Bogojevic: "Wir dürfen nicht unvernünftig werden"

Erst Interview-Termin, dann sofort ab in einen Elektrofachmarkt, um ein Kabel zu besorgen. Bei uns erklärt der Gießen 46ers-Trainer Vladimir Bogojevic, wie er das Spiel gegen den Deutschen Meister Brose Baskets Bamberg  (Beginn: Sonntag, 17 Uhr in der Osthalle) vorbereit und wozu er das Kabel braucht.

Der Trainer der LTi Gießen 46ers hatte sich am Mittwochabend das Basketball-Euroleague-Spiel der Bamberger gegen Olympiakos Piräus auf Sport 1+ gekauft. Das spezielle Kabel benötigte er, um über seinen Laptop die Partie auf seinen Fernseher zu übertragen und somit noch genauer die Feinheiten zu analysieren.

8:2 Punkte nach fünf Spieltagen, Rang drei für die LTi Gießen 46ers. Sind Sie nicht selbst ein wenig über diesen gelungenen Start in die BBL überrascht?

Vladimir Bogojevic: "Dass es so gut läuft, ist sicherlich überraschend. Aber wir müssen auf dem Teppich bleiben. Es sind erst fünf Spiele gespielt. Überspitzt gesagt, sind es die ersten Siege gegen den Abstieg. Dennoch sind sie ungemein wichtig für die junge Mannschaft. Sie helfen ihr, geben ihr das nötige Selbstbewusstsein. Und es erleichtert die Arbeit im Training. Es gibt uns die nötige Ruhe und das Vertrauen in unsere Arbeit."

Dennoch: Die Euphorie ist in der mittelhessischen Region entfacht. Die Fans träumen von den Playoffs. Wohin geht der Weg Ihrer Mannschaft?

Bogojevic: "Wir haben bewusst keinen Tabellenplatz als Saisonziel ausgegeben. Für uns ist Kontinuität wichtig. Das ist aber ein langer Prozess, nicht einer von vier bis fünf Spielen und nicht von einer einzigen Saison. Zwei, drei Jahre - dann sollte es funktionieren. Unser Motto ist: An jedem Spieltag alles zu geben und sich so zu verausgaben, dass man nachher ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen kann. Ich möchte den Fans nichts an ihrer Euphorie nehmen, aber wir müssen realistisch bleiben und nicht unvernünftig werden. Ein Hype in unserer Situation wäre kontraproduktiv. Wir haben junge Amerikaner, die das erste Mal in einem fremden Land sind, und man weiß nie genau, wie es sich mit ihnen entwickelt."

Auffällig ist, dass die neu formierte Mannschaft einen temporeichen, attraktiven Basketball zeigt. Was hat sich verändert?

Bogojevic: "Ich habe sicher im Jahr zuvor das gleiche von meinen Spielern verlangt: verteidigen, schnell nach vorne kommen und wenn das nicht geht, eine Überzahlsituation nutzen und kontrolliert spielen. Aber das ist eine Entwicklung, die Zeit benötigt. Die hatten wir aufgrund der Wildcard-Situation nicht. Mit diesen Problemen mussten wir uns in dieser Saison nicht herumschlagen. Wir hatten diesmal genügend Zeit bei der Rekrutierung, um uns ein genaues Bild über die Spieler zu verschaffen, und im Vergleich zum Vorjahr einen Monat länger Vorbereitung."

Was gefällt Ihnen an Ihrer Mannschaft?

Bogojevic: "Am meisten gefällt mir, dass wir uns individuell und als Team weiterentwickeln und Erfahrungen sammeln, wie zum Beispiel, wie viel Druck man ausüben muss, dass man im Eins-gegen-Eins nicht geschlagen wird, wie und wo man sich bei der Helpside positionieren muss oder wo der Arm sein muss, um den Passweg zuzumachen. Zudem gefällt es mir, dass wir bereit sind, miteinander zu spielen. Die 18 Assists im Spiel gegen Ulm haben mich besonders gefreut."

Es ist offensichtlich, dass sich im Vergleich zur letzten Saison einiges verändert hat. So sind die Spieler bereit, den Extrapass zu spielen. Es scheint untereinander zu stimmen.

Bogojevic: "Die Truppe harmoniert. Wir haben uns auch bemüht, dass es passt. Wir haben alles, was man braucht. Erfahrung, Athletik, Körperlänge und Jugend. Man muss sich nicht lieben, aber miteinander auskommen. Alterstechnisch haben wir einen Platzhirsch, und der Rest ist nicht weit auseinander - so ist alles ein wenig einfacher."

Was missfällt Ihnen?

Bogojevic: "Unkonzentriertheiten bei Vereinbarungen - sowohl offensiv wie defensiv."

Kehrt Chase Griffin nach seiner Sprunggelenksverletzung am Sonntag ins Team zurück?

Bogojevic: "Ich gehe davon aus. Er hat sehr viel investiert, um schnell wieder fit zu werden. Er trainiert mit uns, der Fuß ist belastbar, aber er ist noch nicht bei 100 Prozent."

Nächste Woche läuft der Vierwochenvertrag von Taylor Kepkay aus. Wird mit ihm verlängert?

Bogojevic: "Diesbezüglich ist noch keine Entscheidung gefallen. Wir schauen uns noch die beiden Spiele (am Sonntag gegen Bamberg und am Mittwoch in Düsseldorf) an und werden dann ein Urteil fällen."

Funktioniert das Zusammen-spiel mit Ihrem Co-Trainer Usamedin Mehmed?

Bogojevic: "Ja. Ich bin glücklich, dass er da ist. Er ist eine große Unterstützung."

Was erwartet die Fans am Sonntag im Knaller gegen Bamberg?

Bogojevic: "Es ist ein Knaller, wenn man auf die Tabelle blickt. Von mir aus wird es auch knallen, insofern, dass wir versuchen werden, alles zu geben - und am Ende schauen wir, was dabei herausspringt. Das ist keine Angsthasenaussage: Aber uns mit Bamberg auf eine Ebene zu stellen, davon sind wir noch meilenweit entfernt. Es prallen zwei Welten aufeinander: ein Top-Vier-Verein, Deutscher Meister und Doublesieger und ein Klub mit großer Tradition, der gerade im Begriff ist, sich stabiler aufzubauen. Ich hoffe, dass die Halle voll wird und uns die Zuschauer so wie zuletzt unterstützen." (gae)

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