Die Basketball-Müllers – drei Generationen in einem Team

(lad) Dass Geschwister in einem Team spielen, ist nicht ungewöhnlich; dass zwei Generationen, Vater und Sohn oder Mutter und Tochter, gemeinsam antreten, ist selten. Aber dass drei Generationen zusammen in einem Team stehen, dürfte in der Sportgeschichte äußerst selten sein. der Gießener Basketball kann so ein Ereignis vermelden.

Am Sonntag stand Dieter Müller zusammen mit seinem Sohn Michael und seinem Enkel Christoph für den MTV 1846 Gießen III gegen die TSG Wieseck III in der Kreisliga B auf dem Parkett – und gewann sogar. Und das unter großem Jubel, denn wenige Sekunden vor dem Spielende spielte der seit gestern 50-jährige Michael in der Rivers-Sporthalle an der Automeile einen langen Pass auf seinen mittlerweile 77-jährigen Vater Dieter, und dieser vollstreckte trotz eines Wiesecker Abwehrversuchs aus kurzer Distanz zum 56:47-Endstand.

Damit trug sich Dieter Müller als dritter Müller in die Scorerliste des Spiels ein, denn zuvor hatte bereits Michael gepunktet, während der 18-jährige Christoph mit 17 Zählern sogar zum Topscorer des Tabellenführers geworden war.

"Diese Schnapsidee ist entstanden, weil wir einen personellen Engpass hatten", erklärt Michael Müller, wie sein Team für seinen Sohn Christoph, der normalerweise in der Landesliga für den TSV Krofdorf-Gleiberg spielt, aufgrund seines Alters aber Mehrfachspielrecht besitzt, eine Lizenz für den MTV 1846 Gießen nachmeldete.

"Und das hat mein Vater mitbekommen und gefragt: ›Was ist eigentlich mit meinem Pass?" Meine Frau hat sich dann hinter meinem Rücken um den Pass gekümmert", erklärt der 50-Jährige, wie auch für ihn überraschend die Weichen für das Treffen der Generationen gestellt wurden.

"Ich wollte einmal mit meinem Enkel zusammen spielen, und es war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Es hat Spaß gemacht", freute sich Dieter Müller über sein Punktspiel-Comeback nach zwölf Jahren. Vier Minuten vor Ende der ersten Halbzeit wurde er erstmals eingewechselt, bevor vier Minuten vor dem Gesamtende seine zweite Einwechslung folgte – und damit auch sein Korbleger, während Sohn und Enkel ebenfalls auf dem Feld standen. Sorgen um seine Knochen hatte der 77-Jährige nicht: "Ich hatte keine Angst, schließlich trainiere ich ja immer noch jeden Donnerstag bei den Alten Herren."

Auch die Familie hatte keine Angst um ihren ältesten Spieler: "Er ist viel zu fit, dass ich Angst um ihn hätte. Er ist ein normaler Spieler und will auch so angesehen werden", schätzt Christoph die Leistung seines Großvaters als "außerordentlich" ein, denn dieser hat einen Fitnessstand wie wohl nur wenige andere in seinem Alter. "Es war einfach klasse, mit ihm mal gespielt zu haben."

Rückkehr begrüßt

Auch im Team wurde die Rückkehr von Dieter Müller begrüßt, der einen Großteil der aktuellen Spieler bereits vor vielen Jahren im Jugendbereich gecoacht hatte. "Er hat damals vor zwölf Jahren sein letztes Spiel verloren, und mit einer Niederlage kann man nicht aufhören", erklärt MTV-Spieler Andreas Lenz: "Deshalb fand ich seinen Einsatz jetzt absolut gut; darauf hatten wir uns alle sehr gefreut."

Und außer dem Generationen-Aspekt hatte der Einsatz von Dieter Müller noch etwas anderes Besonderes: "Wir haben versucht herauszufinden, ob er der älteste Basketballer Deutschlands in einem normalen Ligaspiel ist", so Michael Müller. "Das haben wir zwar nicht geschafft. Aber er hat auf jeden Fall einen der fünf ältesten Pässe Deutschlands." Bleibt entsprechend lediglich die Frage offen, ob die wenigen noch älteren Passinhaber auch wirklich noch spielen.

Dass dieses also doppelt besondere Ereignis ausgerechnet die Familie Müller betrifft, ist vor allem für den MTV 1846 Gießen etwas Schönes, denn diese Familie ist dem Traditionsverein eng verbunden und half dabei, ihn aufzubauen. So spielte Dieter Müller seit den 50ern für den MTV 1846 und unmittelbar bis in das Jahr, als Gießen sich für die eingleisige Bundesliga qualifizierte. Danach blieb der Flügelspieler immer noch in diversen Ämtern beim MTV und wurde unter anderem 2. Vorsitzender des HBV und Mitglied der Kommission für den DBB-Pokal.

Sohn Michael ist ebenfalls seit mehr als 40 Jahren MTV-Mitglied und errang als Spieler mit der 2. Mannschaft die Oberligameisterschaft. Zudem war er von 1990 bis 1997 der Co-Trainer des Bundesligateams und außerdem Trainer diverser Jugendmannschaften. Aktuell coacht er die Landesliga-Basketballer des TSV Krofdorf-Gleiberg, für die sein Sohn Christoph spielt. Dieser bekam entsprechend Basketball bereits mit der Muttermilch verabreicht und spielt bereits seit seinem dritten Lebensjahr mit der orangefarbenen Kugel.

Überdies saß während des Generationenspiels Christophs 16-jährige Schwester Annika am Zeitnehmertisch, die selbst aktive Basketballerin bei der TSG Wieseck ist. Michaels Frau Christiane, ebenfalls ehemalige Oberliga-Spielerin, und Dieters Frau Ursula komplettierten schließlich das Familienfest auf den Zuschauerrängen.

"Die Feier nach dem Spiel hat auch länger gedauert als gedacht", erklärt Michael Müller, dass auf ein solches Ereignis natürlich auch angestoßen werden muss: "Das war eine Schnapsidee, die zur Realität geworden ist – und zwar zur Zufriedenheit aller. Und wenn wir jetzt noch den Meister machen, hat mein Vater natürlich jetzt das Recht erworben, bei der Meisterfeier im Sommer dabei zu sein", kündigt sich bereits die nächste Generationen-Fete im Hause Müller/MTV 1846 Gießen an.

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