jetzt noch nicht festlegen. »Der Kader steht zu 90 Prozent«, sagt Spandau - konkret heißt das bislang, dass kein Spieler die HSG verlassen hat, Torhüter Joshua Laudt kommt von der HSG Linden. Aber angesichts von zehn Prozent »Restunsicherheit« ist es durchaus möglich, dass der Kader bei entsprechender Gelegenheit noch verstärkt wird.

HSG Pohlheim

Die Situation bei der HSG Pohlheim war in den letzten Monaten im Vergleich zu anderen heimischen Oberligisten eine andere. Das Team hätte gerne an den Aufstiegsspielen zur 3. Liga teilgenommen, die vom Verband Mitte Mai wegen zu hoher Inzidenzen aber gestrichen wurden. »Die Jungs haben nach den Plänen unseres Athletiktrainers Martin Melchio individuell bis zur Absage trainiert«, erklärt Trainer Jens Dapper. »Deshalb gönnen wir den Spielern jetzt erst einmal eine Pause.«

Das bedeutet nicht, dass der Ball komplett ruht. »Die Mannschaft trifft sich einmal pro Woche auf freiwilliger Basis zum Kicken oder wirft in der Halle ein paar Bälle«, berichtet der HSG-Coach. Am 17. Juli wird es dann ernst bei den Pohlheimern, bei denen es nur wenige Veränderungen im Kader gegeben hat. Daniel Hirz möchte kürzertreten, und Lukas Happel hat es beruflich bedingt nach Nürnberg gezogen. Er steht nur noch in Notfällen zur Verfügung.

Neu im Team ist der in Hüttenberg ausgebildete Mittelmann Leon Friedl, der von der HSG Linden kommt und laut Dapper »seinem Talent entsprechend nun in der Oberliga spielt«. Die würde die HSG indes gerne verlassen. »Wir haben letztes Jahr schon ambitioniert auf die Runde geschaut, wir hatten mit Moritz Lambrecht und Stefan Lex zwei Spieler dazubekommen, die eine Strahlkraft haben. Unsere Zielsetzung ist mittelfristig der Aufstieg in die 3. Liga«, sagt Dapper, wobei er das Wort »mittelfristig« betont. Denn die Konkurrenz sei auch in der bevorstehenden Saison stark, der Modus berge zusätzliche Überraschungen. Den bewerten die Pohlheimer positiv - kein Wunder: »Diesen Vorschlag haben wir als HSG Pohlheim schon im letzten Jahr sehr früh für die Saison 2020/21 gemacht, um flexibler zu sein.«

Auch mit dem späten Saisonstart haben sich die Pohlheimer arrangiert. »Ich kann nachvollziehen, dass man den Start so weit nach hinten legt, dass es bis dahin mehr Geimpfte gibt und die Pandemie weiter rückläufig ist. Sicher kann man darüber unterschiedlicher Auffassung sein. Die Vereine wurden in die Entscheidungsfindung einbezogen, insofern tragen wir als HSG Pohlheim diese Entscheidung mit«, gibt sich der Trainer diplomatisch.

Aus seiner Sicht birgt die verkürzte Runde mit Playoffs einen gewissen Reiz, aber auch ein Risiko: »In einer normalen Saison kann man einen Fehltritt eher kompensieren. In einer verkürzten Runde und den Playoffs haben die Spiele einen anderen Charakter. Man muss immer sofort da sein. Das hat auch Einfluss auf das Mentale.«

Eine Erfahrung reicher ist zum Vorbereitungsstart der Pohlheimer Stefan Lex (31). Der erst- und zweitligaerprobte Linkshänder ist Ende Mai dem Werben des Bundesligisten HC Erlangen erlegen und hilft den von Verletzungen geplagten Franken bis zum Ende der Saison im Bundesliga-Abstiegskampf aus.

kus_Stehsatz_1-B_133439__4c
kus_Stehsatz_1-B_133439__4c_1
kus_Stehsatz_1-B_133439__4c_2

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare