Corona holt den Sport wieder ein

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(sid). Immer mehr Corona-Fälle, immer mehr Absagen: Schon jetzt zeichnet sich ein Terminchaos im deutschen Sport ab, eine reguläre Durchführung des Spielbetriebs wird zur Utopie. Kaum ist der Betrieb in den Klubs und Ligen wieder angelaufen, droht der komplette Stillstand.

"Wir gehen von einer aktiven Phase leider zurück in eine Phase der Nicht-Beweglichkeit", sagte Alfons Hörmann bei Sky. Der DOSB-Präsident ist in großer Sorge, "dass viele Vereine über alle Ebenen nun mehr und mehr in echte Existenznöte, echte Existenzprobleme und damit zwangsläufig in Richtung Insolvenz kommen". Mit dem Sport ginge "bildlich gesprochen das letzte Lagerfeuer unserer Gesellschaft verloren".

Die jüngsten Beispiele aus dem Basketball und Handball, aber auch aus dem Fußball zeigen: Die zweite Welle der Corona-Pandemie rast unaufhaltsam dem Profisport entgegen. Allen Sicherheits- und Hygienekonzepten zum Trotz scheint der nächste Shutdown wohl nur noch eine Frage der Zeit zu sein.

"Ich habe es ja gesagt: Wir kommen nicht unbeschadet durch die Saison", sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz dem sid: "Nun hätte es nicht zwingend am ersten Wochenende sein müssen." Den deutschen Basketball hat es schon vor dem ersten Tippoff voll erwischt. Nach sechs Corona-Fällen beim Meister und Titelverteidiger Alba Berlin muss das Finalturnier um den BBL-Pokal, das eigentlich für den 1. und 2. November in München geplant war, verschoben werden.

Und auch im Handball gibt es erste Verschiebungen. Am vergangenen Dienstag wurde ein Europacup-Spiel der Rhein-Neckar Löwen kurz vor dem Anpfiff vom örtlichen Gesundheitsamt in Mannheim untersagt, da ein Teammitglied des slowenischen Gegners positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Die Hamburger Zweitliga-Handballer müssen aufgrund positiver Befunde bereits ein zweites Mal binnen weniger Wochen in Quarantäne.

"Natürlich sind auch wir von den im ganzen Land steigenden Infektionszahlen betroffen, das überrascht uns nicht", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem sid. "Und wir wissen nicht, wo als nächstes eine Infektion von Spielern einschlägt. Aber bislang machen wir es sehr gut. Nichts läuft chaotisch, sondern sehr sortiert. Wir planen weiter, den Regelbetrieb durchzuführen."

Sämtliche Planspiele könnten aber von der Realität schon bald über den Haufen geworfen werden. Warum sollte der Sport munter weitermachen dürfen, während in der Republik längst wieder ganze Landkreise heruntergefahren werden?

DOSB-Chef Hörmann hebt den Vorbild-Charakter des Sports hervor und wirbt um die Gunst der Politik. "Während viele Partys, Familienfeiern und sonstige Superspreader-Ereignisse quer durch die Gesellschaft zu verzeichnen sind, gibt es Vergleichbares im Sport nach unserer Kenntnis bis heute nicht", sagte der 60-Jährige und kündigte für die nächsten Tage ein nationales Hygienekonzept für alle Sportarten an. Der Sport sei "geübt im regelbasierten Wiedereinstieg. Genau den Weg wollten und wollen wir weitergehen."

Doch auch Hörmann kann die Faktenlage nicht wegdiskutieren. Das Coronavirus hat den Sport wieder voll im Griff. "Wenn die Pandemiezahlen weiter so rasant steigen, wird es auch eine Durchlässigkeit im Profisport geben. Ein gutes Zeichen sei es aber, so Bohmann, "dass unsere Systeme absolut zuverlässig funktionieren". Letzte Woche erst habe es eine Runde mit den Chefs der Staatskanzleien gegeben, "in der die aktuellen Konzepte des Fußballs und Handballs sehr gelobt worden sind".

Im Falle eines zweiten gesellschaftlichen Lockdowns würden aber auch diese Konzepte zur Makulatur. So oder so: Der Sport steht vor extrem schwierigen Wochen und Monaten.

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