Ben Cronau wird in der deutschen Rangliste geführt. (Foto: hf)
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Ben Cronau wird in der deutschen Rangliste geführt. (Foto: hf)

Tennis

Ben Cronau – der andere Weg in die Spitze

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Ben Cronau turnte, spielte Volleyball und Fußball – und fokussierte sich erst spät auf Tennis. Mit 16 Jahren zählt er nun zur deutschen Rangliste und ist Gießens aktuell taltentiertester Tennisspieler.

Zu den 700 besten deutschen Tennisspielern zu zählen, ist durchaus etwas Besonderes. Wirklich bemerkenswert ist das bei Ben Cronau allerdings aus zwei Aspekten: Der Gießener ist erst 16 Jahre alt und laut Trainer David Billek "kein typisches Tenniskind".

Was das ist, erklärt Cronau selbst: "Die typischen Tenniskinder kommen häufig aus reicheren Familien. Viele auf meinem Niveau würden auch öfter Einzeltraining nehmen und Coaches mit auf Turniere nehmen. David macht das manchmal freiwillig, wenn er Zeit hat."

Cronau stammt aus einer "ganz normalen" Familie: Mutter Michaela ist Tennistrainerin in Dutenhofen, Vater Jörg spielt Fußball und Volleyball, sein Bruder Robin ist ebenfalls bei RW aktiv. Mit vier Jahren bereits lief der kleine Ben mit Schläger und Ballon durchs Wohnzimmer – und ist bis heute sportlich vielseitig unterwegs. Ungewöhnlich für einen Tennisspieler auf seinem Niveau.

Man merkt vom Charakter her, dass er aus Mannschaftssportarten kommt

Trainer David Billek

Im letzten Winter trainierte der 16-Jährige noch zweimal in der Woche beim TV Waldgirmes im Volleyball mit. In der Jugend zählte er zu den besten Turnern Hessens, Fußball spielte er auch. Die Sportarten wechselten, Tennis war die große Konstante. "Bis zu einem gewissen Punkt ist diese breite motorische Ausbildung sehr hilfreich", meint sein Coach, der auch sagt: "Man merkt vom Charakter her, dass er aus Mannschaftssportarten kommt."

Zunehmend rückt die gelbe Filzkugel für Cronau nun in den Vordergrund. Diese Saison, in der er häufig an sieben Tagen in der Woche auf dem Sandplatz stand, war eine gute – seine beste bisher. "Am Anfang des Jahres habe ich noch nicht so gut gespielt wie jetzt", weiß der Gießener.

90 der 119 vom Verband registrierten Einzelpartien gewann Cronau in 2018

Cronau stand bei 119 vom Verband registrierten Einzelpartien auf dem Tennisplatz, gewann davon 90. Er sammelte Spielpraxis in der Herren-Verbandsliga – und schlug als persönliches Highlight zuletzt bei den Gießen Open die Nummer 187 der deutschen Rangliste.

Mit einer Wild Card ging der Youngster ins Turnier auf heimischer Anlage und traf im Achtelfinale auf Jannik Röttlingsberger. Den besiegte er in einem Viereinhalb-Stunden-Match mit 7:6, 6:7 und 7:5. "Ich hab nach dem 2:2 im ersten Satz gemerkt: Es ist was drin, zieh durch", erklärt Cronau. Den ersten Satz gewann er mit 9:7 im Tiebreak. Im zweiten Satz vergab er Matchbälle, "wenn es eng wurde, hat Jannik so unglaublich gut gespielt".

Doch Cronau blieb dran, "ich habe mir gesagt: Es gibt nur noch diesen einen dritten Satz. Den habe ich dann auch mit am besten gespielt. Es war ein ekelhaftes Spiel, ein richtiger Kampf. Danach hat es sich gut angefühlt."

Es hilft, wenn man Leute im Verein hat, die besser spielen als man selbst

Ben Cronau, RW Gießen

Eine Bestätigung der Aussage seines Trainers David Billek, der meint: "Ben hat sich vor allem im mentalen Bereich weiterentwickelt und gewinnt jetzt auch Spiele, in denen er Matchbälle vergeben hat." Verbesserungspotenzial habe der Elftklässler vor allem in der Konstanz und in der Geschwindigkeit der Schläge.

Gute Ergebnisse gegen stärkere Gegner sorgten in dieser Saison dafür, dass Cronau mehr Vertrauen in sein Spiel fand. Im Frühjahr war die Leistungsklasse 10 das Höchste, was Cronau bislang geschlagen hatte. Im Sommer dann mussten LK3er und 4er dran glauben. Das gibt Selbstvertrauen. "Es bringt einen weiter, gegen bessere Gegner zu spielen", weiß der junge Tennisspieler.

So entwickelt sich Cronau weiter und sagt: "Es wird mittlerweile relativ knapp, wenn ich gegen David spiele." Vereinstrainer Billek, 28 Jahre alt, ist ein Vorbild für viele jüngere Spieler bei Rot-Weiß. Er zählte einst selbst zur Rangliste (350 in Deutschland), in die Cronau (636) nun eingestuft wurde.

Die größte Motivation des 16-Jährigen sei es, "zu merken, wie ich besser werde. Ich habe mich im Verein regelmäßig an Personen hochgehangelt. Es hilft, wenn man Leute im Verein hat, die besser spielen als man selbst." So stellen sich die Verantwortlichen von RW das vor: Die jungen Spieler haben ein vereinseigenes Idol und ziehen sich daran hoch. Ben Cronau ist mit seinen 16 Jahren bereits auf dem Weg dahin, selbst ein Idol für andere zu werden.

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