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Bogicevic: »Wir müssen mehr Tore schießen«

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Von: Sven Nordmann

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Bester Schütze der bisherigen Saison: Donny Bogicevic traf fünfmal für den FC Gießen. IMAGO © Imago Sportfotodienst GmbH

Donny Bogicevic hat sich beim FC Gießen nach einer schwierigen Eingewöhnungsphase stark entwickelt. Im Interview spricht der Gießener über die Lage des FC und seine Zukunft.

Bleibt der Gießener in Gießen? Donny Bogicevic ist beim VfB 1900 groß geworden, wohnt mit seiner Familie in Odenhausen und wird vom Gießener Rechtsanwalt Filip Piljanovic und Nikola Milos vertreten. Der 20-Jährige ist in Mittelhessen verwurzelt.

Gleichzeitig hat der Offensivakteur mit starken Leistungen auf sich aufmerksam gemacht - hier spricht er vor dem Derby beim TSV Steinbach Haiger (Fr., 19 Uhr) über Für und Wider eines Verbleibs im Sommer und die aktuelle Situation des abstiegsgefährdeten FC Gießen in der Fußball-Regionalliga Südwest.

Herr Bogicevic, wie zufrieden sind Sie mit den drei Remis aus den drei Spielen nach der Winterpause?

Wir haben uns das ein bisschen anders vorgestellt. Gegen Bahlingen und Balingen waren wir die bessere Mannschaft und hatten mehr Torchancen. Da haben wir Punkte liegen gelassen. Und auch gegen Aalen waren wir in der zweiten Hälfte sehr dominant. Das ist grundsätzlich gut. Wir spielen gut. Aber uns fehlt der gewisse Punch vor dem Tor.

Warum also hat der FC Gießen zuletzt dreimal in Folge unentschieden gespielt?

Wir müssen mehr Tore schießen. Defensiv sind wir stabil, das ist wichtig. Vorne erspielen wir uns sehr gute Chancen. Bis zum Abschluss klappt das gut. Da fehlt uns zuletzt etwas das Quäntchen Glück, sodass auch einfach mal ein Abpraller ins Tor geht. Wir müssen einfach weiter unsere Chancen suchen und diese dann nutzen.

Bei Mittelstürmer Aykut Öztürk lief es in der Vorbereitung mit sechs Treffern noch so gut...

(lacht) Ja, die Vorbereitung ist eben die Vorbereitung.

Der zweite regionalligaerfahrene Stürmer Giuseppe Burgio kehrt nach langer Verletzungspause gerade wieder zur vollen Fitness zurück.

Man sieht, dass er uns fehlt. Giuseppe hat viel Erfahrung und ist einer, der kaltschnäutzig vor dem Tor ist. Hoffentlich kann er bald wieder ganz zu seiner alten Form finden.

Wie bewerten Sie die Tabellenkonstellation elf Spieltage vor Saisonschluss? Schauen Sie überhaupt darauf?

Wenn wir gespielt haben, schaue ich am nächsten Tag schon auf die Tabelle. Sich richtig Gedanken zu machen, hilft aber nicht. Du kannst es nur im nächsten Spiel selbst beeinflussen. Ich denke, dass wir mal wieder einen Dreier einfahren müssen.

Beim Gastspiel in Haiger beim Topteam TSV Steinbach (Fr., 19 Uhr) müsste dafür schon einiges zusammenkommen, oder?

Ich persönlich war noch nie dort und lasse mich überraschen. Wir nehmen die schwere Aufgabe an und versuchen zu gewinnen. Auch die vorderen Teams patzen - du kannst in dieser Liga gegen jeden gewinnen.

Wie bewerten Sie selbst ihre Saison? Mit fünf Treffern sind Sie bester Torschütze des FC Gießen. Dabei hatten Sie gerade zu Saisonbeginn Eingewöhnungsprobleme.

Der Anfang war recht schwierig, das stimmt. Ich kam aus einer coronabedingten siebenmonatigen Spielpause aus Erfurt und musste mich dann erstmal an das höhere Niveau und Tempo der Regionalliga gewöhnen. Vorher habe ich in der Oberliga gespielt. Das Tempo ist eine gute Ecke schneller.

