Daniel Davari (r), Torwart von Essen, hält einen Ball.
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Wieder einmal Endstation: Der gebürtige Gießener Daniel Davari macht im Tor von Rot-Weiß Essen eine Chance der Leverkusener zunichte. Am Ende wirft der Regionalligist den Bundesligisten aus dem DFB-Pokal.

DFB-Pokal-Achtelfinale

Garbenteicher Torwart wird zum Pokalhelden von Rot-Weiß Essen gegen Bayer Leverkusen

  • vonGerd Chmeliczek
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Der 2. Februar 2021 wird als großer Tag in die Vereinsgeschichte von Fußball-Regionalligist Rot-Weiß Essen eingehen. Und der Garbenteicher Torwart Daniel Davari darf sich Pokalheld nennen.

Der 2. Februar 2021 wird als großer Tag in die Vereinsgeschichte von Fußball-Regionalligist Rot-Weiß Essen eingehen: Mit 2:1 nach Verlängerung besiegte der Cup-Gewinner von 1953 im heimischen Stadion an der Hafenstraße die Werkself aus Leverkusen und kann nun von weiteren rauschenden Pokalnächten träumen. Ein Garant für diesen Erfolg war der gebürtige Gießener Daniel Davari, der die Bundesliga-Stars mit zahlreichen Paraden zur Verzweiflung trieb. Nach dem Spiel war der 33-Jährige ein gefragter Mann und ließ am Sky-Mikrofon wissen, dass er nun zwei Wochen nicht ansprechbar sein werde. Für einen Anruf aus der Heimat machte er am Tag nach der Sensation aber eine Ausnahme:

Daniel Davari »Was sind wir gerade? Viertelfinale?«

»Wir haben gestern im Rahmen der Möglichkeiten noch ein bisschen länger in der Kabine zusammengesessen und gefeiert«, erzählt der Keeper. Heute kämpfe er ein wenig mit der Müdigkeit, »aber die Freude über den Sieg überwiegt natürlich. Wir sind alle sehr glücklich«. Kurz nach dem Spiel fragte Davari noch ungläubig in die Kameras: »Was sind wir gerade? Viertelfinale?« Mittlerweile hat er realisiert, was er und seine Mannschaftskameraden am Dienstagabend geleistet haben. »Nach dem Spiel ist man voller Emotionen, voller Adrenalin.« Mit ein paar Stunden Abstand und nach einer kurzen Nacht müsse man sich fast immer noch zwicken, aber der Einzug ins Viertelfinale des DFB-Pokals sei nun bei jedem angekommen. Auf die Frage, ob das sein größter Abend als Sportler war, muss der Mittelhesse kurz nachdenken. »Wahrscheinlich schon. Aufgrund der Konstellation mit uns als Viertligist gegen eine Spitzenmannschaft der Bundesliga - das war schon das Spiel, in dem ich der Mannschaft am meisten helfen musste und dann auch konnte.« Leider coronabedingt ohne Zuschauer im Stadion. »Es wäre schon toll gewesen, vor einer vollen Hafenstraße zu spielen. Aber die Fans haben mitgefiebert und konnten nach Spielschluss ebenfalls feiern.«

Kaum zu glauben: Daniel Davari steht mit Rot-Weiss Essen im Pokal-Viertelfinale.

Die Reaktionen auf die Leistung Davaris waren teils überschwänglich. Von einem »Pokalheld« und einem »brillanten Torwart« war die Rede. Das freut den Mann zwischen den Pfosten natürlich (»besser so als andersherum«), der schon in der dritten Minute einen Schuss des Leverkuseners Edmund Tapsoba entschärfen musste. »Es war schon gut, dass ich gleich mit ein paar Aktionen im Spiel war. Aber eine Mannschaft wie Leverkusen ist in jeder Phase der Partie gefährlich. Man muss immer konzentriert bleiben, sonst rutscht schnell mal einer durch.« Er habe zwar ein gutes Gefühl gehabt, »aber das nutzt manchmal auch nichts, sagt er und lacht.

Am Tag danach „noch nicht einmal die Hälfte“ aller Nachrichten auf dem Handy bewantwortet

Am Dienstagabend trog ihn sein Gefühl gegen die hochfavorisierte Werkself nicht. »Wir wollten versuchen, das Spiel so lange wie möglich offen zu halten. Je länger wir kein Tor kassieren, desto schwerer wird es für Leverkusen. Ich kann der Mannschaft nur ein Riesen-Kompliment machen, dass das so gut geklappt hat.«

Am Tag nach dem Spiel hat Daniel Davari noch nicht alle Nachrichten auf seinem Handy sichten können. »Ich habe noch nicht einmal annähernd die Hälfte beantwortet. Natürlich gab es auch Glückwünsche aus der Heimat von der Familie und von Freunden. »Das muss ich im Laufe der nächsten Tage mal erledigen.«

Einen Wunschgegner für das Viertelfinale hat der 33-Jährige nicht. Da man als Viertligist im Viertelfinale sowieso nicht von »lösbaren« Aufgaben sprechen könne, nehme man es, wie es kommt. »Wir wurden vor dem Spiel gegen Leverkusen schon als ›Freilos‹ bezeichnet. Das war für uns eine große Motivation. Das haben wir ausgedruckt und in die Kabine gehängt. Alles was jetzt kommt, ist ein weiterer Bonus.«

Am Samstag folgt für Rot-Weiß Essen bereits das Spitzenspiel in der Regionalliga West

Trainingsfrei hatten die Pokalhelden gestern nicht. Regeneration war angesagt. Schließlich steht am Samstag das Spitzenspiel in der Regionalliga West gegen Borussia Dortmund II auf dem Programm. »Es tut natürlich allen im Verein gut, dass Rot-Weiss Essen durch unsere Erfolge im Pokal wieder auf der Landkarte erscheint. Aber wichtiger ist der Aufstieg.« Die Essener belegen aktuell den zweiten Tabellenplatz, Dortmund ist Spitzenreiter. »Die Liga ist unser Alltagsgeschäft und der Aufstieg unser großes Ziel«, sagt Davari, der sich als Stammkeeper bei RWE sehr wohl fühlt.

Einen weiteren Gewinner aus dem Hause Davari gab es am Dienstagabend übrigens auch noch. Die Trophäe, die der Torwart als »Man of the match« gewann, die brachte er seinem sechsjährigen Sohn als Geschenk mit nach Hause. »Es hat sich sehr darüber gefreut. Vor dem Spiel hat er immer wieder gesagt, dass wir eine Chance gegen Leverkusen haben. Seine positive Art hat uns vielleicht auch geholfen.«

Daniel Davari: Garbenteich, Wieseck, Zürich, Essen

Der gebürtige Gießener Daniel Davari startete seine fußballerische Laufbahn in der Jugend des SV Garbenteich. Über Wieseck und Mainz ging es für den heute 33-Jährigen nach Braunschweig. Mit der Eintracht stieg er 2013 in die Fußball-Bundesliga auf, wo er in Dortmund sein erstes Spiel machte. Von Braunschweig aus wechselte er zu Grashoppers Zürich, es folgten die Stationen Bielefeld, Duisburg und Oberhausen. Seit dem vergangenen Jahr hütet er das Tor von Rot-Weiss Essen in der Regionalliga West. Der Mittelhesse kommt auf 29 Einsätze in der Bundesliga und 75 Partien in der 2. Liga.

Davari ist Sohn eines iranischen Vaters und einer polnischen Mutter. Für die iranische Nationalmannschaft absolvierte er insgesamt vier Spiele.

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