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Johannes Hofmann (am Ball) und sein FC Gießen spielen den SC Waldgirmes in der zweiten Halbzeit teilweise schwindelig. (Foto: ras)

Hessenliga

Darum spielen FC Gießen und SC Waldgirmes in zwei Welten

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Das 5:1 vom Wochenende braucht niemanden wundern. Ein Kommentar zu den Unterschieden der beiden heimischen Fußball-Hessenligisten.

Wenn ein Fußball-Hessenligist, der sich zuallererst als Dorfverein versteht, und ein potenzieller Regionalligist aufeinandertreffen, braucht sich über ein 1:5 keiner wundern. Der bodenständige Weg des SC Waldgirmes ist klar vorgezeichnet: Die Integration eigener Jugendspieler ist im Zweifel wichtiger als die Zugehörigkeit zur Hessen- oder eben Verbandsliga. Gleichzeitig betont jeder Kenner, dass diese Mannschaft des FC Gießen nicht in die fünfte Liga Deutschlands gehört. An drei Beispielen wird deutlich, wie groß die Unterschiede zwischen SC Waldgirmes und FC Gießen tatsächlich sind.

Die Breite des Kaders

Während der FC Gießen unter der Woche im Pokal kräftig rotierte und am Samstag in der Lahnaue fünf frische Spieler in der Startelf bringen konnte, waren es beim SC Waldgirmes gezwungernermaßen nur zwei Veränderungen. Gießens Coach Daniyel Cimen sagt angesichts seines prominent besetzten Ensembles: "Ich will nie sagen, dass am nächsten Wochenende die gleiche Elf beginnt." SCW-Coach Daniyel Bulut ist aufgrund mangelnder qualitativer Alternativen häufig gezwungen, auch in englischen Wochen mit 12, 13 Feldspielern auszukommen.

Die Trainingsintensität

Während die Gießener auf sechs Einheiten in der Woche kommen (Krafttraining eingerechnet), ist es in Waldgirmes genau die Hälfte: Dreimal Training pro Woche. "Vier Einheiten wären für die Spieler niemals machbar", sagt Trainer Daniyel Bulut. Neben dem längeren Atem (Fitness und breiterer Kader) sind besser einstudierte Laufwege und Spielsysteme die Konsequenz. Während in Waldgirmes viele Spieler arbeiten, sind die Gießener Akteure Profis.

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Ein komplett anderes Umfeld

Als der SC Waldgirmes zur Winterpause 2017/18 sensationell auf Platz zwei der Hessenliga stand und die Chance zum Aufstieg da war, legten die Verantwortlichen personell nicht nach, sondern gaben zwei Spieler ab. Nun zog sich der als neue Topstürmer eingeplante Kouami Eden D’Almeida nach drei Spieltagen einen Kreuzbandriss zu. Ersatz soll es nicht geben.

Mit dem vorhandenen Geld wird achtsam umgegangen, die Verantwortlichen setzen zuerst auf ihren Charakter als Dorfverein und auf die eigene Jugend. So hat sich der SCW den Ruf eines nachhaltig geführten Vereins erarbeitet. Sportlich stößt man so aber eben an Grenzen. In Gießen dagegen hat der Erfolg der ersten Mannschaft höchste Priorität. Nicht nur die Ziele sind mit dem Regionalliga-Aufstieg ganz andere, auch der Etat und die finanziellen Möglichkeiten sind um ein Vielfaches höher.

Im Zweifel könnte der FC Gießen personell jederzeit nachlegen. Während sich die Gießener in absehbarer Zukunft mit Kickers Offenbach und Waldhof Mannheim messen wollen, geht in Waldgirmes die Welt auch nicht unter, wenn man in der Verbandsliga gegen die TSG Wörsdorf spielt.

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