IMAG16583_100221_4c_1
+
Bianca Bernhard vom Gießener Bundesliga-Team RSG Biehler mischt bei den Online-Rennen ganz vorne mit.

GCA eSport Liga auf Zwift

Bianca Bernhard tritt konstant hohe Leistung

  • Ronny Herteux
    vonRonny Herteux
    schließen

Alle Räder stehen still? Beileibe nicht. In der virtuellen Rad-Bundesliga ist der Kampf um Sekunden aufgenommen worden. Bianca Bernhard von der RSG Gießen Biehler ist aufs Podest gefahren.

Kältekammer Deutschland. Unter der Schneedecke lauert zudem das Eis. Derzeit keine Tage für Jogger, Radfahrer, Triathleten oder andere Sporttreibende, die auf ein Training »outdoor« angewiesen sind. Und auch das obligatorische Trainingslager konnte schon vor der ersten Planung ad acta gelegt werden. Die Coronavirus-Pandemie wirbelt vieles, wenn nicht fast alles durcheinander.

Für ein bisschen Abwechslung sorgt der Bund Deutscher Radfahrer (BDR), der mit seiner German Cycling Academy (GCA) digitale Trainings- und Rennprogramme anbietet. Unter anderem wird wieder eine virtuelle Bundesliga angeboten, die über fünf Läufe den kalten und nassen Februar überbrücken soll. Schon im letzten Jahr wurde dieses Angebot gut angenommen, in dieser Saison sind noch einmal weitere Teilnehmer dazugekommen, die auf der virtuellen Plattform Zwift ausgetragen und samstags ab 17.45 Uhr live gestreamt werden.

Von diesem Angebot profiert auch Bianca Bernhard vom Bundesliga-Frauenteam RSG Gießen Biehler, die zwischen 2013-14 schon für das Vorgängerteam RSG Placeworkers unterwegs gewesen war und seit 2018 wieder die Gießener Farben vertritt.

»Es ist kaum zu glauben, wie sich das Team über die Jahre entwickelt hat. Damals hat Torsten Günther (Teammanager, Anm. d. Red.) uns Quereinsteigern eine Chance gegeben, an unseren ersten Lizenz- und Bundesligarennen teilzunehmen. Nach zwei Jahren bei den Placeworkers bin ich dann zu anderen Bundesligateams gewechselt, um mich weiterzuentwickeln und neue Erfahrungen zu sammeln«, schaut die 30-jährige Bürokauffrau zurück, »aber letztlich führte mein Weg zurück zu meinen Wurzeln, da der Teamspirit dort schon immer etwas Besonderes war. Denn unsere größte Stärke ist der Teamgeist.« Die RSG Biehler ist inzwischen »sehr breit aufgestellt und hat für alle Terrains starke Fahrerinnen« am Start. Am meisten freut sich Bernhard darüber, »wie wir vom absoluten No-Name-Team zu einem der erfolgreichsten Teams in der Bundesliga wurden.«

Bernhard, die in der reduzierten letzten Saison drei Siege und acht Platzierungen herausgefahren hat, freut sich über das Angebot der GCA. »Es ist schön in der jetzigen Zeit, virtuell kleine Teamevents zu haben, das hält die Motivation hoch.« Zumal ein zweiter, nicht unwesentlicher Punkt dazukommt: »Vor allem in unserem Team kann es sich momentan ja keiner leisten, ins Trainingslager zu fahren aufgrund der Quarantäneregelungen und jobmäßigen Verpflichtungen.« Denn normalerweise wären die RSG-Damen in diesen Tagen längst in südlicheren Gefilden unterwegs, zumeist auf der »Radfahrer-Insel« Mallorca. So heißt es: zu Hause bleiben. Aber so ganz verzichten wollen Bernhard und Co. nicht auf den üblichen Ablauf, und so »haben wir freitags immer ein Teammeeting, in dem wir die Strecke und Taktik besprechen«. Die virtuelle Bundesliga ist »ein gutes Training für uns, wobei man das alles als Straßenfahrer nicht zu ernst nehmen darf, da man auf Zwift eher konstant hohe Leistung bringen muss, was eher den Triathleten und Zeitfahrern in die Karten spielt. Die gesamte Vielfalt des echten Straßenradsports wird da im Wesentlichen auf eine einzige Komponente reduziert, die w/kg-Leistung«, also die getretenen Wattwerte im Verhältnis zum Körpergewicht.

