Becker trotzt den äußeren Umständen

(jth) Mit einem beherzten 1500-Meter-Lauf hat Adrian Becker (LAZ Gießen/TV Gr.-Buseck) am vergangenen Freitagabend bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Potsdam die 7000-Punkte-Grenze geknackt und somit die Bronzemedaille gewonnen.

(jth) Mit einem beherzten 1500-Meter-Lauf hat Adrian Becker (LAZ Gießen/TV Gr.-Buseck) am vergangenen Freitagabend bei den deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Potsdam die 7000-Punkte-Grenze geknackt und somit die Bronzemedaille gewonnen. Am Ende standen 7077 Zähler zu Buche. Basis des Erfolges waren gute 11,25 sec im 100-m-Sprint sowie 7,10 m im Weitsprung und 60,12 m mit dem Speer. In der Teamwertung sicherte er sich gemeinsam mit seinen Zehnkampfkollegen Konstantin Grißmer (6364) und Rouven Höfer (6355) einen unerwarteten zweiten Rang mit 19 796 Punkten hinter dem LAV Asics Tübingen (20 171). Die Heuchelheimerin Nastasia Lich gewann mit der Mannschaft der LG Eintracht Frankfurt die deutsche Meisterschaft mit 15 437 Zählern. Lich erreichte 4902 Punkte und damit den vierten Rang.

"Es waren für uns Mehrkämpfer katastrophale Wettkampfbedingungen, denn es war sehr kühl und es regnete den ganzen Tag, hinzu kam noch ein leichter Gegenwind. Es konnte also nicht in allen Disziplinen optimal laufen, doch in den Läufen, im Weitsprung und im Speerwurf habe ich die Grundlagen für den Erfolg gelegt", erläuterte Becker. Er startete mit der drittschnellsten Zeit aller Zehnkämpfer von 11,25 sec im 100-m-Lauf und sprang im Anschluss 7,10 m weit.

"Es ging sehr wacklig los, doch am Ende konnte ich hinter Michael Schrader die zweitbeste Weite anbieten", erzählt der Grundschul-Lehramtsstudent weiter. Im Kugelstoßen gelang ihm dann mit 12,25 m mal ein "Zwölfer". Doch im folgenden Hochsprung konnte er nicht sein Potenzial abrufen. "Adrian hatte als bester Hochspringer der drei LAZ-Jungs bei diesen Bedingungen Riesenprobleme mit seinem schnellen Anlauf, schaffte leider nur 1,79 und blieb so gute zehn Zentimeter unter seinen Möglichkeiten", so Coach Markus Czech. Im abschließenden 400-m-Lauf fand er recht schnell zu alter Stärke zurück und lief gute 51,30 sec. Mit erzielten 3641 Punkten lag der Lehramtsstudent nach dem ersten Tag auf einem ausgezeichneten dritten Rang. Das LAZ-Mehrkampfteam führte nach dem ersten Wettkampftag mit 10 568 Zählern. "Wir sind auf Kurs, doch das Team der LAV Asics Tübingen ist uns dicht auf den Fersen - und die Truppe hat einen ausgezeichneten zweiten Tag", führte LAZ-Trainer Czech an.

Der zweite Wettkampftag begann für Becker mit 15,11 sec auf der 110-m-Hürden-Strecke und einer guten Diskuswurfleistung von 35,79 m. "Trotz der für ihn guten Leistung ist er auf den vierten Rang zurückgefallen, denn Tom Bechert (LG Telis Finanz Regensburg) hatte mit 41,39 m eine ausgezeichnete Weite angeboten. Ausgerechnet zum Beginn des Stabhochsprunges fing es wieder an zu regnen, somit waren es keine optimalen Bedingungen, denn wichtig ist, dass der Stab sicher gegriffen werden kann", erläuterte Czech. Mit übersprungenen 4,10 m im Stabhochsprung meisterte Becker die Regenschlacht souverän. "Ich brauche einen Kracher im Speerwurf, um wieder auf den Bronzerang zu kommen", gab sich der Troher-Mehrkämpfer kämpferisch. Mit 60,12 m setzte er sein Vorhaben um und erhielt ein besonderes Lob vom Trainer. "Im Speerwurf zeigten unsere Jungs der Konkurrenz aus Tübingen die Zähne. Auch wenn zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon klar war, dass Tübingen die Mannschaftswertung für sich entscheiden würde, setzten sie einiges dagegen. Durch ›Addis‹ hervorragende Leistung ergatterte er sich seinen Bronzerang zurück. Den galt es nun im abschließenden 1500-m-Lauf zu verteidigen.

