Heimspiel

Boxer Emir Ahmatovic vertraut auf seine Stärke

Emir Ahmatovic ist einer der Protagonisten des heutigen Boxabends in der Wetzlarer Rittal-Arena. Der 30 Jahre alte Lokalmatador bestreitet den zweiten Hauptkampf.

Als Olympischer Boxer blieb ihm der Weltmeistertitel verwehrt, doch als Berufsboxer will sich Emir Ahmatovic seinen großen Traum erfüllen. "Dafür arbeite ich in jedem Training sehr hart", sagt der 30-Jährige, der in Serbien geboren wurde, aber in Wetzlar aufwuchs. In den letzten beiden Wochen vor seinem Heimkampf musste der Cruisergewichtler besonders hart arbeiten. Rund sechs Kilogramm musste er abnehmen, um das Limit für das Cruisergewicht (90,72 Kilogramm) nicht zu überschreiten. "Jetzt freue ich mich darauf, wieder ordentlich zu essen", sagte Ahmatovic kurz vor dem gestrigen Wiegen bei Auto Bach in Wetzlar. Am heutigen Samstag will der 30-Jährige ausschlafen und entspannt frühstücken, ehe am Abend der Kampf gegen Ihar Karavaeu (Belarus) ansteht. Im Gespräch mit dieser Zeitung äußert sich der schlagstarke 1,88-Meter-Mann, der bei den Amateuren unter anderem Bronze bei der Europameisterschaft gewann, über seinen Auftritt in der Heimat, seinen Wechsel zu den Profis und sein Verhältnis zu Star-Trainer Ulli Wegner.

Sie haben seit Ihrer frühen Jugend in Wetzlar gewohnt. Wie groß ist die Vorfreude auf Ihren Kampf in der Rittal-Arena?

Emir Ahmatovic: Ich bin zwar nicht in Wetzlar geboren, aber Wetzlar ist meine Heimatstadt. Deshalb freue mich natürlich unheimlich und bedanke mich bei meinem Management und der Stadt Wetzlar, dass ein Heim-Kampf bereits zu einem solch frühen Zeitpunkt in meiner Profikarriere geklappt hat. Zumal ich als Olympischer Boxer fast nie in Wetzlar kämpfen dürfte. Vor einigen Wochen hatte ich diese Idee an unser Management herangetragen und hatte auch mit meinem Trainer Ulli Wegner darüber gesprochen. Er hat ja besondere Erinnerungen an Wetzlar (sein Schützling Arthur Abraham verteidigte am 23. September 2006 seinen Weltmeistertitel in der Rittal-Arena trotz Kieferbruch, Anm. d. Red.) und war daher schnell zu begeistern. Ich dachte eigentlich, dass ich irgendwann einmal einen Titelkampf dort bestreite, aber dann ging alles ganz schnell. Ich hoffe, dass die Halle voll wird denn es werden viele gute Kämpfer in den Ring steigen.

Wie nervös sind Sie?

Ahmatovic: Ich weiß natürlich, dass die Erwartungshaltung groß ist. Viele Leute besuchen wegen mir den Kampfabend und wollen eine überzeugende Vorstellung sehen. Das setzt mich natürlich unter Druck und macht mich nervös. Als Olympischer Boxer hatte ich lieber in Städten gekämpft, in denen mich niemand kennt. Aber als Profi ist das natürlich schwierig. Der Kampfabend ist ein guter Test für mich, um mit belastenden Situationen besser zurecht zu kommen. Und je früher das passiert, desto besser ist es. Denn im Laufe einer Profikarriere werden die Gegner in der Regel immer stärker.

Was wissen Sie über Ihren Gegner?

Ahmatovic: Eigentlich hätte ich ja gegen den Polen Lukasz Zygmunt kämpfen sollen, aber er fiel kurzfristig aus. Von ihm hatte ich kein Video gesehen, sondern nur ein Foto. Über meinen neuen Gegner weiß ich nur, dass er bislang 22 Kämpfe bestritten hat – also nicht viel. Das ist aber nicht schlimm. Ich habe als Olympischer Boxer genügend Erfahrungen sammeln können und vertraue auf meine Stärke. In der ersten Runde werde ich sehen, was er kann und was nicht. Ich lasse den Kampf auf mich zukommen.

Bevor Sie Profi wurden, mussten Sie aufgrund einer komplizierten Schulterverletzung fast zwei Jahre lang pausieren. Wie gut haben Sie sich in den vergangenen Wochen bei den Berufsboxern eingelebt?

Ahmatovic: Am Anfang bin ich mir wie jemand vorgekommen, der seinen Beruf gewechselt hat. Denn bei den Profis hat man andere Trainingsabläufe. Als Olympischer Boxen konnte ich mich nicht so intensiv auf Kämpfe vorbereiten, weil ich ständig in den Ring musste. Bei den Profis kann ich gezielter arbeiten und mich auch besser regenerieren, weil man weniger kämpft. Vielleicht war die Intensität als Olympischer Boxer der Grund für meine Verletzung. In jedem Fall fühle ich mich bei den Profis besser aufgehoben. Ich werde immer stabiler und kann nach wenigen Monaten sagen, dass ich mich sehr gut zurechtfinde.

Ihr Trainer Uli Wegner ist für sein hartes Training bekannt. Ist es wirklich so heftig, bei ihm zu trainieren?

Ahmatovic: Wegner sagt immer: Wir trainieren nicht hart, sondern richtig. Aber natürlich ist sein Training herausfordernd – und das muss es auch sein. Sein Training ist keine Zauberei, aber er hat einen hervorragenden Draht zu den Boxern. Das macht ihn zu einem einzigartigen Charakter. Er ist vielen Trainern weit voraus, weil er jeden seiner Sportler erreicht. Deshalb ist zwischen ihm und mir schnell ein besonderes Vertrauensverhältnis entstanden. Wenn er etwas sagt, dann nehme ich mir das sofort zu Herzen. Obwohl er schon 75 Jahre alt ist, ist er jung geblieben und weiß immer, was uns Boxer beschäftigt. Er macht sehr gerne Scherze, erzählt uns viele Geschichten aus seiner langen Karriere und arbeitet häufig mit Beispiele. All das macht das Training mit ihm zu etwas ganz besonderem.

Sie leben und trainieren seit einigen Monaten in Berlin. Wie sehr vermissen Sie Mittelhessen?

Ahmatovic: Wenn ich eine Woche nicht zu Hause war, dann ist das noch in Ordnung. Wenn ich aber zwei Wochen nicht in Mittelhessen war, dann habe ich schon Heimweh. An Wochenenden und wenn ich zwei Tage am Stück frei habe, fahre ich meistens nach Wetzlar. In der Stadt habe ich übrigens immer noch meinen ersten Wohnsitz. Es ist eigentlich verrückt, für zwei Tage mehr als 1000 Kilometer zu fahren – aber mir ist es das wert. Außerdem habe ich in Berlin noch keine eigene Wohnung und lebe noch im Hotel. Schöne Wohnungen rund um das Olympiastadion in Charlottenburg zu finden (hier arbeitet Ahmatovic mit seiner Trainingsgruppe, Anm. d. Red.), ist nicht leicht. Aber ich werde das demnächst angehen.

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