Balan/Moshenska mit Favoritensieg

Schon die Eröffnungsschau der Tanz-Gala löste Beifallsstürme aus. Die Kinder- und Jugendgruppen der TSG Blau-Gold zeigten mit Ballett, Bühnentanz und Hip-Hop, wo die Schwerpunkte der Nachwuchsarbeit von Hessens größtem Tanzsportverein liegen.

Fast 200 Tänzerinnen blieben dann nach ihren Auftritten um die Tanzfläche herum sitzen und bildeten den Rahmen für die fünffachen Weltmeister in den Standardtänzen, Volker Schmidt und Ellen Jonas aus Wetzlar. Ihre unterhaltsame und ausdrucksstarke Kürdarbietung "Eine Liebe zu Elise" passte perfekt in den Rahmen der Eröffnungsschau und wurde, nicht nur von den Kindern, begeistert aufgenommen.

Glück hatte die TSG mit ihrer Besetzung des Amateur-Tanzturniers in den lateinamerikanischen Tänzen. Allein fünf Paare des Semifinales der vor drei Wochen in Wetzlar stattgefundenen Deutschen Meisterschaft konnte Turnierleiter Bernhard Zirkler in der Kongresshalle begrüßen. Das hochkarätige Wertungsgericht, besetzt unter anderem mit dem ehemaligen Weltmeisterpaar Franco Formica/Oksana Nikiforova und der Trainerin der TSG, Alice Trabert-Shobeiri, trafen in der Vorrunde eine klare Entscheidung für diese Paare, die dann auch das Finale bestritten.

Die amtierenden Deutschen Meister und Dritten der Weltmeisterschaften, Marius-Andrei Balan/Khrystina Moshenska aus Pforzheim, wurden ihrer Favoritenrolle gerecht, begeisterten mit ihrem athletischen und eleganten Tanzstil Zuschauer und Jury und gewannen überlegen mit allen Bestwertungen den Großen Preis der Stadt Gießen. Unerwartet spannend wurde es im Kampf um Platz zwei. Die Dritten der DM, Artur Balandin und Anna Salita aus Bochum, wurden in den ersten beiden Tänzen Samba und Cha-Cha klar auf diesen Platz gewertet und schienen sich mit dieser Platzierung zufriedengegeben zu haben. Es locker anzugehen, war aber bei diesem Wertungsgericht keine gute Entscheidung. Platz drei in der Rumba und im Paso doble gegen die hessischen Vertreter und Zehnten der Meisterschaft, Fabian Täschner und Darja Titowa aus Heusenstamm, waren die prompte Quittung. Im wahrsten Sinne wachgerüttelt, zeigten die Bochumer dann einen fulminanten Jive, in dem sie auch eindeutig auf den zweiten Platz gewertet wurden.

Tanzturniere in einem eleganten Ballrahmen auf eine mitreißende Live-Musik und einem exklusiven Wertungsgericht mit visueller Wertung sind inzwischen eine Ausnahme im Amateur-Tanzsport. Sporthallen, Musik aus der Konserve und uniformierte Juroren mit verdeckten Wertungen bestimmen das Bild. Die Aktiven drückten mit ihren Leistungen in Gießen ihre Begeisterung für dieses Umfeld aus. Besonders die "feedback dancing band" wurde gelobt.

Die Deutsche Meisterin der Hip-Hop-Kategorie "Locking", Inga Schneidt, hatte sich für die Europameisterschaften in Paris und die Weltmeisterschaften in Los Angeles qualifiziert und war mit ihrer Partnerin Bana Tsegai erst wenige Tage zuvor aus den USA zurückgekommen. Von Jetlag keine Spur, präsentierten "Ina & Bana" ihre Erfolgskür und setzten einen Kontrapunkt zu den klassischen Tänzen. Die Trainerin der TSG in den modernen Tanzformen ist schon in Vorbereitung für das internationale "Battle", den Wettbewerben Hip-Hop und Breakdance in der Kongresshalle am 4. Juni.

Pole-Dance hat sein anrüchiges Image endgültig abgelegt. Die beiden Cheftrainerinnen Adina Fetter und Dóra Szöke zeichnen nicht nur für die Erfolgsgeschichte von Blau-Gold mit inzwischen 400 Teilnehmern in dieser boomenden Fitness-Sportart verantwortlich. Sie haben sich in kurzer Zeit auch sportlich erstaunlich weiterentwickelt und präsentierten mit einer Doppelkür die hohe Kunst des Pole-Sports. Kaum Zeit zum Luftholen hatte das erstaunte Publikum, als ein Ring von der Decke der Kongresshalle heruntergelassen wurde und über den Köpfen der Zuschauer La Jana, die Schlangenfrau aus Berlin, ihre "Aerial-Hoop-Schau" präsentierte. Ihre Akrobatik und ihre Körperbeweglichkeit sorgten für ein Raunen im Publikum.

Simone Segatori und Annette Sudol aus Stuttgart brachten dann wieder weltmeisterliches klassisches Tanzen auf das Parkett. Die drei Standardtänze Tango, Slowfox und Quickstep mit tanzgerechten Kleiderwechseln entfachten Beifallsstürme. Nicht weniger Beifall erhielt die Formation in den lateinamerikanischen Tänzen der TSG. "Showstars, Rise and Shine" war das Thema, mit dem sie in die 2. Bundesliga des Deutschen Tanzsportverbandes überraschend aufgestiegen waren und in diesem Jahr auch den Klassenerhalt geschafft hatten.

Etwas Wehmut klang mit, es war die letzte Darbietung dieses Themas, ab Mai wird eine neue Musik mit neuer Choreografie einstudiert.

Die Weltmeisterkür von Segatori/Sudol war ein krönender Abschluss eines gelungenen Abends. Bernhard Zirkler kommentierte die Leistung des Ausnahmepaares damit, dass sie mit ihrer Darbietung die Frage, ob Tanzen Kunst oder Sport sei, eindeutig zugunsten der Kunst beantwortet hätten. (bz)

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