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Boxen

Bundesliga-Kampf in Gießen

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Die reformierte 1. Bundesliga im Boxen macht gleich zu Beginn Halt in Gießen. Über 300 Zuschauer erleben viele Emotionen und einen Sieg des Lokalmatadoren Artur Mamberger.

Ina Mamberger kullerten Tränen über die Wangen, als laute "Artur, Artur"-Rufe durch die Wiesecker Sporthalle am Ried hallten und ihr Neffe im Ring die Siegerfaust in die Höhe reckte. Emotionen und Stimmung - dafür stand der erste Wettkampf für das Boxteam Hessen (Uppercut Gießen, 1. BC Marburg, TG 1875 Darmstadt) in der reformierten Bundesliga.

Es passte ins Bild, dass der 21-jährige Lokalmatador Artur Mamberger seinen Kampf (69 kg) gegen Nick Bier vor über 300 Zuschauern gewann. Insgesamt endete das Premieren-Duell gegen den BC Traktor Schwerin unentschieden 12:12. Fünf weitere Wettkämpfe stehen für die hessischen Boxer bis Ende Februar an, im April steigen die Halbfinals, das Finale, in dem der neue Deutsche Meister gekürt wird, ist für Anfang Mai angesetzt.

Das Uppercut Gießen stemmte das Groß-Event mit Bravour - vor allem dank des Familienbetriebs Mamberger. Artur sorgte im Ring für Stimmung, sein Onkel Eugen trainiert die heimischen Boxer. Frau Ina war als Hauptorganisatorin im Einsatz, ihr Bruder Ilia für die Musik verantwortlich.

Die Vorbereitungen für das professionell wirkende Setting begannen vor rund einem Monat: "Wie sieht die Technik aus, wo soll der Verkauf stehen, wie füllen wir die Pause? Manchmal hatte ich während der Vorbereitung nur noch Brei im Kopf", sagt Ina Mamberger und muss lachen. "Aber wenn das alles vorbei ist und geklappt hat, stehst du da und bist glücklich."

Glücklich war auch ihr Mann Eugen, der den Kampf seines Schützlings Artur genau verfolgte. In den Wochen vor dem Bundesliga-Start fuhr er seinen Neffen stets zur Arbeit (Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik) und holte ihn von dort ab. "Vorher gab’s um halb sechs Uhr morgens eineinhalb Stunden Training, nach der Arbeit noch eine Einheit." Zwei Jahre verbrachte der junge Boxer im Olympiastützpunkt in Heidelberg, wurde dort nicht glücklich. "Es hat nicht gepasst. Artur braucht seine Verwandtschaft, seine Stadt, seine Heimat. Wenn er die Liebe bekommt, boxt er bombenmäßig."

Bis dato reichte es zum Titel des deutschen Junioren-Amateurmeisters und zum Vize-Europameister im Amateurverband. Langfristiges Ziel: Der Profibereich. "Dafür musst du solche Kämpfe wie gegen Nick Bier (deutscher Vizemeister, Anm. d. Red.) gewinnen." Mit dem Lied "still cold" von night lovell lief Mamberger ein und setzte sich in drei Runden durch.

Acht Kämpfe fanden im Rahmen des Bundesliga-Wettkampfs in Wieseck statt, Mamberger war der einzige Gießener im hessischen Team. In den Vorkämpfen traten unter anderem die Uppercut-Athleten Liam Stark und David Stang an. In der Pause traten Poledancer von der TSG Blau-Gold Gießen auf. Die Veranstaltung kam an: "Ehrlich gesagt, habe ich selten mitbekommen, dass Boxen auf so einem Niveau in Gießen steigt", sagt der Gießener Zuschauer Hassan Tschecik. "Wenn es so etwas öfter geben würde, dann würde ich auch kommen."

Über 40 Helfer, größtenteils Mitglieder vom Boxgym Uppercut, stemmten das Event. Ina Mamberger: "Nach den Hessenmeisterschaften im Vorjahr und der 2. Bundesliga im Februar war das nun die größte Veranstaltung." Die nächsten Heimwettkämpfe der hessischen Boxer steigen in Marburg (Januar) und Darmstadt (Februar). Fest steht aber: Der Samstag soll nicht der letzte Box-Feiertag im Gießener Raum gewesen sein.

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