Gießens Spielmacher Bjarne Kraushaar (mit Ball) ist mit seinen Leistungen in den Fokus des Bundestrainers Henrik Rödl gerückt, der ihn in den A-Kader berufen hat. FOTO: IMAGO
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Gießens Spielmacher Bjarne Kraushaar (mit Ball) ist mit seinen Leistungen in den Fokus des Bundestrainers Henrik Rödl gerückt, der ihn in den A-Kader berufen hat. FOTO: IMAGO

Gießen 46ers

Bjarne Kraushaar steht im Bundestrainer-Fokus

  • Wolfgang Gärtner
    vonWolfgang Gärtner
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Bjarne Kraushaar hat sich über die Nominierung in den vorläufigen Kader der Basketball-A-Nationalmannschaft riesig gefreut. Eine besondere Ehre für den 21-jährigen Spielmacher der Gießen 46ers. Er zählt zu den sechs möglichen Nachrückern.

Bjarne Kraushaar ist ein Gießener "Bub" und hat sich schon lange in die Herzen der Gießen-46ers-Fans gespielt. Der 21-Jährige ist ein echter Pointguard. Einer, der seine Mitspieler besser macht und ein Spiel lesen kann - eine besondere Gabe. Die Konkurrenz auf der Königsposition ist aber in den BBL-Teams riesengroß. Meist entscheiden sich die Trainer für einen Amerikaner oder einen Routinier als Starter auf der Eins. In Gießen hat Kraushaar das Vertrauen, das Trainer Ingo Freyer in ihn gesetzt hat, mit guten Leistungen zurückgezahlt. Nun erhielt Kraushaar mit der Berufung von Bundestrainer Henrik Rödl in das A-Team eine Belohnung dafür.

Der Gießener Pointguard gehört zu einem 18er-Kader, aus dem 13 Spieler in Frankreich zum Einsatz kommen werden. Nicht berücksichtigt sind dabei die deutschen Profis aus der NBA. Für Kraushaar wäre es das DBB-Debüt. In der EM-Quali trifft die deutsche Mannschaft am 27. November in Pau auf Montenegro und zwei Tage später auf den Gastgeber Frankreich. Deutschland ist als Mit-Ausrichter mit einer Vorrunde in Köln und der Finalrunde in Berlin bereits für die EM 2022 qualifiziert.

Wann haben Sie die Einladung zur A-Nationalmannschaft erhalten?

Ich habe die Einladung per E-Mail vergangenen Mittwoch um 16.25 Uhr bekommen.

Waren Sie überrascht, als sie auf dem Handy aufploppte?

Im ersten Moment war ich sehr überrascht, dass "E-Mail von Henrik Rödl" auf meinem Handy stand, und wusste erstmal gar nicht, um was es hätte gehen sollen. Aber als ich sie dann gelesen habe, habe ich mich über die Nachricht sehr gefreut. Das ist für mich eine riesige Ehre und ein großer Ansporn, an mir weiterzuarbeiten.

Wie reflektieren Sie für sich die Berufung in den elitären Kreis?

Die Konkurrenz in der deutschen Nationalmannschaft ist selbstverständlich groß. Deutschland hat sehr gute Pointguards, auf dem Level kann jeder spielen. Und wenn ich meine Chance bekomme, werde ich mein Bestmögliches geben.

Wie hat das Ihr Umfeld - Trainer, Spielerkollegen, Eltern, Freunde, Freundin - aufgenommen?

Ich hatte die E-Mail meiner Familie, meiner Freundin und meinem besten Freund geschickt. Die waren natürlich, wie ich auch, überrascht, weil es aus dem Nichts kam, aber haben sich dann alle mit mir gefreut. Mit Trainern oder Mitspielern hatte ich aufgrund der Quarantäne jetzt keine Chance, persönlich darüber zu reden, aber mir haben viele Mitspieler und Ex-Nationalspieler aus der U20 geschrieben und gratuliert.

Welche U-Nationalteams haben Sie durchlaufen?

Ich war eigentlich bei jeder U-Natio bei Lehrgängen dabei, wurde aber von der U15 bis zu der U18 immer kurz vor der Europameisterschaft gecuttet. Letztes Jahr war ich das erste Mal dann dabei. Das war in der U20, als wir die EM in Israel gespielt haben

Und da lief es gleich ganz hervorragend?

Ja. Wir haben in Israel den dritten Platz belegt. Das hatte bislang erst ein anderes deutsches Team geschafft.

Aktuell sind Sie aufgrund eines Coronafalles im 46ers-Team in der Quarantäne - wie lange noch? Und was gibt es Neues aus dem Lager der Gießen 46ers?

Bis zum 17. November sind wir noch in Quarantäne, die nun ein bisschen gelockert wurde. Wir dürfen seit Montag jeden zweiten Tag einzeln für eine halbe Stunde abends auf den MTV-Sportplatz, um dort zu laufen. Ansonsten halten wir uns bestmöglich fit mit Zoom-Workouts, die wir täglich mit unserem Athletiktrainer Lukas Lai haben - oder ich fahre Fahrrad auf dem Ergometer meines Vaters.

Was ist Ihrer Meinung nach mit dem neuformierten Team der Gießen 46ers in dieser Saison möglich?

Wir wollen uns als Team einfach immer weiterentwickeln und individuell alle besser werden. Wie weit wir damit kommen, wird sich zeigen.

Was gefällt Ihnen an der neuen Mannschaft?

Mir gefällt die Teamchemie sehr gut. Wir sind alle auf einem Level, verstehen uns alle gut. Wir trainieren jeden Tag hart, und jeder ist kompetitiv im Training und will das beste aus seinen Mitspielern herausholen.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage in der BBL mit den vielen Spielabsagen gleich zu Beginn der neuen Spielzeit?

Ich bin gespannt, wie es weitergeht. Ich denke, wenn jedes Team bei einem positiven Coronafall zwei Wochen in Quarantäne muss, wird es sehr schwer, die Saison zu Ende zu spielen. Aber es wird sich zeigen, wie es klappt. Im Endeffekt ist wichtig, dass wir alle zusammen die Pandemie überstehen, jeder gesund bleibt und so wenig Existenzen wie möglich zugrunde gehen.

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