Lang ist’s her: Der Antrag für Trikotwerbung des TSV Allendorf/Lahn im November 1976. FOTO: PRIVAT
+
Lang ist’s her: Der Antrag für Trikotwerbung des TSV Allendorf/Lahn im November 1976. FOTO: PRIVAT

Fußball

Bodo Pietzsch: Der heimische Vorreiter

  • Michael Schüssler
    vonMichael Schüssler
    schließen

Fußballtrikots ohne Werbung - mittlerweile die Ausnahme. Im Profi- Bereich waren Ende der 70er Jahre Jerseys mit einem Sponsoraufdruck Normalität. Bei den Amateuren dauerte es.

Trikotwerbung gehört zum Fußball wie das Spielgerät selbst. Doch das war nicht immer so. Der erste Verein, der mit Brust-Werbung auflief, war Wormatia Worms im Jahre 1967 in der damaligen Regionalliga. In den Regularien des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gab es dazu keine klare Regelung, dies wurde aber flugs bei einer Vorstandssitzung nachgeholt. Mit dem Ergebnis, dass Trikot-Werbung verboten wurde. So dauerte es bis 1972, ehe Eintracht Braunschweig - wenn man so will - den Bann brach. Der Hirsch eines Kräuterlikörs wurde zum Vereinswappen gemacht - der Weg für Sponsoren war damit geebnet. Der Rest im Profi-Bereich dürfte bekannt sein, ohne Werbung geht heute nichts mehr.

Im Amateurfußball des Sportkreises Gießen war der TSV Allendorf/Lahn Mitte der 70er Jahre einer der ersten Klubs, die mit Werbung aufliefen. Bodo Pietzsch, damals Inhaber des Unternehmens Hosen-Bodo in Gießen, einer Institution, erinnert sich an den November 1976. "Ich hatte in Allendorf/Lahn gebaut und bin so in Kontakt mit dem Macher des TSV gekommen", erinnert sich Pietzsch. Gemeint ist Friedel Henkelmann, damals Fußball-Abteilungsleiter beim TSV Allendorf/Lahn. Schnell wurde man sich einig, der entsprechende Antrag beim Hessischen Fußball-Verband (siehe Foto) gestellt. "Das war so Mitte 1976, und alles ging gut und schnell über die Bühne, das ist anstandslos genehmigt worden", so Pietzsch.

Die Zusammenarbeit mit dem TSV währte insgesamt zehn Jahre, neben der Trikotwerbung wurde das Turnier um den Hosen-Bodo-Pokal des Herrenausstatters aus der Taufe gehoben. "Ich war einer der Ersten im Amateurfußball in Hessen, genauer im Kreis Gießen", blickt Pietzsch mit Stolz auf die Vergangenheit.

Doch Pietzsch war nicht nur Unterstützer des TSV Allendorf/Lahn, sondern auch anderer Vereine. "In meiner Nachbarschaft hat seinerzeit Bernd Röder gewohnt", sagt Pietzsch. Röder war in den 70er Jahren für den Basketball-Bundesligisten MTV 1846 Gießen aktiv, später auch noch Bundestrainer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. Bodo Pietzsch war in jener Zeit dem heimischen Sport mehr als verbunden, auch er unterstützte er unter anderem den damaligen Handball-Bundesligisten TV 05/07 Hüttenberg, den Fußball-Oberligisten VfB 1900 Gießen und beispielsweise auch noch die SG Kinzenbach und den SC Waldgirmes.

"Ich habe damals überall gerührt", sagt der heute 82-Jährige mit einem Lächeln. Mittlerweile hat sich der gebürtige Breslauer, der nach dem Zweiten Weltkrieg 1946 mit seiner Familie nach Gießen kam, freilich zurückgezogen. Doch den Sport im Mittelhessen verfolgt er immer noch. Wenn auch aktuell nicht auf dem Platz oder in der Sporthalle - aufgrund der Corona-Pandemie. FOTO: PRIVAT

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare