Bundesliga wiedererobert, Trainer verloren

  • vonDPA
    schließen

(dpa). Der Traditionsklub Tusem Essen ist zurück in der Handball-Bundesliga. Der einstige Europapokalsieger wurde nach dem Abbruch der Saison neben Coburg zum Aufsteiger ernannt - und hofft auf einen längeren Verbleib im Oberhaus.

Keine Jubelgesänge, keine Freudentänze und auch keine rauschende Aufstiegsparty. Die Rückkehr in die Bundesliga wurde beim TuSEM Essen nur verhalten gefeiert. Wenige Stunden nach der Entscheidung der Handball-Bundesliga (HBL), die Saison wegen der Corona-Krise abzubrechen und den Tabellenzweiten neben Spitzenreiter Coburg zum Aufsteiger in die höchste Spielklasse zu erklären, brachten die Spieler ihre Freude in einer gemeinsamen Telefonkonferenz zum Ausdruck. "Das fühlt sich jetzt gerade erst mal etwas kurios an, aber es ist natürlich auch ein schönes Zeichen der Anerkennung", sagte Trainer Jaron Siewert den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Alle Beteiligten werteten den ungewöhnlichsten Aufstieg der Vereinsgeschichte als Lohn harter Arbeit. Schließlich rangierte der frühe Europapokalsieger seit dem 2. Spieltag in der Tabelle stets unter den ersten vier Teams. "Es ist vermutlich die fairste einer zwangsweise auch ein Stück weit unfairen Entscheidung", kommentierte Geschäftsführer Niels Ellwanger. "Gerne hätten wir unter großen Emotionen sportlich den Aufstieg geschafft und wären von einer Euphoriewelle getragen in die 1. Liga zurückgekehrt. Doch die bisher beispiellosen Herausforderungen durch die Corona-Pandemie machen das leider unmöglich."

Ellwanger sieht der kommenden Saison in der um zwei Teams aufgestockten Bundesliga mit "Vorfreude, Zuversicht und Demut" entgegen. Seitdem dem dreimaligen deutschen Meister zur Saison 2005/06 wegen finanzieller Probleme nach 26 Jahren ununterbrochener Zugehörigkeit die Lizenz für die Bundesliga verweigert worden war, kämpfen die Essener um eine stabile Basis. Dem Bundesliga-Wiederaufstieg 2007 folgte in November 2008 eine zweite Insolvenz und ein weiterer Zwangsabstieg. Ein neuerliches Gastspiel in der Eliteklasse endete 2013 nach nur einem Jahr.

Solch namhafte und einstige Stars wie Jochen Fraatz, Stefan Hecker oder Oliver Roggisch gehören nicht zum aktuellen Kader. Stattdessen setzt der Traditionsklub auf eine junge Mannschaft, die laut Ellwanger "im Kern aus vielen Spielern besteht, die schon in der Jugend für den TuSEM am Ball waren". Auf ihren erst 26 Jahre alten Erfolgscoach Siewert, der beim Revierklub seit 2017 viel beachtete Arbeit leistete, müssen sie künftig verzichten. Der gebürtige Berliner coacht von der kommenden Saison an die Füchse Berlin.

Des einen Freud ist des anderen Leid. Anders als in Essen ging die Saison für den ruhmreichen VfL Gummersbach ohne Aufstieg zu Ende. Obwohl eine Rückkehr in die Bundesliga bei nur drei Punkten Rückstand zum TuSEM durchaus noch in Reichweite lag, gab es keine Klagen. "Auch wenn wir alle uns ein anderes Ende der Saison gewünscht hätten, stehen wir hinter dieser mehrheitlich getroffenen Entscheidung. Es ist wichtig, dass wir jetzt endlich einen Schlussstrich ziehen können und den Blick nach vorne richten", kommentierte der zwölfmalige deutsche Meister die HBL-Entscheidung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare