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Hektisches Treiben herrscht auf der Lahn an Pfingsten u. a. in Höhe des Rübsamenstegs, den einige Interessenten häufig als Beobachtungspunkt nutzen. Die Pfingstregatta ist eine Plattform für Bundesliga-Ruderer und auch für den Nachwuchs. Die Organisatoren um Regattaleiter Norbert Bach (kleines Foto) setzen eine neue Tonanlage ein.

Pfingstregatta

Bach im Interview: Regatta als Test für neue Tonanlage

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Von Samstag bis Montag steigt an der Lahn die Gießener Pfingstregatta. Norbert Bach spricht vorab über die langwierige Planung des Mega-Events - und erklärt eine technische Neuerung.

(cso). Kaum ein Ereignis in Gießen hat eine solche große und lange Tradition wie die Pfingtsregatta. Der Wohlfül-Mix aus Breiten- sowie Spitzensport und Unterhaltung steigt heuer in der 107. Auflage. Für das Mega-Event von Samstag bis Montag muss ein Rädchen ins andere greifen, und das nicht erst während oder kurz vor den Wettkämpfen. Im Interview spricht Regattaleiter Norbert Bach über die langfristige Planung, die sportliche Bedeutung und über Neuerungen, auf die die Besucher gespannt sein können.

Herr Bach, Sie sind seit 1999 in der Regattaleitung aktiv. Ab wann beginnt für Sie die Planung für diesen Höhepunkt und welche Phasen durchläuft die Organisation?

Norbert Bach:Die meisten Aufgaben unterliegen einem festen Rhythmus. Nach der Regatta ist vor der Regatta. Die gesamte Technik muss wieder abgebaut und auf Schäden geprüft werden. Im Verlauf des Jahres erfolgen Reparaturen. Die organisatorische Arbeit für die neue Regatta beginnt Ende November mit der Anmeldung beim Deutschen Ruderverband. Der Pfingsttermin ist für Gießen gesetzt. Dafür benötigen wir im Vorfeld die Zusagen unserer Hauptsponsoren und unserer Partner von der DLRG und dem Roten Kreuz. Ab Januar stellen wir Anträge, z. B. an die Stadt oder das Wasser- und Schiffartsamt, da die Lahn während der Regatta offiziell für anderen Bootsverkehr gesperrt ist. Pokale und Ehrenzeichen müssen bestellt werden, da unsere Gießener "Raddadelchen" - so nennen Ruderer die als Ehrenpreis überreichten Medaillen - keine Stangenware sind, sondern nach einem eigenen Entwurf gegossen werden. Spätestens ab März werden Helfer angesprochen. Viele geben dafür immer wieder ihr Pfingstwochenende her, was wir sehr zu schätzen wissen. Zum gleichen Zeitpunkt startet auch der Aufruf an lizenzierte Schiedsrichter, denn ohne Schiedsrichter könnte die Regatta kein sportlicher Wettkampf nach den Regeln des Deutschen Ruderverbands sein.

Wann beginnt die heiße Phase?

Bach:Spannendster Termin für das Kernteam des Regattavereins ist der Meldeschluss zehn Tage vor der Regatta. Erst dann wissen wir, welche Rennen zustande kommen und ob in den Rennen um die traditionsreichen Preise Vorläufe ausgefahren werden. Während früher das Faxgerät heiß lief und wir händisch die Meldungen in den Computer übertragen haben, geben die Vereine ihre Meldungen heute über das Internet ein. Aufgrund der Digitalisierung dieser Prozesse können wir meist schon sechs Stunden nach Meldeschluss einen Zeitplan erstellen. Viele te chnische Dinge vor Ort, wie z. B. die Überspannungen über der Lahn, die Startanlage und die Beschallungstechnik, können aber erst kurz vorher aufgebaut werden.

Es gibt mit der Tonanlage eine technische Neuerung. Auf was genau dürfen sich die Zuschauer und Sportler freuen?

Bach:In der Vergangenheit galt es immer, einen Kompromiss zu finden zwischen den Interessen der Zuschauer und Sportler einerseits und den Anwohnern andererseits. Die bisher genutzte Anlage war für diese Anforderungen nicht ausgelegt. Inzwischen gibt es auch keine Ersatzteile mehr. Wir haben daher den Zielbereich und die Lahnufer von einem Spezialisten akustisch vermessen lassen. Auf Basis dieser Ergebnisse und unter Berücksichtigung des Grundgeräuschs der Zuschauer wurde ein neuer Standort der Lautsprecher bestimmt. Die Beschallung erfolgt nun nicht mehr von der Lahninsel aus, sondern quasi von oben, an einem Kran hängend. Die digitale Audiotechnik berücksichtigt zudem die Reflektionen und den Hall auf dem Wasser, sodass die akustischen Zielbereiche fast auf den Meter genau angesteuert werden können. Wir sehen die diesjährige Regatta als einen Test. Idealerweise sollten wir in Zukunft mit etwas weniger Aufwand für die Beschallung auskommen.

Wie schätzen Sie die sportliche Bedeutung der Regatta ein?

Bach:Das sportliche Niveau ist von Rennen zu Rennen unterschiedlich. Im Sprintcup und den Traditionsrennen sind Bundesliga-Mannschaften am Start, und auch die heimischen Spitzensportler wie z. B. Vize-Weltmeister Marc Weber und unser Weltmeister von 2014, Sven Kessler. Andererseits ist der Wettbewerb eine Plattform für den regionalen Nachwuchs, der seine ersten Erfahrungen sammelt. Aus Sicht des Deutschen Ruderverbands ist das Abschneiden bei der Pfingstregatta kein Nominierungskriterium für Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele. Der Flusslauf und die Enge der Lahn erlauben weder die volle olympische Distanz (2000 m) noch sechs Startbahnen. Wir vergleichen die Pfingstregatta daher eher mit der Royal Henley Regatta in London. Die hat nur zwei Bahnen und ebenfalls eine von der olympischen Strecke abweichende Distanz.

Bitte vervollständigen Sie den folgenden Satz: Am Montagabend wäre ich sehr zufrieden, wenn...

Bach:... die beteiligten Vereine sich verabschieden mit den Worten "vielen Dank für die tolle Regatta und bis zum nächsten Jahr".

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