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Marco Reus (Mitte) läuft im Gießener Waldstadion 45 Minuten auf und duelliert sich vor 3700 Zuschauern mit Kristian Gaudermann (l.) und Ben-Luca Fisher. OV

BVB belebt Waldstadion

  • Sven Nordmann
    VonSven Nordmann
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Bier, Bratwurst und Borussia: Der Dienstagabend vor 3700 Zuschauern im Waldstadion tut allen Beteiligten moralisch gut. BVB-Trainer Marco Rose lobt nach dem 2:0-Sieg beim FC Gießen die »schöne Stimmung«, für die viele Zuschauer lange anstehen mussten.

Marco Reus betrat auch im Gießener Waldstadion in gewohnter Manier auf einem Bein tippend den grünen Rasen, Julian Brandt setzte Mitte der ersten Hälfte zur torvorbereitenden Dribbelaktion an und Trainer Marco Rose sprach von einer »schönen Stimmung« in Gießen - das gestrige Gastspiel der Dortmunder Borussia in Gießen tat allen Beteiligten gut.

Der Fußball-Regionalligist FC Gießen war einem Treffer gegen den großen BVB nahe und schlug sich beim 0:2 (0:2) im Testspiel beachtlich - 3700 Zuschauer waren dabei.

»Das ist mit die schönste Nachricht des Tages«, befand Dortmunds Neu-Coach Rose. »Dass die Leute mal wieder eine Bratwurst essen und ein bisschen meckern konnten. Als wir hier nach Gießen gekommen sind, haben wir gesehen und gehört, dass was los ist - es war eine schöne Stimmung.«

Zumindest bei einigen wenigen jungen Dortmund-Fans konnte Rose bei der Fotofrage dann auch nicht Nein sagen - eine menschliche Geste des 44-Jährigen. »Das tut einfach mal wieder gut«, sagte René Brenneis aus Alsfeld symbolisch für die 3700 Besucher im Waldstadion.

3000 Bratwürste, 150 Kilogramm Pommes, 2500 Steaks und 4500 Brötchen hatte der FC Gießen im Vorhinein organisiert, um die nach bald eineineinhalb Jahren Pandemie ungewohnten Menschenmassen zu sättigen. »Es war schon grenzwertig vom Aufwand her, gleich mit so vielen Zuschauern anzufangen«, räumte Ehrenamtler Roger Burger ein.

Im geschlossenen VIP-Zelt des Waldstadions verharrte der BVB-Vorstand zwischenzeitlich - Michael Zorc, Hans-Joachim Watzke und Sebastian Kehl waren vor Ort und sahen, wie der personell runderneuerte FC Gießen dem dezimierten Dortmunder Ensemble das Leben im ersten Vorbereitungstest des Bundesligisten schwer machte.

»Wir haben das super gemacht. Bei den Toren des BVB sieht man eben die Qualität, dass sie Bundesliga und wir Regionalliga spielen«, meinte Gießens Schlussmann Frederic Löhe.

Die drei ersten Torannäherungen gingen allesamt auf das Konto der Gießener: Ali Ibrahimajs Freistöße verfehlten nach Kopfballverlängerungen der beiden Neuzugänge Guiseppe Burgio (10.) und Tobias Reithmeir (28.) nur knapp das Gehäuse von Marvin Hitz, zwischendrin rauschte eine Hereingabe von Nejmeddin Daghfous an allen vorbei.

Die Dortmunder, immer wieder mal lautstark von den zahlreichen hessischen BVB-Fans angefeuert, setzten mit ihrer ersten echten Offensivaktion einen Stich: Julian Brandt dribbelte sich im Eins-gegen-Eins durch und legte in die Mitte, von wo aus Ansgar Knauff zum 1:0 traf (34.) Kurz vor der Pause bediente Mo Dahoud Stürmer Steffen Tigges, der nach ansehnlicher Ballmitnahme auf 2:0 erhöhte.

Zur Pause wechselte der BVB komplett durch. Der Reserve, die im Sommer in die 3. Liga aufgestiegen ist, trotzte der FC torlose 45 Minuten ab - auffällig auf Gießener Seite der unermüdliche Kristian Gaudermann aus Wetterfeld.

Gießens Trainer Daniyel Cimen schwärmte von einem »tollen Event für die Region«, Keeper Frederic Löhe meinte: »Es war alleine schon mal wieder schön, sich vor einer gewissen Kulisse aufzuwärmen.«

Unglücklicher Nebeneffekt des großen Andrangs samt Personalausweis- und Corona-Testkontrolle am Eingang: Endlos lange Warteschlangen vor Anpfiff bis zum ehemaligen Motorpool-Gelände (Tanzhaus Astaires).

Eineinhalb Stunden in der Warteschlange

Während am Kugelberg teils nur Zehn-Meter-Schlangen zu beobachten waren, staute sich der Andrang an der Grünberger Straße enorm. René Brenneis: »Wir standen eineinhalb Stunden an - das hätte man besser regeln können.«

Insgesamt aber sorgten Bier, Bratwurst und Borussia für einen zuletzt so seltenen Fußballabend, an dem sogar der Regen ausblieb. Brenneis: »Jeder hat sich doch gefreut, dass das mal wieder möglich war.«

Gießen: Löhe (46. Grbovic) - Gaudermann, Fisher, Fink, Reithmeir, Takehara (46. Owusu) - Münn (58. Öztürk), Trkulja (76. Bogicevic), Ibrahimaj (76. Mohr)- Burgio (46. Lo Scrudato), Daghfous (76. de Moura).

Dortmund (1. Hälfte): Hitz - Passlack, Collins, Thaqi, Schulz - Dahoud - Brandt, Gürgüz, Reus - Tigges, Knauff.

Dortmund (2. Hälfte): Unbehaun - Hippe, Papadopoulos, Finnson - Makreckis, Pfanne, Raschl, Taz - Tachie, Pherai, Bornemann.

Klatscht vor Anpfiff alle Gießener Spieler ab: BVB-Coach Marco Rose.
Besonderer Wunsch einer Gießener Zuschauerin.

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