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Armin Andres (r.), der ehemalige Gießener Basketballer und Trainer, ist beim DBB für den Leistungssport verantwortlich. Im Gespräch mit AZ-Sportredakteur Wolfgang Gärtner erzählt er, wie er bei Olympia 1992 gegen das US-Dream-Team spielte. (Foto: Friedrich)

Armin Andres: "Haben längere Durststrecke durchmachen müssen"

(gae) Armin Andres hat frischen Wind in den Deutschen Basketball-Bund gebracht. Seit drei Jahren ist der ehemalige Gießener Spieler und Trainer im Amt des Vizepräsidenten Leistungssport. Am Freitag kehrt er im Tross der Nationalmannschaft zurück an seine alte Arbeitsstätte Osthalle.

Wenn am heutigen Freitag um 19.30 Uhr das Basketball-Länderspiel zwischen Deutschland und Portugal angepfiffen wird, dürfte Armin Andres zuvor sicher den größten Applaus vom Publikum erhalten. Viele Jahre führte er bei den Gießener Bundesliga-Basketballern Regie auf der Eins, später als Trainer von der Bank aus. Seit drei Jahren ist der Ex-Nationalspieler in die Funktionärsrolle geschlüpft: Der heute 57-Jährige fungiert beim Deutschen Basketball-Bund als Vizepräsident Leistungssport, hat seit seinem Antritt viel bewegt und fachliche Kompetenz in den Verband gebracht. Er weiß, wie die Spieler ticken – und die Trainer. In Bamberg betreibt der selbstständige Gastronom ein Hotel und hat mit seiner Ehefrau Andrea eine basketballaffine Partnerin zu Seite. Armin Andres freut sich auf die Rückkehr nach Gießen – und auf die Fans in der Osthalle.

Ist es für Sie etwas Besonderes, nach Gießen an die alte Arbeitsstätte zurückzukommen?

Armin Andres : Für mich ist das ein absolutes Highlight, in die Osthalle zurückzukehren. Ich freue mich auf die alten Bekannten und die tollen Gießener Fans.

Wie stark war Ihr Einfluss auf die Entscheidung, in Gießen das letzte Länderspiel vor der EM-Qualifikation auszutragen?

Andres: Darauf hatte ich überhaupt keinen Einfluss. Das liegt in den Händen einer Agentur. Aber wir haben bewusst Gießen rausgesucht, weil bei den Gießen 46ers gute Arbeit geleistet und die Entwicklung nach vorne getrieben wird.

Wie schwer ist es Ihnen gefallen, vom Nationalspieler zum Trainer und später zum Funktionär zu mutieren?

Andres: Der Übergang zum Trainer war fließend, weil ich neben der spielerischen Tätigkeit beim Deutschen Basketball-Bund im Sommer immer als Trainer fungiert habe. Der Übergang zum Funktionär war ein größerer Break, weil ich nach meiner letzten Trainertätigkeit in Köln fast zehn Jahre komplett aus dem Basketball heraus war. In der Zeit habe ich mich um meine berufliche Situation gekümmert. Danach wurde ich angesprochen, ob ich nicht auf der Funktionärsebene tätig sein könnte.

Ihr Amt als Vizepräsident Leistungssport ist ehrenamtlich. Wie managen Sie ihren Beruf mit dem Tun beim DBB – zeitlich und finanziell?

Andres: Beim DBB ist es reines Ehrenamt, wir bekommen keine finanzielle Zuwendung. Ich kann es Gott sei Dank kompensieren durch meine berufliche Situation, ich kann mir einfach die Zeit nehmen. Mit meiner Frau Andrea muss ich aber das Ganze abstimmen. Das ist aber einfach, weil sie ebenfalls sehr am Basketball interessiert ist. Es ist ein schwieriges Amt, weil es den ganzen Leistungssport im Basketball betrifft. Es ist nicht nur die Herren-Nationalmannschaft, sondern es sind auch die Jugendteams. Daher ist es sehr zeitaufwendig.

Wie sehen Sie den Basketball in Deutschland aufgestellt?

Andres: Wir haben eine längere Durststrecke durchmachen müssen. Aber durch die Entwicklung in der BBL, dass sie hohe Standards gesetzt und die Sechs-plus-sechs-Regelung (sechs Deutsche müssen im Team sein) eingeführt haben, zeigt sich die Tendenz, dass wir eine breite Spitze bekommen. Das hat sich aktuell bemerkbar gemacht: Wir hatten sehr viele Absagen, aber trotzdem haben wir eine Top-Mannschaft auf die Beine gestellt.

