Bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen bekam Markus Baur von 1998 bis 2001 jene Bundesliga-Spielanteile, die ihn zum unverzichtbaren Nationalspieler werden ließen.	FOTO: ARCHIV
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Bei der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen bekam Markus Baur von 1998 bis 2001 jene Bundesliga-Spielanteile, die ihn zum unverzichtbaren Nationalspieler werden ließen. FOTO: ARCHIV

Der mit dem Ball getanzt hat

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(sid/ra). Markus Baur lebt derzeit in seinem ganz eigenen Turnierrhythmus. Aus Mimmenhausen am Bodensee pendelt der ehemalige Handball-Weltmeister regelmäßig gen Norden nach Mainz. Eine Nacht nach den WM-Übertragungen im ZDF geht’s dann wieder zurück Richtung Heimat - auch an seinem 50. Geburtstag, den der frühere Spielmacher am Freitag zunächst auf der Autobahn verbringt.

»21 Jahre meines Lebens war ich ja fast nie zu Hause, wenn ich Geburtstag hatte. Von daher ist das nichts Schlimmes«, sagt der ZDF-Experte. Und die Corona-Pandemie schließt ohnehin ja sämtliche Feieroptionen aus. »Es wird kein Fest geben«, versichert Baur. Stattdessen ist ein entspanntes Kaffeekränzchen im kleinsten Kreis geplant.

Zwangsläufig wird Baur kurz vor seinem besonderen Ehrentag an seine sportlichen Erfolge erinnert. Der Mittelmann war Kapitän der »Schnauzbart-Träger«, die 2007 unter Heiner Brand das WM-Wintermärchen in Deutschland schrieben. Zudem feierte er unter anderem 2004 den EM-Titel, er holte im selben Jahr Silber bei Olympia in Athen und wurde zweimaliger Handballer des Jahres - es gibt kaum etwas, das Baur in seiner aktiven Laufbahn nicht gewinnen konnte, die ihn von 1998 bis 2001 auch zur HSG Dutenhofen/Münchholzhausen in deren Premierenjahre der Handball-Bundesliga verschlagen hatte.

Und wenn er so wie am Donnerstag beim deutschen WM-Hauptrundenspiel gegen Spanien wieder in seiner Kommentatorenkabine sitzt und den Ball fliegen sieht, »dann kribbelt es schon«. Das tue es »eigentlich immer, wenn die Nationalmannschaft spielt«. 228-mal trug er selbst den Adler auf der Brust, dabei gelangen ihm 712 Tore.

Coronabedingt ist der frühere DHB-Spielführer in Ägypten nicht selbst vor Ort - und darüber auch ganz froh. Der Handball in Zeiten der Pandemie macht Baur nur wenig Spaß. »In der jetzigen Zeit ist das, was es ausmacht, gar nicht vorhanden. Es gibt nur ein Thema momentan«, sagt der frühere Kreativspieler mit Blick auf die fehlenden Zuschauer.

Derzeit arbeitet Baur, Spitzname »Schorsch«, als Projektmanager bei einem Immobilienunternehmen. Was die berufliche Zukunft bringt, weiß er nicht. »Ausschließen möchte ich nichts«, sagt der dreifache Familienvater mit Blick auf ein mögliches Traineramt in den nächsten Jahren.

Denn Qualitäten an der Seitenlinie besitzt Baur zweifelsohne. Den U 20-Nachwuchs des DHB führte er 2016 zur Vize-Europameisterschaft. Auch in der Bundesliga war er schon aktiv, coachte von 2016 bis 2018 seinen Weltmeister-Kollegen Michael Kraus sowie Nationaltorhüter Johannes Bitter beim TVB Stuttgart.

2017, als der DHB einen Nachfolger für den Europameister-Coach Dagur Sigurdsson suchte, war Baur gar als möglicher Bundestrainer im Gespräch. Dass letztlich Christian Prokop und nicht er DHB-Coach wurde, ärgere ihn aber nicht, versichert er: »Mein Name ist da zwar genannt worden, das war aber eher eine Ablenkung von gewissen Leuten, um wen anders zu platzieren.« So greift er lieber selbst noch mal zum Ball - wenn sich denn die Gelegenheit dazu bietet. Vor allem die zu pandemiefreien Zeiten regelmäßig ausgetragenen Charity-Matches mit seinen ehemaligen DHB-Kollegen machen ihm großen Spaß. »Da kommt der Ehrgeiz hoch«, berichtet Baur, »verlieren können wir alle immer noch schlecht«.

Drei Jahre ein Grün-Weißer

Im Mittelhessischen ist der geniale Regisseur alter Schule auch heute noch gern gesehen, hat der Neu-50er seinerzeit unter Trainer Velimir Petkovic sowie mit den grün-weißen Legenden Damir Radoncic und Wolfgang Klimpke doch von 1998 bis 2001 die Basis für mittlerweile 23 Erstliga-Jahre gelegt.

Auch wenn es anfangs im Innenverhältnis mit dem seinerzeitigen HSG-Macher Rainer Dotzauer »noch etwas geruckelt hat«, wie Gesundheitsminister Spahn es formulieren würde, führte er danach aber die Grün-Weißen in der altehrwürdigen Dutenhofener Sporthalle als absoluter Leistungsträger dreimal in Folge zum Ligaerhalt, ehe er 2001 zum TBV Lemgo Deutschland wechselte.

Mit Markus Baur begann bei der HSG die mittlerweile schon zur Tradition gewordene Weiterentwicklung von hoffnungsvollen Talenten zu Handball-Nationalspielern über Sven Sören-Christophersen, Lars Kaufmann, Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher bis hin zu Till Klimpke.

Verwunderlich wäre es nicht, wenn Markus Baur irgendwann doch noch auf dem nationalen Cheftrainer-Sessel sitzen würde mit »Wolle«-Sohn Till Klimpke im Tor und seinem würdigen Nachfolger Juri Knorr auf der Spielmacher-Position.

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