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Stammkraft in Stadtallendorf: Laurin Vogt.

Der Dauerbrenner in Stadtallendorf

(grm). Seit 2014 trägt Laurin Vogt das Trikot des derzeitigen Fußball-Regionalligisten Eintracht Stadtallendorf und hat seitdem über 200 Pflichtspiele für den Verein absolviert. Wir haben mit Vogt, der gebürtig aus Burgwald in Nordhessen stammt und zuvor beim SC Waldgirmes spielte, über die sportliche Lage der Eintracht, die besonderen Umstände der »Corona-Saison« und seine Rolle im Team gesprochen.

Herr Vogt, die Eintracht hat bislang nur zwölf Punkte geholt und steht abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz. Wie bewerten Sie die bisherige Saison?

Wir sind uns wohl alle einig, dass es tabellarisch überschaubar ist, wie es sportlich gelaufen ist und das ist natürlich enttäuschend. Da haben wir uns sicherlich alle etwas anderes vorgestellt, aber es ist jetzt leider so, wie es ist.

Welche Rolle haben die zahlreichen Ausfälle durch Verletzungen dabei gespielt?

Sicherlich eine große, auch wenn es natürlich noch weitere Aspekte gibt. Dennoch: Wenn wir nur halb so viele Verletzte gehabt hätten - gerade auf den entscheidenden Positionen - dann wäre die Saison vielleicht anders verlaufen. Ich will gar nicht sagen, dass wir weiter oben in der Tabelle stehen würden, aber wir hätten auf jeden Fall deutlich mehr Punkte, da bin ich mir sehr sicher.

Auch für Sie persönlich lief es gerade zu Beginn der Saison nicht optimal, als sie Ihren Platz in der Startelf verloren…

Absolut, das war nicht einfach für mich. Klar habe ich da in einigen Spielen Pech beim Abschluss gehabt, teilweise war es aber auch Unvermögen. Ich habe Chancen ausgelassen, die ich vor allem letztes Jahr kaltschnäuziger verwertet habe.

Was hat Sie motiviert, dranzubleiben und um ihren Platz zu kämpfen?

Ich bin ein Typ, der immer alles reinhaut. Konkret verändert habe ich daher nichts, sondern weiter auf dem Platz Gas gegeben. Das ist es, wofür ich stehe, und womit ich der Mannschaft auch immer weiterhelfen kann. Ich saß ein paar Spiele auf der Bank, war mir aber auch sicher, dass das eine Momentaufnahme ist.

Sie können in der Offensive sowohl auf den Außen als auch im Zentrum spielen. Wo fühlen Sie sich am wohlsten?

Ich habe in den letzten Jahren meistens Linksaußen gespielt und hatte da auch gute Partner hinter mir, mit denen es viel Spaß gemacht hat, die Seite zu bespielen. Klar kann ich auch im Zentrum agieren, aber außen gefällt es mir besser. Ich sehe mich eher als Spieler, der den Ball in den Lauf bekommt und dann hinter die Kette geht.

Gegen den FSV Frankfurt liefen Sie im März als Rechtsverteidiger auf und zeigten dort eine überraschend gute Leistung.

Auf dieser Position durfte ich vorher noch nie spielen, aber es hat mir Spaß gemacht. Da hatte ich die Freiheit, die Seite für mich allein zu haben und meine Galligkeit noch mehr auf den Platz zu bringen, weil es mehr Zweikämpfe gab. Es hat auf jeden Fall meinen Horizont erweitert, aber im Zweifelsfall fühle ich mich im offensiven Bereich noch wohler.

Aufgrund von Verletzungen und Corona-Fällen im Team hatte die Eintracht für das Spiel in Frankfurt nur zwölf Spieler zur Verfügung. Wie lief die Vorbereitung unter diesen Umständen ab?