Im ersten Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 II wirkten Sie zeitweise noch überfordert, entwickelten sich dann aber schnell erfolgreich weiter.

Du hast einfach weniger Zeit, dich umzugucken, wenn du den Ball hast. Du musst vorausschauen. Die Zweikampfhärte ist eine andere. Ich hatte am Anfang meine Probleme. Aber ich habe mich daran gewöhnt. Ich hatte das Glück, dass ich schnell Fuß gefasst habe. Da haben mir auch meine Teamkollegen mit Regionalliga-Erfahrung geholfen. Sie haben mich gecoacht. Jetzt mache ich ein, zwei Schulterblicke früher. Es geht ins Blut über, schneller zu handeln.

Wo können Sie sich weiter verbessern?

Wenn ich den Ball verliere, kann ich noch schneller schalten: ›Oh ja, jetzt ins Gegenpressing!‹ Offensiv kann ich an meiner Entscheidungsfindung arbeiten, wenn ich auf die Verteidigungskette zulaufe: Schieße ich selbst oder spiele ich nach außen ab? Da kann ich noch zielstrebiger werden.

Sind Sie zufrieden mit Ihrer bisherigen persönlichen Saison?

Ich habe meine Spielfreude entwickelt. Wenn ich Tore schieße und vorbereite, stimmt mich das glücklich.

Für welchen Verein werden Sie ab dem Sommer 2022 spielen?

Darüber denke ich jetzt noch nicht nach. Es sind noch elf Spiele zu absolvieren und ich will mit dem FC Gießen die Klasse halten.

Haben Sie Möglichkeiten zu wechseln?

Ich denke schon, dass ich die Möglichkeit haben werde. Es gibt Interessensbekundungen. So kann ich entscheiden, was für meine Entwicklung im Sommer am besten ist.

Was würde beispielsweise für einen Wechsel zu einer U23 sprechen?

Diese Mannschaften sind natürlich attraktiv, weil sehr gute Trainingsbedingungen herrschen und eine Nähe zur ersten Mannschaft vorhanden ist. Ich habe das Ziel, Profifußballer zu werden. Das ist für mich klar.

Und was spricht für einen Verbleib beim FC Gießen?

Ich habe im Oktober angefangen, Bewegung und Gesundheit zu studieren. Ich kann aktuell bei meinen Eltern im vertrauten Umfeld wohnen und habe eine geringe Anfahrtszeit zum Training und Heimspiel. Wenn ich in der kommenden Saison bei einem anderen Verein spielen sollte, wird das Studium vermutlich erst einmal wieder in den Hintergrund rücken.

Was muss gegeben sein, damit ein Verbleib beim FC Gießen realistisch ist?

Wenn wir in der Regionalliga bleiben, kann ich mir das vorstellen. In der fünften Liga zu spielen, würde mich in meiner Entwicklung wahrscheinlich nicht so weiterbringen.

Wie fühlt es sich für Sie an, im Waldstadion zu spielen?

Das fühlt sich wie Heimat an. Ich habe in meiner Jugend für fünf Jahre beim VfB 1900 Gießen gespielt, oft unten auf dem Kunstrasen. Das ist ein Stück meiner Kindheit. Meine Familie kommt immer vorbei, Freunde schauen öfter zu.

Wie sehr schätzen Sie es, nach drei Jahren in Erfurt wieder in Ihrer Gießener Heimat zu sein?

Ich schätze das sehr, die Nähe zu meinen Freunden. In der Corona-Zeit war es nicht einfach, aber wir haben das Beste daraus gemacht. In der Mannschaft selbst verstehe ich mich mit Kevin Kling und Ben-Luca Fisher am besten. Wenn wir am Dienstag um 10.30 Uhr und 16 Uhr zweimal Training haben, gehen wir mittags gerne gemeinsam in Gießen essen.

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Hat viel Erfahrung um sich: Der 20-jährige Donny Bogicevic (3. v. l.) hier mit (v. l.) Nejmeddin Daghfous, Niclas Mohr und Nikola Trkulja. © Imago Sportfotodienst GmbH

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