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Spielt mit der LK1 in der Bezirksoberliga: Philipp Hessler.

Beste Tennisspieler beginnen in zu niedriger Liga

In Laubach und Grünberg werden die Kräfte gebündelt. Eine Hürde in der Satzung sorgt aber dafür, dass die besten Tennisspieler in einer für sie zu niedrigen Liga beginnen. Der Rückgang an Mitgliedern sorgt für weitere Überlegungen.

Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um später zwei nach vorne zu machen. Das gilt für die Grünberger Tennisspieler wie Philipp Hessler oder Robin Wagner. Sie gehen zwei Klassen runter, spielen in der kommenden Saison statt in der Verbandsliga in der Bezirksoberliga. Mit der Leistungsklasse eins und drei. Damit könnte man gut und gerne auch drei Klassen höher spielen. Warum machen sie das?

Der TC Grünberg dominierte im letzten Jahr die 4er-Verbandsliga, kann aber nicht aufsteigen. Eine höhere Klasse gibt es im Segment mit vier Spielern nicht. Mehr Personal, um in die 6er-Klasse einzusteigen, war notwendig. Weil der ESV Grünberg und der TC Laubach gleichzeitig an einer Bündelung der Kräfte interessiert waren, kam es zum Zusammenschluss im Spielbetrieb. Fortan soll es unter dem Namen MSG Laubach/Grünberg gemeinsam nach oben gehen.

Das Problem: Ein Zusammenschluss von drei Vereinen ist auf Landesebene nicht möglich. "Das gleicht einer Neugründung und ist von der Wettspielordnung her verboten", erklärt Hans-Günter Trott, Landesspielleiter vom Hessischen Tennisverband. "Der Grundgedanke einer MSG war: Vereine, denen aufgrund schwacher Mitgliederzahlen das Aus droht, sollen sich zusammenschließen, damit es weitergeht. Es ist ein Notkonstrukt", meint Trott. "Tatsächlich aber nutzen es heute die allermeisten Vereine zur Leistungsoptimierung. Was ja legitim ist. Von daher kann ich es nicht ganz nachempfinden, dass an diesem Verbot auf Landesebene festgehalten wird." Das Gebot wurde einst vom Spielausschuss ins Leben gerufen und wird seitdem nicht angetastet.

"Man wollte sich mit uns keinen Präzedenzfall schaffen", sagt Martin Schmier, 1. Vorsitzender vom TC Laubach. "Das ist zwar schade, aber das kann ich auch verstehen. Denn dann trittst du eine Lawine los." Somit muss die MSG Laubach/Grünberg auf Bezirksebene starten. Der TC aus Laubach wurde in der letzten Saison Zweiter in der Bezirksoberliga, dort startet das Projekt nun. Und dort wird es zu einem Ungleichgewicht kommen, wenn eine Reihe von talentierten und erfahrenen Spielern aus Grünberg zum grundsoliden Laubacher Team hinzustößt.

"Ich gehe davon aus, dass wir aufsteigen", sagt Martin Schmier. "Und ich bin froh, dass das nahezu alle mittragen." Das gilt vor allem für einen wie Philipp Hessler. Der 22-Jährige hat mit seiner LK1 ganz andere Möglichkeiten, als in der Bezirksoberliga zu spielen. Dort war die höchste LK im vergangenen Jahr 7. "Ich habe lange überlegt", sagt Hessler, "aber ich habe mich für Laubach und Grünberg entschieden, weil ich die Leute sehr gut kenne und alle profitieren. Es ist doch schön, wenn man sich auch bei Veranstaltungen wie den Bender Open unter die Arme greifen kann." In der neuen Konstellation sieht er sogar zwei Vorteile: "Im Doppel können wir etwas experimentieren, ohne den großen Druck zu haben. Und wenn wir es schaffen, aufzusteigen, schweißt das zusammen." Um seine Leistungsklasse halten zu können, wird Hessler vermehrt Turniere spielen.

Der Zusammenschluss zieht sich durch alle Altersklassen und betrifft nicht nur den prominentesten Fall, die erste Mannschaft. Die drei Vereine nähern sich an. Das müssen sie nach Ansicht von Schmier auch. Der Rückgang an Mitgliedern gibt ihm zu denken. Langfristig, sagt er, müsse man in Erwägung ziehen, aus drei Vereinen einen zu machen. Schmier erklärt: "Ich komme nach Laubach, will Tennis spielen und sehe, dass die Plätze leer sind. Da frage ich mich doch: Mit wem soll ich spielen?" Einst galt die Faustregel: Ein Verein verträgt 50 Mitglieder pro Platz. In Laubach gibt es rund 100 Mitglieder und vier Plätze. Schmier kommt aus Frankfurt, kennt dort andere Verhältnisse: "Da hatten wir sechs Plätze und 300 Mitglieder. Da war immer Leben drin." Mit einer Konzentration auf weniger Anlagen stellt sich der 1. Vorsitzende aus Laubach vor, Ähnliches erreichen zu können.

Das Grundproblem: Nachwuchs, der von den gelben Filzbällen begeistert ist, gibt es in Laubach kaum noch. "Wenn du als Tennisverein heute überleben willst, musst du in Schulen und Kindergärten gehen", sagt Hans-Günther Trott vom Verband. Er kommt aus dem Tennisbezirk Wiesbaden und ist ganz anderes gewohnt. 150 Schul-Tennismannschaften duellieren sich dort. Nicht jede Region hat solch ein Potenzial. Dem TC aus Laubach fehlt es mittlerweile an einem Trainer, der die Zeit aufbringen kann, in diese Einrichtungen zu gehen. Baustellen bleiben, trotz der Kooperation mit Grünberg. Ein erster Schritt ist mit dem Zusammenschluss getan. Um leistungsfähig zu bleiben, werden langfristig weitere folgen müssen. Sven Nordmann

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