Wir alle - auch die Nicht-Infizierten - mussten für 14 Tage in Quarantäne. Danach stand zunächst die Fitness im Vordergrund. Da musste auch jeder für sich schauen, wie es vom Körperlichen aussieht, und wie weit man an die Grenzen gehen kann. Natürlich haben wir dann auch Dinge gemacht, die eher weniger mit Regionalliga zu tun haben. Wenn du Fünf-gegen-fünf oder Sechs-gegen-sechs als Abschlussspiel spielst, fühlst du dich schon wie im falschen Film.

Sie waren in dieser Partie Kapitän und zählen auch ansonsten zu den Führungsspielern der Eintracht. Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team?

Ich versuche immer, die Mentalität der Mannschaft zu beeinflussen, sei es mit einer Aktion oder einem kurzen Gespräch im Spiel. Als Offensivspieler habe ich natürlich das Spiel nicht so vor mir wie ein Verteidiger, aber ich versuche dennoch, viel zu kommunizieren und mich auch am Spiel nach hinten zu beteiligen.

Mit Ben-Luca Fisher, Yannis Grönke, Joao Borgert und Nick Bremer kommen gleich vier junge Nachwuchsspieler regelmäßig in der Regionalliga zum Einsatz. Fühlen Sie sich als erfahrener Akteur auch ein wenig für diese verantwortlich?

Selbstverständlich. Auch abseits des Spielfelds kann man ihnen sehr weiterhelfen. Das macht mir auf jeden Fall Spaß, im Training das Gespräch mit den Jungs zu suchen und da ein bisschen reinzufühlen, wie es ihnen geht. Man weiß ja selbst, wie es früher war.

Inwiefern?

Als ich damals zu Waldgirmes kam, lief das noch anders ab, da wurde das noch ein bisschen rustikaler angegangen (lacht). Das ist nicht negativ gemeint, aber die Zeiten haben sich geändert. Ich denke, dass man auf die einfühlsamere Art bei den Jungs auch was erreichen kann, indem man ihnen zur Seite steht.

Können Sie sich vorstellen, in der Zukunft die Trainer-Laufbahn einzuschlagen?

Ich kann es mir auf jeden Fall vorstellen, aber bislang war und ist auch jetzt noch nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Ich habe immer gesagt: Sollte eine Verletzung kommen, die es ausschließt, dass ich Fußball spielen kann, dann würde ich es in Betracht ziehen. Es ist spannend, das von außen zu sehen.

Sie haben an der Justus-Liebig-Universität Gießen BWL studiert. Was jedoch nicht jeder weiß: Sie dürften wohl der einzige Regionalliga-Spieler sein, der auch die Meisterschaft in der »Bunten Liga« gewinnen konnte!

Da sind Sie ja gut informiert (lacht). Aber ja, ich habe mit »Sauf Beach« den Titel geholt. Es sind gute Freunde von mir, die alle fußballverrückt sind. Natürlich habe ich nicht die meisten Spiele gemacht, aber wenn es zeitlich hingehauen hat, habe ich gerne mal auf der Asche ausgeholfen und auch nach den Spielen tolle Nachmittage gehabt.

Was zeichnet die »Bunte Liga« aus?

Es ist ein bunter Haufen, wie es der Name schon sagt. Viele Mannschaften bestehen aus etablierten Freundeskreisen; andere sind Hobbykicker, die fern ihrer sportlichen Heimat trotzdem weiterspielen wollen. Du stehst da mit den unterschiedlichsten Menschen auf dem Platz. Ich habe mich dort immer sehr wohlgefühlt und es hat viel Spaß gemacht, dort mit den Jungs zu kicken und Zeit zu verbringen.

Wussten Ihre Gegner, dass Sie höherklassig Fußball spielen?

Ich habe es nie groß thematisiert, dass ich Regionalliga spiele. Klar wussten es die Jungs aus meiner Mannschaft, und vermutlich hat auch der eine oder andere gemerkt, dass ich ganz gut kicken kann. Dennoch habe ich es auf dem Platz nicht übertrieben und an der Theke waren andere aus meiner Mannschaft auch stärker (lacht)!

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