Brach mit Nerven aus Stahl

  • vonSebastian Kilsbach
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(sks). 89:87 (45:37) hieß es für die 46ers Rackelos in der Basketball-ProB gegen Coburg am Sonntagabend. Johannes Lischka brillierte - die Kohlen aus dem Feuer holte aber ein Youngster.

Fünfter Saisonsieg für das Gießener Farmteam. Über weite Teile des Spiels verwalteten die Hessen eine knappe Führung. Doch die Schlussphase übertraf jeden Krimi. Als Aufbauspieler Tim Köpple in der 37. Minute mit seinem fünften Foul vom Feld musste, drohte die Coburger Aufholjagd noch zu gelingen. Die favorisierten Franken hatten eine zweistellige Führung der Gießener fast egalisiert und lagen mit 77:79 in Lauerstellung. Herein kam Sebastian Brach, der bis zu diesem Zeitpunkt kaum auf dem Parkett gestanden hatte. Der 18-Jährige bewies Nerven aus Stahl und sorgte sofort per Dreier für Beruhigung. Danach näherte sich die Spannung dem Siedepunkt.

Denn auch als Coburg bei noch 13 Sekunden auf der Uhr ausgerechnet Brach taktisch an die Freiwurflinie foulte, blieb der Youngster cool. Zumindest zunächst: Der erste Versuch passte, der zweite fand nur den Ring. Donte Nicholas war aber aufmerksam und fischte sich den Offensivrebound. Sekundenbruchteile später stand der einzige US-Amerikaner im Team ebenfalls an der Linie und netzte doppelt: 89:85. "Wir haben ihm in der Halbzeit eine Ansage gemacht", erklärt Lutz Mandler, der nach seiner Rückkehr an die Seitenauslinie gleich einen echten Hitchcock coachen durfte. Unter der Woche hatte er das Amt von Rolf Scholz übernommen, der nun die Bundesliga-46ers trainiert. Zuvor war Mandler drei Jahre als Co-Trainer der Rackelos tätig. Er und die Assistenztrainer Ivica Piljanovic und Brandon Thomas redeten Donte gut zu, der in der ersten Hälfte mannschaftsdienlich agiert hatte, aber noch bei null Punkten stand. Am Ende waren es 16.

Die 45:37-Halbzeitführung hatten die Big Men der Rackelos, Tim Uhlemann und Johannes Lischka, fast im Alleingang erspielt - zumindest offensiv. Die mannschaftliche Geschlossenheit war für Mandler aber der Schlüssel zum Sieg: "Man muss auch überlegen, gegen was für starke Jungs die da spielen. Sie haben das einfach toll gemacht, sind auch bei schlechten Calls positiv geblieben." Piljanovic ergänzte: "Es ging über die Defense, wir hatten viele gute Stops und ein hohes Intensitätslevel." So konnte gegen deutlich athletischere Franken sogar das Reboundduell ausgeglichen gestaltet werden.

Nicholas räumt Ebert ab

Nicholas’ gesteigertes Selbstvertrauen hatte dann auch in den Schlusssekunden positive Auswirkungen. Bei noch neun Sekunden ging Coburgs Constantin Ebert an die Linie und verkürzte (87:89). Als nächstes fand sich Lischka zu Freiwürfen auf der Gegenseite ein. Ein Treffer hätte gereicht, um eine neue Karrierebestleistung aufzustellen, bei zwei hätte Coburg nicht mehr mit einer Angriffsaktion ausgleichen können. Allein: Dem ehemaligen Nationalspieler, der erneut fast durchspielen musste, flutschten beide Bälle knapp aus dem Ring.

Der BBC besprach sich in einer Auszeit, aus der heraus Ebert über rechts zum Korb zog und enteilt zu sein schien. Etwas zu treffsicher stieg der Guard zum Korb hoch - aber Nicholas hatte den Drive antizipiert und räumte Ebert per Block mächtig ab. Aus dem Einwurf bekam Coburg nur noch einen Notwurf zustande. Das Gießener Happy End war geglückt.

Gießen: Ziring, Köpple (14), Amaize (1), Schneider, Uhlemann (15), Lischka (35, 10 Rebounds), Nicholas (16), Schweizer (2), Brach (6).

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