+
Der Richtungsweiser: Andreas Klimpke, der Handball-Trainer der HSG Wetzlar U23. (ras)

Auch ein bisschen Genugtuung

  • schließen

Andreas Klimpke war als aktiver Handballer eine Klette. Der Mann für die besonderen Fälle beim damaligen Bundesligisten HSG D/M Wetzlar. Aktuell coacht er mit viel Erfolg die U23 der HSG.

Am Sonntag kommt es zum Spitzenspiel in der Handball-Oberliga der Männer. Um 18 Uhr ist die zweitplatzierte U23 der HSG Wetzlar bei Tabellenführer SG Bruchköbel zu Gast. Das Hinspiel hatte der Bundesligaunterbau mit 30:25 für sich entscheiden können und steht nach der Hälfte der Saison mit einem Punkt Rückstand hinter dem Spitzenreiter. In der Tordifferenz liegen beide Teams gleichauf, nur das Unentschieden beim TSV Vellmar verhinderte die Punktgleichheit mit der SG und die damit verbundene Übernahme der Tabellenführung. Mit HSG-Trainer Andreas Klimpke haben wir uns über den Gegner, die Entwicklung seiner Mannschaft und Einflüsse seiner Trainer auf seine Arbeit unterhalten.

Was zeichnet die Mannschaft von Bruchköbel aus?

Andreas Klimpke: Bruchköbel hat einen körperlich sehr robusten Kader. Sie stellen eine sehr massive defensive 6:0-Abwehr. Wir brauchen daher im Angriff viel Geduld, dürfen nicht zu überhastet abschließen. Wir müssen schauen, dass wir diese Abwehr ähnlich wie im Hinspiel in die Seitwärtsbewegung bringen, geduldig auf unsere Chancen warten und die dann auch nutzen. Damit verbindet sich gleich der nächste Punkt. Was Bruchköbel noch auszeichnet, ist die erste und zweite Welle, die spielen sie richtig gut.

Aus der massiven 6:0 heraus sind die beiden Außenpositionen extrem schnell. Der entscheidende Pass kommt eigentlich immer punktgenau – und das ist schwer zu verteidigen, wenn du gegen so eine Abwehr anrennen musst. Da musst du direkt wieder ans Rückzugsverhalten denken.

Wo liegen die Schwächen bei SG Bruchköbel?

Klimpke: Unser Vorteil ist, dass wir schneller auf den Beinen sind – und das müssen wir auch wieder auf die Platte bringen.

Auf wen müssen Ihre Jungs besonders aufpassen?

Klimpke: Das sind Michael Nath im linken Rückraum, auf der anderen Seite Sergej Sutic und in der Mitte natürlich Tegaday Nuez Ramos. Er spielt sehr gut mit dem Kreis zusammen und bringt seine Halben, die reine Werfer sind, gekonnt ins Spiel.

Sie waren ein Spieler, der von den Trainern gern mit Sonderaufgaben betraut wurde. Haben Sie auch solche Spieler?

Klimpke (lacht): Ja. Da habe ich zum einen Lukas Gümbel, weil er einfach die Spielintelligenz dafür hat. Und auch Julian Wallwaey ist einer, der für solche Aufgaben sehr gut zu gebrauchen ist.

Was konnten Sie aus ihrer Zeit als Spieler mit auf die Trainerbank nehmen?

Klimpke: Ich habe von meinen Trainern schon einige Dinge mitgenommen, die ich jetzt selbst anwende. Ich habe ja selbst oft vorgezogen gedeckt und versuche das jetzt auch den Jungs, die auf dieser Position spielen, zu vermitteln. Aber das ist ja auch schon ein paar Jahre her. Das Spiel hat sich von der Schnelligkeit und Athletik ein ganzes Stück weiterentwickelt.

Welcher Ihrer Trainer hat Sie in dieser Hinsicht am meisten beeinflusst?

Klimpke: Dazu hat jeder so seinen Teil beigetragen. Das fing in der Jugend schon mit dem Trainergespann Dieter Schmidt und Enyi Okpara an. Sehr großen Anteil hat natürlich Velimir Petkovic, der maßgeblich daran beteiligt war, dass ich in der Bundesliga gespielt habe.

Ihre Mannschaft hat sich in der Oberliga auf dem zweiten Platz festgesetzt. Haben Sie sich das vor der Saison so vorgestellt?

Klimpke: Natürlich nicht. Wir hatten einen großen personellen Umbruch in der Mannschaft. Viele ältere Spieler haben ihre Karriere beendet oder wollten den Aufwand nicht mehr betreiben. Wir haben ausschließlich mit Spielern aus der eigenen A-Jugend ergänzt. Das war schon ein gewisses Risiko. Dass es jetzt von Anfang an so gut läuft, ist auch für mich ein Stück weit überraschend. Aber wir wissen auch, wie die Jungs in der A-Jugend trainiert haben und dass sie Qualität haben. Dass sie im Männerbereich so schnell Fuß fassen, ist schon gut. Die ganzen sogenannten Experten haben uns vor der Runde mit zu den Absteigern gezählt. Daher ist das für mich zum jetzigen Zeitpunkt auch ein bisschen Genugtuung, denen zu zeigen, dass es auch mit so vielen jungen Spielern geht.

Wie gehen diese jungen Spieler mit dem Erfolg um?

Klimpke: Wenn man gewinnt, ist das natürlich immer schöner als zu verlieren. Das haben wir vor allem nach der letzten Niederlage vor der Winterpause in Münster gemerkt, dass die Jungs das auch gut einschätzen können. Es gibt Spieler, die erst mal schauen, wo man die Schuld suchen könnte. Doch da sind sie schon erstaunlich weit, wissen, dass man die Sache auch selbstkritisch angehen muss. Da sind wir auf einem guten Weg. Da hat Thomas Weber mit diesem Jahrgang schon gute Arbeit geleistet.

Macht man sich beim Blick auf die Tabelle schon Gedanken über einen eventuellen Aufstieg in die 3. Liga?

Klimpke: Innerhalb der Mannschaft wurde darüber noch nicht gesprochen. Wir haben jetzt die Hälfte rum und mit Bruchköbel und dem Derby gegen Pohlheim eine Woche später richtungsweisende Spiele. Je nachdem, wie diese Spiele ausgehen, muss man sich mit diesem Thema dann auch mal befassen. Aber dafür haben wir noch ein bisschen Zeit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare