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Torwart Nikolai Weber will in seiner letzten Saison mit dem TV 05/07 Hüttenberg den Zweitliga-Status erhalten.

Auf- und Abstiegskampf hart

Die 2. Handball-Bundesliga befindet sich auf dem Weg ins letzte Saisondrittel. Um den Aufstieg bahnt sich ein Dreikampf an, währenddessen der Abstiegskampf von einem Team noch ordentlich aufgemischt werden kann. Insbesondere zwei Mannschaften hinken ihrem Anspruch hinterher. Ein Überblick über die sportliche Lage der Liga.

Corona-Ausfälle

Nie waren die Phrasen »von Spiel zu Spiel« oder »von Woche zu Woche« passender als diese Saison. Jedes Mal aufs Neue schauen die Vereine in den Profiligen auf die Ergebnisse ihrer Corona-Tests und hoffen auf allesamt negative Ergebnisse. So auch in der 2. Handball-Bundesliga. Eine Planung über mehrere Wochen ist zwar möglich, aber kann jederzeit über den Haufen geworfen werden, wie bei so manchem Team bereits passiert. So ergibt sich zum aktuellen Zeitpunkt ein Tabellenbild, in dem viele Teams bereits 25 Spiele absolviert haben und sich damit im »normalen Rhythmus befinden«. Einzelne stehen bei 23 oder 24 Spielen, einzig der TuS Ferndorf nach dreifacher Quarantäne bei 19 absolvierten Duellen. Zwischendurch war die Tabelle noch deutlich ausdrucksschwächer, hat sich die Lage in den letzten Wochen doch entspannt.

Am vergangenen Wochenende traf es jedoch den TV Emsdetten, der sich nun wegen eines positiven Testergebnisses in zweiwöchiger Quarantäne befindet. Allen Vereins- und Ligaverantwortlichen ist bewusst, dass in den kommenden Wochen wenig bis nichts mehr an Spielausfällen passieren darf. Ansonsten ist keine normale Durchführung des Spielbetriebes mehr möglich. Der TVE befindet sich im erbitterten Abstiegskampf und fand gerade zuletzt nach einem Trainerwechsel zu besserer Form.

Freilich drängt sich bei vielen Clubs mittlerweile die Aussage auf, dass das nichts mit einem sportlich fairen Wettkampf zu tun hat. Wenngleich sich alle Spieler einig sind, dass es ein Privileg ist, ihrem Job in der aktuellen Zeit derart nachgehen zu können. Also nimmt man die Situation, wie sie ist.

Dreikampf um zwei Erstliga-Plätze

Klar als Favoriten zum Aufstieg in die 1. Liga wurden von Anfang an der HSV Handball und VfL Gummersbach genannt. Aufgrund der fehlenden Absteiger aus der Beletage stand gerade für den Altmeister aus Gummersbach ein absolutes Muss hinter dem Ziel Aufstieg. Der Kader ist - sportlich wie finanziell - auf Erstligahandball ausgelegt. Ohnehin befinden sich die Oberbergischen schon länger in der 2. Liga als selbst gewünscht. Lange wirkte es so, als sah der VfL den Zweitligahandball nur als Zwischenstation, ohne die Situation richtig anzunehmen. Nachdem es nun lange nach einem Durchmarsch aussah, kassierte die Mannschaft im Kalenderjahr 2021 bereits fünf Niederlagen und hat ihre gute Ausgangsposition eingebüßt. Der TuS N-Lübbecke befindet sich nun sogar vor dem VfL nach dem Gummersbacher Derby-25:27 gestern Abend in Ferndorf. Lübbecke entpuppte sich durch seinen Lauf seit dem Jahreswechsel als möglicher Spielverderber der beiden Top-Teams HSV und Gummersbach. Zum großen Showdown zwischen Lübbecke (38 Punkte/25 Spiele) und Gummersbach (37/25.) kommt es am 28. Mai im direkten Duell. Beim Spitzenreiter aus Hamburg (39/24) planen die Verantwortlichen ebenfalls bereits für die erste Liga. Kurz nacheinander gaben die Hanseaten zuletzt die Verpflichtungen von Nationaltorhüter Johannes Bitter und Manuel Späth bekannt.

Abstiegskampf tobt

Im Abstiegskampf müssen vor allem Wilhelmshaven (19 Punkte), das noch vier Punkte aus dem laufenden Insolvenzverfahren abgezogen bekommt, Emsdetten (16), Konstanz (15), Fürstenfeldbruck (13) und Ferndorf (14), die Situation annehmen. Je nach Verlauf ist auch der heimische TV 05/07 Hüttenberg mit seinen 21 Punkten noch nicht gesichert im Becken der Zweitligisten der Saison 2021/2022. Drei Absteiger wird es am Ende der Saison geben. Besonders der Aufsteiger mit dem kleinsten Etat der Liga, der TuS Fürstenfeldbruck, setzte diese Saison zwei Sensationen: Jeweils zu Hause schlugen die Brucker aus dem Münchener Umland beide Aufstiegsfavoriten aus Gummersbach (32:25) und Hamburg (29:27). Ohnehin gab es - wie so oft in der 2. Liga - immer wieder verrückte Ergebnisse, weshalb alle Teams gut daran tun, in erster Linie auf sich zu schauen.

Ein kleiner Blick der Abstiegskandidaten wird zwangsweise allerdings zum TuS Ferndorf gehen. Durch noch fünf Nachholspiele weiß das Team aus dem Siegener Land, welche Ergebnisse vonnöten sein werden, um die Konkurrenz einzuholen. Ob dies Fluch oder Segen sein wird, bleibt abzuwarten. Zumal die sportliche Leistungsfähigkeit nach deren Corona-Infektionen für viele unklar ist.

Die größten Enttäuschungen sind bereits jetzt die SG BBM Bietigheim und der ASV Hamm-Westfalen. Platz 12 bzw. Platz 13 sind weit vom Anspruch beider entfernt. Beide erhofften sich eigentlich, im Aufstiegskampf zumindest ein Wort mitreden zu können. Die Hammer leisteten sich eine Serie von sieben Spielen ohne Sieg, die sie dann zwischenzeitlich sogar in den Abstiegsstrudel drückte. Aus diesem befreiten sich die Westfalen in den letzten Wochen dann wohl noch rechtzeitig. Bei der SG BBM Bietigheim kann man von einer verkorksten Saison sprechen. Geplagt von den Folgen der Corona-Infektionen und keinem Spielrhythmus von Beginn an kam die SG nie wirklich in den Tritt. Gegipfelt ist das Ganze im Rücktritt des Trainers Hannes Jon Jonsson, der nach mutmaßlichen Unruhen im Verein selbst die Reißleine zog. Weit entfernt von irgendwelchen Gedanken um einen oberen Tabellenplatz.

Mit einem am heutigen Mittwoch zu verabschiedenden, enger angezogenen Hygienekonzept will die Liga weitere Infektionen oder Quarantäneverordnungen verhindern, um die Saison irgendwie zu Ende zu bekommen. Es wird eine Spielzeit sein, die allen in den Knochen stecken wird und bei der alle hoffen, dass sie einmalig bleibt. Jonas Späth

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