Es ist mehr Leistung vorhanden. In den Jugendteams läuft es ebenfalls: Die U18 hat das Albert-Schweizer-Turnier gewonnen, die U20 ist bei der EM Vierter geworden. Auch im weiblichen Bereich geht es wieder bergauf: Die U16 hat bei der EM die Silbermedaille gewonnen.

Sie können es als ehemaliger Playmaker der Nationalmannschaft gut beurteilen: Wie stark sind die Aufbauspieler in der aktuellen DBB-Auswahl?

Andres: Wenn man von einer Schwäche in der Nationalmannschaft sprechen kann, dann betrifft das den Aufbau. Dort hat man noch nicht den gewünschten Standart erreicht. Wir haben mit Maodo Lo sicherlich eines der größten Talente. Er wurde aber durch die Absagen einiger Spieler wie Dennis Schröder ins kalte Wasser geworfen und muss nun schon die Hauptverantwortung tragen. Wir haben mit Makai Mason einen Spieler, der auch erst 20 Jahre ist und den europäischen Basketball überhaupt nicht kennt. Er hat nur College gespielt. Auch er muss eine Entwicklung durchmachen. Aber er hat auch schon gezeigt, dass er mitspielen kann. Und wir haben mit Bastian Doreth einen Spieler, der sehr solide und schon fast routiniert auf der Einer-Position agiert.

Hat die aktuelle Nationalmannschaft die Klasse, die EM-Qualifikation zu meistern, und kann sie bei der EM 2017 ein Wörtchen mitreden?

Andres: Auf alle Fälle. Das einzige Problem, was die Mannschaft hat, ist das Zusammenspiel. Sie ist mit Daniel Theis, Tibor Pleiß, Paul Zipser, Johannes Voigtmann, Danilo Barthel top besetzt. Die kurze Vorbereitung reicht nicht aus, damit wir eine eingespielte und routiniert auftretende Mannschaft auf dem Feld haben.

Was ist das Prunkstück des Teams?

Andres: Für uns wichtig, dass der Teamgeist passt. Und der stimmt absolut. Die Spieler wollen unbedingt. Sie sind mit viel Euphorie und Ehrgeiz dabei, sich zu präsentieren. Die Mannschaft wird auszeichnen, dass man über den Kampf, über das Mannschaftsspiel die Erfolge einfahren kann. Spielerisch wird es noch eine Zeit lang dauern, bis das Team zusammenfindet.

Chris Fleming führt das Team in der EM-Qualifikation und dann beim Erreichen des Ziels auch bei der eigentlichen EM. Gibt es dann den Wechsel zu Henrik Rödl als Bundestrainer?

Andres: Wir planen noch nicht bis nach der EM 2017. Da Chris in der NBA als Co-Trainer fungiert, kann er 2017 aufgrund der Zeitfenster gar kein Trainer mehr bei uns sein. Henrik ist bei uns bis 2020 verpflichtet worden – mit dem Hintergedanken, dass er irgendwann für uns als Bundestrainer tätig ist. Er hat mit der Silbermedaille 2015 bei der Universiade und nun Platz vier bei der EM mit der U20 bewiesen, dass er auf höchstem Niveau arbeiten kann.

Sind Sie basketballerisch noch aktiv?

Andres: Nein. Ich habe meine letzten Basketballschuhe vor einigen Jahren, als ich mit meinem Bruder Thomas noch die Altherren-Meisterschaften gespielt habe, an den Nagel gehängt. Es kommt einfach mal der Zeitpunkt, an dem man aufhört.

Olympia ist noch in aller Munde. Sie sind ebenfalls ein Olympionike. 1992 haben Sie mit der deutschen Nationalmannschaft in Barcelona Platz sieben belegt. Was waren für Sie die einprägsamsten Begegnungen?

Andres: Fasziniert hat mich, dass die Topathleten von allen Sportarten im olympischen Dorf sind, wo man sich mal gegenübersteht und ein paar Worte wechselt. Wir haben damals Steffi Graf und Boris Becker bei uns gehabt. Und das zweite Highlight war für mich das Spiel gegen das wahre US-Dream-Team mit Michael Jordan, Magic Johnson, Larry Bird, Charles Barkley, Patrick Ewing, Karl Malone, Scottie Pippen und Clyde Drexler.

Und wer war Ihr Gegenüber?

Andres: Ich war kurz auf dem Feld und habe gegen Scottie Pippen gespielt – und habe daraus große Lehren gezogen (lacht).

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