"Auswärts etwas reißen

Timm Schneider, 24 Jahre jung, ein echter mittelhessischer "Bursch", kehrt am Samstag mit seinem neuen Bundesliga-Verein TBV Lemgo nach Mittelhessen zurück und trifft auf seinen früheren Club HSG Wetzlar (19 Uhr). AZ-Redakteur Ralf Waldschmidt hat mit dem kampfstarken Rückraumspieler gesprochen.

Eingelebt?

Schneider: "Super. Ich fühle mich sehr wohl. In der Mannschaft bin ich gut aufgenommen worden. Wir haben ein kleines Häuschen mit Garten direkt in Lemgo, damit auch unser Hund seinen Auslauf hat."

Entsprechen Verein und Umfeld Ihren Erwartungen?

Schneider: "Ich kenne bislang in der Bundesliga ja nur Wetzlar und Hüttenberg. Hier in Lemgo ist - auch von der Geschichte her – alles noch ein gutes Stück professioneller. Morgens vor dem Training ist ein Physio da, nach dem Training sowieso. Es gibt Whirlpool, Infrarotkabinen, also vieles, was der Regeneration dient."

Sie sind zum ersten Mal richtig weg aus Mittelhessen. Was ist das für ein Gefühl?

Schneider: "Ich muss schon zugeben, das mir anfangs etwas mulmig zumute war. Das ist aber längst verflogen. Den Lipperländern wird zwar nachgesagt, sie seien etwas unnahbar, das kann ich aber nicht behaupten. Mir persönlich kommt natürlich die Struktur der Kleinstadt, das fast schon Dörfliche zugute. Eine Großstadt wäre nichts für mich."

Nun zum Sportlichen. Wie sind Ihre Einsatzzeiten?

Schneider: "Dadurch, dass Martin Strobel in der Vorbereitung eine Vorstufe zum Ermüdungsbruch mattgesetzt hat, bin ich gleich auf der Mitte zum Einsatz gekommen. Mittlerweile spiele ich im mittleren wie im linken Rückraum. Ich kann mich also nicht beklagen."

In Angriff und Abwehr? Wo sind Sie zu Hause?

Schneider: "Ich spiele Angriff wie Abwehr. In unserer 6:0-Deckung entweder im Mittelblock neben Hendrik Pekeler oder auf Halblinks."

Und am Kreis?

Schneider: "Da sind wir speziell so gut besetzt, dass dies beim TBV nicht infrage kommt. Höchstens mal beim Auflösen zum Kreis. In Hüttenberg war das etwas anders, da habe ich wegen meiner Erfahrung oft hinter Seppl Weber die Aufgabe übernommen."

Sie haben auswärts bislang in Balingen und Göppingen verloren. Ein schlechtes Omen?

Schneider: "In Göppingen kann man verlieren, das wird noch vielen anderen passieren. In Balingen haben wir in der zweiten Halbzeit den Faden verloren und vor allem die Härte nicht angenommen. Aber es ist richtig, es wird Zeit, dass wir auch auswärts etwas reißen."

Was zeichnet den TBV aus?

Schneider: "Der Teamgeist, den ich von Hüttenberg kenne, wird auch hier gelebt. Wir treten als Mannschaft auf, wir haben keinen Filip Jicha, der mal eben zwölf Tore einstreut. Wir müssen kompakt in der Deckung stehen und mit dem schnellen Spiel nach vorne den Gegner ärgern."

Ein Wort zur HSG Wetzlar.

Schneider: "Ich habe das Video vom Großwallstadt-Spiel gesehen. Das war nichts Großartiges. Aber die Wetzlarer Mannschaft hat sich gezielt verstärkt. Ich denke, wir liegen auf Schlagdistanz und es wird von der Tagesform abhängig sein."

Wohin geht die Reise für den TBV Lemgo?

Schneider: "Das Tabellenmittelfeld ist stärker und dichter besetzt als in der Vergangenheit. Wir haben uns nicht auf einen Platz festgelegt, ob nun Achter oder Zehnter. Ich denke aber, wir und Wetzlar werden nichts mit dem Abstiegskampf zu tun bekommen. Da gibt es andere Kandidaten."

Im HW-Ranking haben Sie 89 Prozent aller Siebenmeter verwandelt, waren bester Werfer (8/3) und Spieler zuletzt gegen den TV Großwallstadt. Sie haben die positive Entwicklung der letzten Jahre gleich bestätigt.

Schneider: "In de Vorbereitung hat mich der Trainer gleich im ersten Spiel an den Punkt geschickt. Seitdem habe ich den Job. Ich habe zwar auch schon einige versemmelt, meine Bilanz kann sich aber - wie sich zeigt - sehen lassen."

Ihr eigenes Spiel?

Schneider: "Es hört sich zwar abgedroschen, vielleicht auch blöd an, aber bei mir ist es eben so, dass ich über den Kampf zum Spiel finde. Ich brauche diese Wettkampfanforderung von der ersten Minute an. Wenn das passt, dann finde ich auch zu meinem Spiel und meinen handballerischen Qualitäten. Ob in Hüttenberg oder nun hier."

Um das Thema Staatsanwaltschaft kommen wir nicht herum. Inwieweit beschäftigen die Negativschlagzeilen der letzten Wochen mit dem Abgang der beiden Geschäftsführer die Mannschaft?

Schneider: "Selbstverständlich war das ein Thema, als das Ganze vor ein paar Wochen hochkochte. Mittlerweile aber sind damit eher nur noch die Offiziellen beschäftigt, wir konzentrieren uns auf unseren Job, auf den Handball und die Aufgaben, die auf uns warten."

Beunruhigt das. Vor allem Sie persönlich, da es ja auch Ihre Zukunft betreffen könnte?

Schneider. " Ich bin eigentlich zuversichtlich gestimmt. Der Interims-Geschäftsführer, der das vielleicht bald schon vollamtlich macht, geht aus dem TBV hervor und hat schon viele gute Schritte eingeleitet. Alles andere können wir Spieler ohnehin nicht beeinflussen."

Sie haben einen Drei-Jahres-Vertrag?

Schneider: "Ja, und ich denke, das wir hier auch bald wieder für positivere Schlagzeilen sorgen und finanziell auf die Beine kommen."

Die Etatkosten wurden erheblich reduziert, namhafte Stars belasten nicht mehr das Budget.

Schneider: " Es sind viel Abstriche gemacht worden und man ist beim TBV auf einem guten Weg."

Ihr Wunsch für Samstag?

Schneider: "Na, dass wir auswärts endlich gewinnen, auch wenn es in Wetzlar ist."

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