Mit 4:47,36 min gelang ihm dies in beeindruckender Manier, er hatte den viertplatzierten ständig unter Kontrolle und hätte auch noch reagieren können. "In diesem Jahr bin ich Deutscher Hochschulmeister im Weitsprung geworden und jetzt zum Saisonabschluss eine Bronzemedaille im Zehnkampf bei der DM. Es war klasse und unglaublich!", freute sich Adrian Becker.

LAZ-Vereinskollege Rouven Höfer war ebenfalls in der Männerwertung am Start. "Mein Wettkampf verlief bei diesen Bedingungen optimal. Ich konnte meine Normalleistung abrufen und hatte keinen extremen Aussetzer", bilanzierte Rouven seine Leistung am Wochenende. Mit 11,57 sec im Sprint und 6,64 m im Weitsprung fing das Zehnkampfabenteuer für den Studenten sehr gut an. Nach 12,81 m mit der Kugel übersprang er 1,73 m im Hochsprung. "Beim Einspringen wurde schnell klar, dass das Hochspringen bei den immer schlechter werdenden Wetterbedingungen zu einer Zitterpartie wird. Anlaufen durch Pfützen und Abspringen auf nassem Untergrund macht die Teilnehmer nervös", so Czech. Im abschließenden 400-m-Lauf zauberte Höver dann eine Zeit von 52,28 sec auf die Tartanbahn, und mit 3405 Zählern übernachtete er auf dem neunten Rang der Männerwertung.

Mit 16,83 sec über die Hürden startete der zweite Tag optimal, und auch mit dem Diskus warf er sehr gute 38,45 m. Der Stabhochsprung mit nassem Anlauf und feuchten Stabhochsprungstäben wurde zur Horrorsituation. Um ein Haar wäre der Traum eines Mannschaftserfolgs geplatzt. Höfer hatte große Probleme, in den Wettkampf zu kommen, und hatte keinen Sprung im Einspringen, der richtig funktionieren sollte. Dann wäre die Anfangshöhe fast schon das Aus für ihn gewesen, wenn er nicht mit aller Kraft im letzten Versuch die Höhe von 3,30 m gemeistert hätte. Durch die neue Bestleistung von 57,93 m im Speerwurf ging es punktemäßig bergauf. "5:04,07 min über die 1500-m-Distanz sind bei diesem Wetter für ihn super", konstatierte Czech. Am Ende belegte er mit 6355 Zählern den zehnten Rang im Männerklassement.

Bei den Junioren ging LAZ-Neuzugang Konstantin Grißmer an den Start. Der Student hatte sich als Ziel gesetzt, deutlich die 6500er- Marke zu knacken. Der Wettkampf fing mit 11,54 sec bei leichtem Gegenwind nicht optimal an, und auch im Weitsprung war es ein Zitterspiel. Doch nach zwei ungültigen Sprüngen konnte er mit 6,69 m noch eine akzeptable Weite anbieten, mit 11,24 m mit der Kugel lag er dann wieder unter seinem Soll.

" Im Hochsprung zeigte er mit überfloppten 1,85 m, was neue Bestleistung bedeutete, eine solide Leistung, und die 50,17 sec auf der 400- m-Distanz sind spitze. So konnte er mit 3522 Zählern und Rang neun in der Juniorenwertung den ersten Wettkampftag abschließen", fasste Czech zusammen. Am zweiten Zehnkampftag startete ›Konni‹ mit 15,75 sec auf der 110-m-Hürdenstrecke und schwachen 27,94 m im Diskuswerfen. "Im Stabhochsprung konnte ich mich dann wieder fangen und 3,70 m überqueren", so Grißmer. Im Speerwurf lieferte er mit 44,15 m ein akzeptables Ergebnis ab, und der abschließende 1500-m-Lauf sollte nun darüber entscheiden, ob er zumindest die 6300- Marke knacken konnte. Bei strömendem Regen holten die LAZ-Mehrkämpfer alles aus sich raus und erzielten persönliche Topleistungen. Grißmer lief gleich im ersten Lauf mit 4:49,96 persönliche Bestleistung. Ein gutes Ergebnis und der Lohn für 6364 Zähler, die ihm am Ende den zwölften Rang im Juniorenklassement einbrachten.

"Wir sind als Mehrkampfteam angetreten, um 20 000 Punkte zu erzielen. Jetzt sind es 19 796 Zähler bei schlechten Bedingungen geworden. Der DM-Vize-Titel ist eine Überraschung. Ich bin stolz auf die Jungs, denn die haben einen intensive und ausgezeichnete Vorbereitung absolviert, die sich nun gelohnt hat. Ich glaube, in der LAZ-Geschichte gab es noch keine deutsche Vizemeisterschaft für ein Zehnkampfteam. Wir haben somit Vereinsgeschichte geschrieben", freute sich ein glücklicher Trainer Markus Czech über die Leistung seines Teams.

Bei den Juniorinnen ging die Heuchelheimerin Nastasia Lich (LG Eintracht-Frankfurt) an den Start. Die von Markus Czech trainierte Athletin hatte mit einer starken Erkältung zu kämpfen. "Von Donnerstag auf Freitag hatte ich Fieber", erklärte Lich, die sich aber dem Siebenkampf auf jeden Fall stellen wollte. Sie begann mit 14,77 sec im Hürdenlauf. Es folgten übersprungene 1,60 m im Hochsprung und 10,76 m mit der Kugel. "Die 26,82 sec im abschließenden 200-m- Lauf sind ausbaufähig. Mit 2914 Zählern lag ›Nassi‹ nach dem ersten Tag auf dem fünften Rang", erklärte Czech. Mit 5,43 m startetet die 22-jährige Heuchelheimerin in den zweiten Siebenkampftag.

Es folgten gute 38,92 m mit dem Speer und eine 800-m-Zeit von 2:32,55 als abschließende Disziplin. Am Ende verbuchte Lich 4902 Punkte, was im Gesamtklassement zu einem guten vierten Rang ausreichte. Letztlich fehlten ihr 24 Punkte zur Drittplatzierten (Jasmin Barthel, Gimmeldingen, 4926), die bei entsprechendem Gesundheitszustand locker für sie drin gewesen wären. "Das war ärgerlich", sagte Lich. Mit ihren Vereinskolleginnen der LG Eintracht Frankfurt, Claudia Rath (5746) und Nicola Herrlitz (4789), sicherte sie sich aber den DM-Titel im Frauenklassement, was sie wiederum freute.

Mit Theresa Pohl (LG Wettenberg) war eine weitere Siebenkämpferin in Potsdam am Start der Juniorinnen. Die Athletin von Trainer Klaus Powilleit begann mit 16,28 sec im 100-m-Hürden-Lauf sowie überfloppten 1,57 m im Hochsprung. Nach 10,20 m mit der Kugel und 28,28 sec im 200-m-Lauf verbuchte die handballspielende Leichtathletin 2533 Punkte auf der Habenseite. Tag zwei begann mit 4,80 m im Weitsprung und ihrer Paradedisziplin dem Speerwurf. Hier konnte sie mit 42,86 m deutliche Akzente setzen. Nach 2:38,37 min über die 800-m-Distanz hatte sie an den zwei Wettkampftagen 4353 Zähler eingesammelt und belegte damit den dreizehnten Platz.

Im Feld der weiblichen Jugend A brachte LAZ-Athletin Lisa Magel (LAZSV Garbenteich) mit erzielten 4745 Punkten zum Saisonausstand einen neunten Rang mit nach Hause. Die Schülerin der Ostschule startete mit 14,96 sec im 100-m- Hürden-Lauf und überfloppte danach 1,66 m. Es folgten 9,86 m mit der Kugel und 26,72 sec im abschließenden 200-m-Sprint. Der zweite Tag begann mit 5,41 m im Weitsprung und 28, 93 m im Speerwurf. In der letzten Disziplin, dem 800-m-Lauf, zeigte sie mit 2:28,85 min noch einmal gute Kämpferqualitäten und sicherte sich so verdient die Platzierung unter den Top-Ten in Deutschland. "Mein Wettkampf ist nicht wie gewünscht verlaufen, da ich unbedingt Achte werden wollte. Dies habe ich durch meinen Speerwurf verhindert, da 28 m einfach zu wenig waren und ich so viele Punkte auf meine Konkurrenz eingebüßt habe", konstatierte Lisa Magel.

Julia Gerter (LAZ/SV Garbenteich), die in der weiblichen B-Jugend an den Start gehen wollte, musste kurzfristig wegen einer Verletzung die Wettkampfteilnahme absagen.

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