Beim ersten Bundesliga-Lauf über 47 Kilometer und 310 Höhenmetern auf der Strecke »Casse-Pattes« in der Zwift-Welt »France« musste Bernhard »vier Watt pro Kilo über 20 Minuten leisten, um in der ersten Gruppe« zu bleiben. »Generell hat der Kurs des zweiten Rennens mir besser gelegen, da die Anstiege kurz waren und es darum ging, über etwa eine Minute große Leistungsspitzen abzurufen«. Bernhard belegte im ersten Lauf mit durchschnittlich 3,7 w/kg in 1:06:50 Stunden als Achte noch einen Top-10-Platz unter 55 Starterinnen. Den Sieg sicherte sich Sarah Karollus (3,9 w/kg) in 1:06:20 Stunden, die eine Sekunde vor Bernhards Teamkollegin Helena Bieber (3,8) lag, hier fehlten lediglich fünf Zehntelsekunden für einen Gießener Erfolg. Einen starken sechsten Rang belegte die Gießenerin Julia Schallau (Project Beastmode, 4,3 w/kg) in 1:06:21 Stunden und wies dabei gerade einmal 1,1 Sekunden Rückstand auf. Die weiteren Platzierungen: 14. Lydia Ventker 1:09:19; 15. Katharina Fox 1:09:19; 25. Diana Steffenhagen (alle RSG Biehler) 1:11:16. Das Project Beastmode wurde im letzten Dezember von Seb Wolf, dem sportlichen Leiter des Bunds Deutscher Radfahrer, ins Leben gerufen. Ein Ziel ist es, einen Fahrerpool für ein deutsches Cycling eSports Nationalteam aufzubauen, und die Gießenerin scheint derzeit sehr gute Karten zu haben.

Noch besser lief es für Bernhard im zweiten Bundesliga-Durchgang über 35,5 Kilometer (378 Höhenmeter) auf dem UCI-Kurs Richmond mit einer Dauerleistung von 4,0 w/kg, was ihr nach 49:39 Minuten Rang drei im Fotofinish hinter Siegerin Katja Phoi Gutschke (3,7 w/kg) und der zweitplatzierten Dana Wagner einbrachte. Die weiteren Platzierungen unter 62 Starterinnen: 8. Helena Bieber (RSG Biehler) 49:46; 12. Julia Schallau (4,3 w/kg) 49:56; 14. Adelheid Schütz 50:06; 18. Katharina Fox; 19. Lydia Ventker beide 53:22; 29. Steffenhagen (alle RSG Gießen Biehler) 54:57.

U23-Fahrer Zimmer im Elite-Mittelfeld

Beim Elite-Rennen der Männer war Ole Zilse (4,9 w/kg) in 59:17 Minuten um 69 Hundertstelsekunden schneller im Ziel als Andre Reinlein. U23-Fahrer Niclas Zimmer von der RSG Gießen und Wieseck konnte nach 1:01:45 Stunden (4,1 w/kg) Druck von der Pedale nehmen, was ihm Platz 67 unter 253 Startern einbrachte. Beim zweiten Lauf war es Jan Emmerich, der sich in 44:19 Minuten um eine Sekunde vor Zilse durchsetzte. Unter 228 Startern sprang für Zimmer diesmal Rang 95 nach 47:84 Minuten heraus, dabei war er mit 4,1 w/kg gleichstark wie im ersten Lauf unterwegs.

Allerdings musste Zimmer mit dem Handicap auskommen, dass »ich bei den ersten Rennen keine Smart-Rolle zur Verfügung hatte, was das Ganze etwas erschwert, da die Leistungsübertragung bei meiner Rolle nicht so genau ist«. Deshalb zeigte sich der U23-Fahrer im großen Elite-Feld zwar mit den Ergebnissen »nicht ganz zufrieden, aber unter den Umständen ist das schon in Ordnung. So lange die Form bei den echten Rennen da ist, passt alles.«

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare