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Der Bergische HC hat sich Rückraum-Linkshänder Ragnar Johannsson vom Zweitligisten TV 05/07 Hüttenberg als Verstärkung für die rechte Angriffsseite geangelt.

Handball

Bergischer HC, TVB Stuttgart und GWD Minden vor der Saison

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In sechs Tagen beginnt die Bundesliga-Saison. Wir stellen die Gegner der HSG Wetzlar vor. Heute geht’s um drei Clubs, von denen einer nach dem Wiederaufstieg sofort in die Top Ten gesprungen ist.

Die beiden anderen, TVB Stuttgart und GWD Minden, gehen einmal mehr mit dem Ziel in die neue Spielzeit, so früh wie möglich nichts mehr mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben, und sind damit direkte Punktekontrahenten der heimischen HSG Wetzlar.

Bergischer HC

Wohin sich der Profihandball entwickelt, wird deutlich am Beispiel des Bergischen HC, der mittlerweile vier Akteure mit 2,00 Meter Körpergröße und mehr sowie sieben (!) Spieler mit 100 kg und mehr Körpergewicht in seinen Reihen hat. Der tschechische Kreisläufer Leos Petrovsky bringt es auf 123 (!) Kilo.

Kommen und Gehen:Mit Tomas Mrkva, Ragnar Johansson, Sebastian Damm und Lukas Stutzke kommen vier Zweitligaspieler ins Bergische Land, die Trainer Sebastian Hinze schnell auf Bundesliga-Niveau bekommen muss. Torhüter Joonas Klama kommt aus dem Nachwuchs des VfL Gummersbach und war dort in der Jugend-Bundesliga im Einsatz. Demgegenüber stehen die Abgänge von Milan Kotrc, Bogdan Criciotoiu, Bastian Rutschmann und Maximilian Bettin. Der BHC hat seinen Kader punktuell verändert und in der Breite gestärkt. Dieses Kollektiv hat in der letzten Runde etliche personelle Rückschläge eingesteckt und erfolgreich kompensiert.

Stärken und Schwächen:In der letzten Spielzeit war es vor allem der Block Abwehr/Torhüter, gepaart mit einem effektiven Umschaltspiel, der als Grundstein für die hervorragende Platzierung herhielt. Wenn es eine Schwachstelle im Spiel der Bergischen gab, dann der Positionsangriff in Stresssituationen. "Wir hatten Probleme, wenn der Gegner die Abwehr umstellt. Insbesondere, wenn er plötzlich offensiver gedeckt hat", erklärte Hinze. Hier will der 40-Jährige mehr Lösungen mit seiner Mannschaft erarbeiten, die dann im Spiel greifen sollen. Insgesamt stellt der BHC ein gut eingespieltes Team, in dem viele Automatismen greifen und das Motto "Wir denken von Spiel zu Spiel" keine Floskel darstellt.

Trainer und Umfeld:Hinze hat seit 2012 das Kommando an der Seitenlinie und steuerte das Schiff BHC auch durch die unangenehmen Wellen, die mit dem Abstieg 2017 einhergingen. Der Verein blieb ruhig, verfolgte weiter seinen Weg und belohnte sich in der letzten Saison mit Platz sieben. Das Team um das Team wird kontinuierlich erweitert und besser aufgestellt. Nachdem vor der letzten Runde ein Co-Trainer und ein Team-Assistent eingesetzt wurden, folgt erstmals ein hauptamtlich angestellter Physiotherapeut. Im Hintergrund wurden unter Geschäftsführer Sport Jörg Förste viele Steine umgedreht, der Etat aufgestockt und eine sportliche Leitidee etabliert.

Prognose:Die Vorbereitung stimmt Hinze zuversichtlich, denn die Neuzugänge fügen sich gut ins System des BHC ein. Wenn in den nächsten Wochen dann auch noch Max Darj, Maciej Majdzinski und Daniel Fontaine aus ihren Verletzungspausen zurückkehren, hat Hinze wieder eine schlagkräftige Truppe zusammen. Der Überraschungseffekt der letzten Runde wird sich kaum wiederholen, aber eine ähnliche Platzierung ist dem BHC, gestützt auf ein breites und stabiles Fundament, durchaus zuzutrauen.

TVB Stuttgart

Das spannende Stuttgarter Handball-Projekt geht weiter. Nach den Plätzen 15, 14, 14 und 15 möchte sich der TVB mit einer personellen Runderneuerung endlich eher Richtung Tabellenplatz 10 bis 12 orientieren.

Kommen und Gehen:Der TVB hat einen radikalen Umbruch vollzogen. Mit Lukas von Deschwanden, Jonas Maier, Bobby Schagen, Tobias Schimmelbauer, Florian Burmeister, Simon Baumgarten und Michael Schweikardt haben sieben teils sehr erfahrene und gestandene Bundesligaprofis den Verein verlassen. Dafür holte man mit Adam Lönn, Rudolf Faluvegi, Elvar Asgeirsson und Zharko Peshevski vier neue Spieler aus dem Ausland, die weder Liga noch Sprache kennen. Dazugesellen sich die beiden Außenspieler Patrick Zieker und Tim Roman Wieling. Das größte Risiko geht man in Stuttgart auf der Torhüterposition ein. Hinter Johannes Bitter steht das erst 20 Jahre alte Eigengewächs Nick Lehmann vor seinem Bundesligadebüt.

