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FC-Bayern-Ehrenpräsident und Basketball-Fan Uli Hoeneß sitzt in der heute startenden Playoff-Final-Serie nicht mehr allein auf der Tribüne.

»Belastung ist unmenschlich«

  • vonRedaktion
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Heute Abend beginnt er, der finale Showdown der Basketball-Bundesliga zwischen Alba Berlin und dem FC Bayern (20.30 Uhr). Münchens Ehren-Präsident Uli Hoeneß ist vor allem über den strammen Zeitplan besorgt. Der 69-Jährige freut sich auch auf weitere Impulse von Bayerns aus Gießen stammenden National- spieler Robin Amaize.

Zu den Nachrichten der Woche gehört ja, dass sie ihre Tribüne im Audi Dome ab Samstag wieder teilen müssen. 1000 Fans sind im Finale zugelassen.

Das ist eine ganz wunderbare Nachricht, auf die wir lange gewartet haben. Ich habe mir das in diesem Jahr ja oft gedacht, bei all diesen dramatischen Spielen in der Euroleague, so wie beim Sieg gegen Efes Istanbul - »Was wäre hier jetzt los, wenn wir Zuschauer hätten.« Und ganz ehrlich: Wenn das alles gut geht, dann könnte das ein wichtiges Signal sein.

Genauso wie die Münchner Spiele bei der bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft.

Richtig, ich finde das super, dass dort wenigstens vor 14 000 Zuschauern gespielt werden kann. Und das wird klappen, ich weiß ja, was für eine gute Vorarbeit in der Allianz-Arena schon seit Langem geleistet wurde. Wenn das funktioniert, können wir hoffentlich bald wieder eine größere Zahl an Zuschauern zulassen.

Wie groß ist der wirtschaftliche Druck?

Als FC Bayern sind wir bislang ja gut durch die Situation gekommen. Aber man muss auch sagen, dass die schwierige Zeit noch kommt. Im letzten Jahr fielen die Einnahmen aus der Champions League schon in dieses Geschäftsjahr, weil das Finale erst im August stattgefunden hat. Das haben wir jetzt nicht.

Ab welchen Zuschauerzahlen erreicht ein Spiel die Gewinnzone?

20 000 Zuschauer bringen dem FC Bayern nichts, da sind die Kosten höher. Es müssten schon 50 000 oder mehr sein.

Immerhin stimmte der sportliche Erfolg.

Absolut. Im Fußball sind wir überlegen Meister geworden, und ich bin immer noch davon überzeugt, dass wir auch wieder ins Champions-League-Finale gekommen wären, wenn Robert Lewandowski gespielt hätte. Im Basketball sind wir Pokalsieger und waren wahnsinnig knapp vor dem Einzug ins Final-4 der Euroleague. Das hätte uns doch absolut niemand zugetraut.

Nun könnte die deutsche Meisterschaft folgen. Aber das Finale wird in maximal einer Woche durchgeprügelt. Können Sie das verstehen?

Nein. Ich finde schon, dass man alles dafür hätte tun müssen, dass man da zumindest ein paar Tage mehr hat. Klar, wir sind in einer Situation, von der wir alle hoffen, dass sie nie mehr passiert. Da kann man bestimmte Dinge mal akzeptieren. Aber die Belastung ist einfach unmenschlich. Das hat man doch schon im Halbfinale gesehen. Diese Verletzungen, wie das Umknicken von Radosevic. Das ist nichts anderes als Müdigkeit. Aber das ist bei den Berlinern ja genauso.

Das klingt nicht nach einem ganz großen Highlight zum Abschluss dieser Saison.

Das kann es nicht sein. Es wird darum gehen, wer noch ein bisschen mehr aus sich herausholen kann. Ich hoffe sehr auf Robin Amaize. Er hat noch Power, der kann jetzt durchstarten, nachdem er bislang im Dornröschenschlaf war.

Das Programm allerdings wird auch nach Corona nicht kleiner. Eher im Gegenteil. Der Präsident von ZSKA Moskau meinte kürzlich, zukünftig könnte man nur mit zwei Kadern antreten oder man müsste sich aus der nationalen Meisterschaft zurückziehen.

Das geht in Ländern, in denen die nationale Meisterschaft eine untergeordnete Rolle spielt. In Deutschland ist das nicht möglich. Und trotzdem werden wir uns gemeinsam mit Alba Berlin überlegen müssen, was man tun kann. Ein Dauerzustand kann das so nicht werden.

Eine Konsequenz gab es ja schon in diesem Jahr. Leistungsträger wie Vladimir Lucic bestritten nur einen Bruchteil der Spiele in der Basketball-Bundesliga. Könnte es ein Modell der Zukunft sein, noch stärker mit eigenem Nachwuchs zu arbeiten, wie etwa Alba Berlin?

Das passiert ja ohnehin schon, wir haben ja einige gute junge Leute. Ich erinnere an das Spiel in Göttingen, das wir fast nur mit jungen Spielern gewonnen haben. Aber in den großen Spielen geht es halt doch um mehr. Da gibt es kein Alt oder Jung, da gibt es nur Gut und weniger gut. Alba macht es gut, aber übers Jahr weg waren wir schon erfolgreicher, selbst wenn sie jetzt Meister werden sollten. In der Euroleague haben sie keine Rolle gespielt und wir waren ganz nahe am Finalturnier. Da ist schon ganz tolle Arbeit geleistet worden. Von Trainer Andrea Trinchieri, Daniele Baiesi, Marko Pesic und auch von meinem Nachfolger Herbert Hainer.

Allerdings steht hinter einem ihrer Erfolgsgaranten ein Fragezeichen. Trainer Andrea Trinchieri hat noch immer nichts zu seiner Zukunft in München gesagt. Er äußerte sich mehrfach verstimmt über die Behandlung durch die BBL.

Ich würde mir sehr wünschen, dass er bleibt, weil er genau der Trainer ist, den wir brauchen. Aber ich würde mir auch mehr Sorgen machen, wenn er sich beim FC Bayern nicht wohlfühlen würde. Ich bin da sehr zuversichtlich.

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