Profisport in Sorge

Angst vor Lockdown

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(sid). Die irritierenden Bilder vom "Maskenball" in Spanien sorgten bei Handball-Boss Frank Bohmann für ungläubiges Kopfschütteln. "Das ist völlig absurd und ein schlechter Witz. Mir tun die beteiligten Spieler und Schiedsrichter leid. So kann man keinen Profisport treiben", sagte der HBL-Geschäftsführer und versicherte: "Für uns ist diese Art des Handballspiels keine Option."

So seltsam die Szenen vom weltweit ersten Handballspiel mit Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung für Spieler und Offizielle auch anmuten - angesichts nach oben schnellender Inzidenzzahlen muss sich der Sport auch hierzulande Gedanken machen. Von den ursprünglichen Plänen, bald mehr Zuschauer in die Arenen zu lassen, spricht kaum einer mehr. Angesichts der enormen Wucht der zweiten Corona-Welle geht inzwischen vielmehr die Angst vor einem erneuten Lockdown um.

"Das Szenario kann man nicht ausschließen. Es hängt sehr vom weiteren Neuinfektionsverlauf ab", sagte Bohmann. Stand jetzt sehe er die Gefahr "für die nächsten ein, zwei Wochen" aber nicht. Doch was kommt dann? Die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, die angesichts der momentanen Situation wieder Geisterspiele im Fußball ins Gespräch gebracht hat, klingen in den Ohren der Macher wie eine Drohung. Was sollen Handball, Basketball und Co. erst machen, wenn sogar König Fußball runtergefahren werden sollte?

Aktuell sieht die Absprache der Bundesländer vor, dass die Stadien und Hallen mit bis zu 20 Prozent der Kapazität mit Zuschauern gefüllt werden dürfen, solange die Sieben-Tage-Inzidenz nicht über 35,0 steigt. Passiert dies doch, wie momentan in immer mehr Städten zu beobachten, dürfen die Gesundheitsämter die Zuschauer komplett ausschließen. Das Überleben vieler Klubs wäre (spätestens dann) akut bedroht.

"Der Profisport, wie wir ihn in Deutschland kennen, wäre dann nicht mehr durchführbar, und wir müssten uns neue Konzepte auf einem ganz anderen Leistungsniveau überlegen", sagt Bohmann, dessen Liga Anfang Oktober als eine der ersten mit Zuschauern gestartet ist. Dies wäre für den deutschen Sport "eine riesige Zäsur und würde uns im Wettbewerb weit zurückwerfen."

Stefan Holz, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga, gibt sich indes gelassen. "Unser Plan ist nach wie vor, die Saison regulär zu spielen", sagte Holz. Wenn dies nicht mehr möglich sei, "werden wir uns wieder eine attraktive Alternative überlegen. Wir haben Stand heute noch keinen Plan B."

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