Stärken und Schwächen:Die Verjüngung des Kaders birgt Chancen, aber auch große Gefahren. Das Trainingslager im Zillertal hörte sich von allen Seiten nach einem großen Erfolg in puncto Teambuilding an. Dennoch steht Trainer Jürgen Schweikardt vor der Herkulesaufgabe, seiner Mannschaft ein funktionierendes Konzept für eine schwere Bundesligarunde an die Hand zu geben. Der TVB will sich in seiner fünften Saison in der höchsten Spielklasse endlich etablieren und ist dafür ein hohes Risiko eingegangen. Greifen hier nicht schnell die Mechanismen, kann es prompt wieder in den Kampf um den Klassenerhalt gehen. Die erfahrenen Spieler um "Jogi" Bitter und Manuel Späth müssen vorangehen und die Youngster mitziehen, die über großes Potenzial verfügen.

Trainer und Umfeld:Schweikardt hat sich mit seiner Doppelrolle als Manager und Trainer arrangiert und arbeitet weiter akribisch an der Marke TVB. Man will sich mittelfristig im Tabellenmittelfeld etablieren und findet dafür im wirtschaftlich starken Raum Stuttgart beinahe perfekte Rahmenbedingungen vor. Die zwei Spielhallen Scharrena und Porsche-Arena sind gut ausgelastet, zudem bietet die renovierte Bittenfelder Gemeindehalle gute Trainingsmöglichkeiten. Auch am Logo des TVB wurde gebastelt, um sich noch deutlicher zur Handballmetropole Stuttgart zu bekennen.

Prognose:Alles steht und fällt mit der Einbindung der Neuzugänge. Wie schnell gelingt die Eingewöhnung in den Bundesligaalltag, die neue Sprache, die neuen, höheren Anforderungen? Ein schlechter Start kann ruckzuck Abstiegskampf bedeuten und den Druck erhöhen. Auch in der fünften Saison wird das vorrangige Ziel im vorzeitigen Klassenerhalt liegen. Eine Platzierung im unteren Drittel scheint realistisch.

GWD Minden

Vier Rückraumlinke, drei Rückraumrechte sowie drei Mittelmänner, drei Torhüter und drei Kreisläufer - die Ostwestfalen zeigen deutlich, welchen Weg sie einschlagen wollen. Der Kader ist auf 34 harte Spieltage vorbereitet, das Durchschnittalster auf 23,7 Jahre gesenkt worden. Nur die Eulen Ludwigshafen haben noch ein jüngeres Team am Start.

Kommen und Gehen:Die Zugänge können sich sehen lassen - nicht nur qualitativ, sondern auch mengenmäßig. Malte Semisch, Christoph Reißky, Lucas Meister, Joscha Ritterbach, Juri Knorr, Jonas Molz, und die beiden Eigengewächse Leon Grabenstein und Justus Richtzenhain frischen den Kader auf und sorgen für eine erhebliche Senkung des Altersdurchschnitts auf 23 Jahre. Gehen mussten oder wollten dafür Kim Sonne Hansen, Maurice Paske, Anton Mansson, Lukas Kister, Andreas Cederholm, Luka Zvizej und Dalibor Doder. Vor allem der Abgang von Denker und Lenker Doder wiegt schwer, bietet den Mindenern aber auch die Chance, flexibler und weniger ausrechenbar zu agieren. "Darauf freuen wir uns alle", erklärte Trainer Frank Carstens. "Wir haben ein mehr oder weniger leeres Blatt Papier vor uns und sind neugierig auf die Veränderungen." Da darf man gespannt sein.

Stärken und Schwächen:Carstens sieht in seiner Mannschaft großes Potenzial. "Aber wir haben auch eine Menge Arbeit vor uns. Es gilt, unseren Plan zu verfolgen und da sind wir gerade ein bisschen beim Vokabel lernen", schmunzelte er Anfang August. Ganze Sätze gelangen GWD schon beim letzten Spiel des heimischen Linden-Cups, wo man 50 Minuten mit dem Bergischen HC auf Augenhöhe agierte. Beim Abwehrverhalten gibt es im Rückblick auf die Vorsaison Verbesserungspotenzial. So bemängelte Carstens vor allem die Verhinderung der Kreisanspiele. "Aber auch im Angriff wollen wir das Kreisspiel verbessern." Hier setzt er vor allem auf Knorr, der zuletzt in Spanien beim FC Barcelona ausgebildet wurde, wo das Kreisläuferspiel recht hoch im Kurs steht.

Trainer und Umfeld:Carstens übernahm den TSV im Februar 2015, stieg in dieser Saison ab, schaffte aber den sofortigen Wiederaufstieg und etablierte den Verein in der ersten Bundesliga. Mit Frank von Behren steht ihm seit 2017 ein namhafter Geschäftsführer Sport zur Seite, der mit Ausnahmetalent Knorr einen echten Kracher verpflichten konnte.

Prognose:Nach zwei zwölften Plätzen ist man am Saisonziel in der letzten Runde mit Rang 14 vorbeigeschrammt. Das lag vor allem an einer Delle von November bis Februar, wo Probleme abseits des Handballs Konzentration und Leistung schmälerten. Carstens will auf jeden Fall mehr Punkte holen als in der letzten Spielzeit und traut seinem Team einen einstelligen Tabellenplatz zu. Wenn er es schafft, der Mannschaft ein gesundes Fundament zu verschaffen, ist ein guter Mittelfeldplatz drin.

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