+
In diesem Jahr wird wohl kein Moto-Cross-Fahrer den Sprung aus der "Schlucht" auf dem Stirnbergring bei einem Rennen mehr zeigen. ARCHIVFOTO: AWP

Motorsport

MSC Beuern und KV Oppenrod werden von Existenzängsten geplagt

  • schließen

Die Corona-Pandemie hat die Welt im Griff - doch die Reproduktionszahl in Deutschland ist gesunken, Lockerungen erfolgt. Dennoch waren die letzten Wochen hart - auch für Motorsport-Vereine.

Es ist lange her, dass Motorsport-Veranstaltungen im heimischen Raum Zuschauermagneten waren. In den vergangenen Jahren waren hohe vierstellige Besucherzahlen eher die Ausnahme, doch seit Mitte März stehen die heimischen Vereine vor ganz anderen Problemen.

Beim MSC Beuern, in den 80er und 90er Jahren Gastgeber von Moto-Cross-Weltmeisterschaftsläufen auf dem Stirnbergring, ging viele Wochen nichts mehr. Ebenso beim Kart-Verein Oppenrod, der in seiner Motorsport-Arena auch vom Geschäft mit Leihkarts lebt - doch seit dem 19. März dröhnen auch hier keine Motoren mehr.

"Für unsere Zweiradpiloten ist es schon eine äußert unangenehme Situation. Kein Training, keine Trainingsauftaktveranstaltung und so auch keine Rennveranstaltung am Pfingstwochenende", sagt der MSC-Beisitzer Frank Nasswetter, der auch für Presse -und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die MSR-Veranstaltung am 30./31. Mai ist abgesagt worden, da keine Großveranstaltung genehmigt wird - und das mindestens bis Ende August.

"Die Sportler halten sich zu Hause fit und können nicht auf ihren Maschinen trainieren. Die Wohnungen oder auch Gärten wurden zu kleinen Fitnessstudios umfunktioniert", so Nasswetter. Was die Trainingssituation angeht, ist aber nach der Ankündigung aus Wiesbaden ein Silberstreif am Horizont erkennbar.

Doch was hat die Streckensperrung für den MSC bedeutet? "Durch den Ausfall des geplanten Trainingswochenendes im März und der Absage des Rennens an Pfingsten, hat der Verein schon einen erheblichen finanziellen Verlust - im fünfstelligen Bereich - zu verkraften. Keine Startgelder, fehlende Eintrittsgelder, keine Einnahmen durch die Bewirtung und durch die vielen Annoncen im Rennprogramm", erklärt Nasswetter.

Auch der KV Oppenrod - nur wenige Kilometer entfernt - spürt die Auswirkungen der Corona-Krise. "Das trifft uns extrem, da wir in diesen Zeiten nichts verdienen", sagt Manuel Zörb, seines Zeichens der Technische Leiter der Motorsport-Arena. Ein Standbein des Vereins sind die Leihkarts. Von April bis Oktober kann der Interessierte an Samstagen, Sonn- und Feiertagen oder nach Vereinbarung erste Schritte im Motorsport sammeln. Doch das ist aktuell (noch) nicht möglich.

"Da sind stellenweise 15, 20 Karts unterwegs, und wir reden dann von 150 bis 200 Leuten, die sich auf dem Gelände verteilen", verweist Zörb auf den Schnitt im Vorjahr im Leihkart-Geschäft. Das heißt auch, dass keine weitere Einnahmen durch Bewirtung erfolgen. Ein Schlag ins Kontor, wie auch der Vorsitzende Andreas Gränz befindet: "Ich kann das finanziell noch gar nicht abschätzen, aber das ist schon ein großes Problem. Das ist schon ein Bein, auf dem wir als Verein stehen." Freilich steht der KV Oppenrod sportlich ebenso vor großen Herausforderungen, denn auch für ihn gilt, dass alle Großveranstaltungen vorerst bis Ende August ausgesetzt sind.

"Auch sportlich tut das weh, das ist ein Riesenpaket, was uns fehlt. Denn wir haben bei den Kart-Rennen rund 500 Personen an einem Wochenende zu Gast. Das ist eine Menge Umsatz. Alleine im Mai stünden uns vier Veranstaltungen ins Haus. In Anbetracht des sowieso engen Terminkalenders werden einige sicher abgesagt werden müssen." Gränz weist noch auf einen anderen Umstand hin: "Die meisten Sportvereine haben keine laufenden Kosten, aber Vereine mit einem Vereinsgelände wie wir, das geht schon Richtung Existenzangst. Immerhin haben wir aber das Glück, dass wir Festangestellte haben und Arbeitgeber sind, denn so konnten wir auch eine Soforthilfe beantragen. Zusammenfassend trifft uns die aktuelle Krise existenziell. Als Verein planen wir nicht mit riesigen Rücklagen. Alles, was wir an Ertrag einfahren, investieren wir in die Förderung von Jugend und Sport. Unsere Angestellten befinden sich in Kurzarbeit, über einen längeren Zeitraum können wir aber nicht ohne Einnahmen existieren."

Immerhin können nun beim KV Oppenrod die Spitzen- und Profisportler wieder auf die Strecke. Nach Absprache mit der Gemeinde Buseck und dem Landkreis Gießen hat der KV eine Übereinkunft gefunden. Ein kleiner Lichtblick. Auch beim MSC Beuern könnten wieder die Vereinsmitglieder aktiv werden - sofern man eine Lösung findet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare