Nicht in Form: Wetzlars Steffen Fäth.	(Foto: ov)
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Nicht in Form: Wetzlars Steffen Fäth. (Foto: ov)

Die Baustellen der HSG Wetzlar

(fk) Irgendwo zwischen Mittelfeld und Abstiegskampf hängen die Wetzlarer Bundesligahandballer durch. Dabei drängen sich einige Fragen auf. Was ist mit Steffen Fäth los? Und wer kommt für den Rückraum?

Die bittere Niederlage bei der SG BBM Bietigheim hängt der HSG Wetzlar auch drei Tage später noch nach. Zweimal gegen den Tabellenletzten der Handball-Bundesliga verloren, das hatten sich die Verantwortlichen der Grün-Weißen ganz anders vorgestellt. Statt der einkalkulierten 27 Punkte stagniert die Truppe von Kai Wandschneider bei 25 Zählern – und steht damit nur sechs Punkte vor dem ersten Abstiegsplatz. Der Klassenerhalt lässt weiter auf sich warten. Einige Spieler befinden sich seit Wochen im Formtief. »Die Liga ist so ausgeglichen wie schon lange nicht mehr«, hatte HSG-Geschäftsführer Björn Seipp jüngst gesagt und damit recht behalten. Am Samstag bietet sich für die Mittelhessen die Gelegenheit, sich für das schwache Auftreten in Bietigheim zu rehabilitieren. Um 19 Uhr ist mit dem HC Erlangen ein Aufsteiger zu Gast, bei dem man in der Hinrunde allerdings unterlegen war. Sollte auch hier kein Sieg gelingen, wird es bei HSG in den kommenden Tagen und Wochen wohl ungemütlich werden. Die Gießener Allgemeine beantwortet die wichtigsten Fragen zur HSG, die zeitnah einer Antwort bedürfen.

Was ist los mit Steffen Fäth?

Der Rückraum-Linke befindet sich seit Wochen im Formtief, konnte in diesem Jahr nur beim 32:25-Heimsieg gegen den HSV Handball überzeugen. In den letzten sechs Partien stand der 24-Jährige teilweise neben sich. Schwache Würfe, kaum Torgefahr aus dem Rückraum. In Bietigheim fing sich der Rechtshänder kurz vor Schluss die Rote Karte ein, als er einen Tempogegenstoß unsanft stoppte. Der traurige Höhepunkt seiner Misere. Allerdings gab es in den vergangenen Wochen und Monaten viele Einflüsse, die von außen auf Fäth eingewirkt haben. Zwei Verletzungen stoppten ihn, wodurch er unter anderem die WM in Katar verpasste. Seine einjährige Tochter braucht die Aufmerksamkeit ihres Vaters, der nebenher noch eine duale Ausbildung absolviert. Viel Stress für den Familienmenschen. Dass Fäth Handball spielen und Verantwortung übernehmen kann, hat er mehrfach unter Beweis gestellt. Es ist nun an den Verantwortlichen der HSG, den Nationalspieler aus seinem Tief zu holen. Das geht wohl nur über Gespräche und Vertrauen.

Wie gestaltet sich das Restprogramm und kann die HSG noch in ernste Abstiegssorgen geraten?

Die Grün-Weißen haben es selbst in der Hand, sich in den kommenden Spielen aller möglichen Abstiegssorgen zu entledigen. Am Samstag kommt Aufsteiger Erlangen (19 Uhr), danach geht es zum Bergischen HC. Sammeln die Wandschneider-Schützlinge vier Punkte, ist der Ligaverbleib (so gut wie) sicher. Würden die Grün-Weißen aber mit null Zählern aus den beiden Begegnungen gehen, könnte es eng werden. Mit den Rhein-Neckar Löwen, Flensburg und Göppingen trifft die HSG noch auf drei echte Hochkaräter. Die Spiele gegen Balingen/Weilstetten, in Hannover/Burgdorf und gegen Gummersbach sind zudem schwierig.

Was wird aus Adnan Harmandic?

Der Bosnier fand lange Zeit überhaupt keine Berücksichtigung unter Wandschneider, der mit dem Mittelmann unzufrieden war. Alle Zeichen standen auf vorzeitigem Abschied. Erst nach der Verletzung von Ivano Balic durfte »Ado« wieder länger spielen und machte seine Sache durchaus gut. Sein Vertrag läuft noch bis 30. Juni 2016.

Mit Florian Laudt und Neuzugang Filip Mirkulovski stehen aber zwei weitere Spielmacher für die neue Spielzeit unter Vertrag. Das ist einer zu viel. Sind die Verantwortlichen konsequent, dann muss man sich von Harmandic trennen, was auch im Budget neue Spielräume schaffen würde (siehe nächster Punkt). Die Frage ist nur, ob sich ein neuer Verein für den 31-Jährigen finden lässt.

Wer kommt noch für den Rückraum?

Die Nachfolge von Ivano Balic ist geklärt, jetzt fehlt noch ein weiterer Rückraumspieler. Die Nummer eins auf der linken Seite ist Fäth, dahinter steht mit Kristian Bliznac ein Spieler, der seine Qualitäten vorwiegend in der Abwehr hat. Rechts ist noch kein Nachfolger für Kent Robin Tönnesen gefunden, der nach Berlin wechselt. Mit Vladan Lipovina hat man einen talentierten jungen Mann in den eigenen Reihen, der aber sicher noch einige Zeit braucht, um konstant als Nummer eins zu agieren. Ähnlich wie im linken Rückraum steht mit Evars Klesniks ein abwehrstarker Mann dahinter. Im Optimalfall findet die HSG einen wurf- und spielstarken Linkshänder, der zudem im Zentrum oder auf halb decken kann.

Das würde Wandschneider taktisch neue Möglichkeiten eröffnen und einen Angriff-Abwehr-Wechsel mit bis zu drei Akteuren verhindern. Doch solche Spieler sind rar gesät, begehrt und somit schwer zu bekommen. Gerüchten zufolge sollen die Grün-Weißen deswegen bereits Abstand von diesen Plänen genommen haben und sich mehr auf die Suche nach einem Rechtshänder konzentrieren. Spekuliert wurde über den Namen Aivis Jurdzs. Der 31-jährige Lette spielt derzeit beim ThSV Eisenach in Liga zwei.

Warum wurde der Vertrag von Christian Rompf noch nicht verlängert?

Der Linksaußen muss warten und warten, wurde im Verlauf der Saison vom Dauerbrenner innerhalb von zwei Wochen zum Bankdrücker. Zunächst hatte der Langgönser die Verletzung von Maximilian Holst aufgefangen, beackerte die linke Außenbahn lange Zeit alleine. Dann wurde Dejan Manaskov nachverpflichtet. Der Mazedonier brachte eine neue Qualität mit und verwies Rompf auf die Bank (oder gar den Platz daneben).

Allerdings war frühzeitig klar, dass der flinke Rechtshänder nicht zu halten sein würde, das Interesse aus Skopje war bekannt. Warum allerdings nach Bekanntgabe des Manaskov-Wechsels der Vertrag von Rompf immer noch nicht verlängert wurde, bleibt rätselhaft. Die HSG lässt unnötigerweise eine Baustelle offen – oder wird doch ein neuer Mann gesucht? In diesem Fall sollten sich die Verantwortlichen fragen, ob andere Positionen nicht dringender besetzt werden müssten.

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