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"Wir werden absolut im Guten auseinandergehen": SCW-Trainer Daniyel Bulut (3.v.l.) im Spielerkreis. (Foto: fro)

Daniyel Bulut

Bulut zum Abgang: "Muss erkennen, dass beim SC Waldgirmes nicht mehr geht"

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Hier erklärt der Gießener Fußball-Trainer Daniyel Bulut, warum er Hessenligist SC Waldgirmes im Sommer verlässt. Mario Schappert wurde vom Vorstand gefragt, lehnte die Nachfolge aber ab.

Herr Bulut, warum haben Sie sich dazu entschieden, den SC Waldgirmes im Sommer als Trainer zu verlassen?

Daniyel Bulut: Wenn man die Zeit meiner Zusage dazurechnet, werde ich im Sommer zweieinhalb Jahre da gewesen sein – dann ist der Zeitpunkt gekommen, die Mannschaft weiterzugeben. Ich habe die Hessenliga damals vom Aufstiegstrainer Peter Bätzel geschenkt bekommen und kann diese Liga in der neuen Saison nun an jemand anderen weitergeben.

Das klingt diplomatisch, aber was waren die wirklichen Gründe?

Bulut: Es gab in den zwei Jahren wenig personelle Veränderungen – die Jugendphilosophie des Vereins ist super, aber für Trainer auch anstrengend, gerade wenn man Verletzungspech hat. Zwei Dinge sind klar. Ein Trainer will immer mehr Mittel. Und die Philosophie des Vereins ist richtig. Ich wollte nicht mit aller Macht in die Regionalliga, aber etwas mehr Spielraum beim Personal. Es galt, diese reizvolle Aufgabe in Waldgirmes anzunehmen und zu akzeptieren. Aber irgendwann muss man erkennen: Mehr geht nicht. Die Hessenliga mit der Jugendphilosophie zu halten war eine große Aufgabe. Trotzdem werden wir im Sommer absolut im Guten auseinandergehen. Es ist eine sportliche Trennung, keine menschliche. Ich werde gerne nach Waldgirmes zurückkehren.

Mit begrenzten Mitteln musst du noch kreativer werden

Daniyel Bulut

Inwieweit hat die von Ihnen angesprochene schwere Aufgabe dafür gesorgt, dass Sie sich in Waldgirmes weiterentwickelt haben?

Bulut: Mit begrenzten Mitteln musst du noch kreativer werden. Insofern habe ich mich, denke ich, sehr weiterentwickelt. Es war bislang eine große Aufgabe, aber wir haben alle zusammen bewiesen, dass der Verein mit dieser Philosophie in der Hessenliga bestehen kann.

Wie sieht ihre Zukunft aus? Ist ein fußballfreies Jahr denkbar?

Bulut: Das ist in alle Richtungen offen. Wenn sich im Sommer nichts ergibt, ist das kein Drama. Es gibt aktuell kein Angebot. Darum ging es mir bei der Entscheidung auch nicht.

Was müsste ein neuer Verein mitbringen?

Bulut: Kreatives Handeln. Es müsste ein Verein sein, der aufstrebend ist oder etwas entwickeln will. Eine Herausforderung muss da sein – die kann unterschiedlich aussehen.

Abschließend: Haben Sie bei der Entscheidung über ihren Nachfolger beim SCW eine Empfehlung abgegeben?

Bulut: Nein, das habe ich nicht. Der Verein hat das alleine entschieden und das ist auch richtig so.

Info

U23-Coach Schappert lehnte die Nachfolge ab

Der Vorstand des SC Waldgirmes wird am Dienstag zunächst der Mannschaft den neuen Trainer für die kommende Spielzeit vorstellen und diesen dann um 20.30 Uhr der Öffentlichkeit präsentieren. Mario Schappert, aktueller Coach der U23 wird es jedenfalls nicht. Der 33-Jährige ist seit 2004 im Verein und steht mit der U23 in der Gruppenliga als Spielertrainer auf Platz eins. Schappert wurde von den Verantwortlichen gefragt, ob er neuer Trainer in der Hessenliga werden will. Er lehnte aber ab – noch: "Das war ein Thema, aber der Aufwand ist für mich im Verbund mit meinen Kindern zu groß. Außerdem wollte ich die Spielerschuhe noch nicht gegen die Winterschuhe als Trainer eintauschen. Langfristig gesehen ist das aber eine sehr interessante Aufgabe."

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