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Vor allem der Nachwuchs spielt im Masterplan 2024 eine große Rolle. SYMBOLFOTO: IMAGO

Ambitionierte Teilziele

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Die Corona-Krise hat alle Bereiche des Lebens in den letzten eineinhalb Jahren vor große Anstrengungen gestellt. So den Amateur- und Jugendfußball auch in Hessen. Seit Beginn der Pandemie beschäftigt sich auch der Hessische Fußball-Verband mit den Folgen - Stichwort Masterplan 2024.

Wer einen Blick auf die Sportplätze der Region wagt, am besten am frühen Abend, dem fällt eines sofort auf: Ganz schön was los. Die Fußballerinnen und Fußballer sind zurück, von den Männer- und Frauenteams bis hin zu den Bambini. Hier ein unbarmherziger Coach, der trotz siebenmonatiger Ballabstinenz noch immer die Laufschuhe als wichtigste Utensilien betrachtet, dort einer, der seine Jungs und Mädels einfach nur stundenlang zocken lässt - bis zur Erschöpfung, die, nur logisch, oft deutlich rascher kommt als erhofft. Mitunter werden da schon ein paar zusätzliche Corona-Kilos über die Fußballfelder geschleppt.

Nun also naht der Saisonauftakt, im August soll es wieder so weit sein, der Anpfiff für die Amateurfußballrunden ertönen. Und viele fragen sich: Wie wird es laufen in der dann bereits dritten von Corona betroffenen Saison? Wie viel Normalität von früher steckt noch in der Normalität von heute? Stefan Reuß, der Präsident des Hessischen Fußball-Verbandes, weiß darauf natürlich auch keine Antwort, die äußeren Einflüsse kennt niemand, er sieht den HFV aber gut gerüstet. So soll der vom Dachverband DFB für ausgearbeitete »Masterplan 2024« in Hessen alsbald mit Leben gefüllt werden.

Dieser verfolgt nicht nur das Ziel, mehr Spieler, Trainer oder Schiedsrichter für den Fußball zu begeistern, sondern auch, dass Vereinsleute besser qualifiziert sind. »Dass der Masterplan bis 2024 umgesetzt werden soll, hängt unweigerlich mit der dann in Deutschland stattfindenden EM zusammen«, sagt Reuß: »Die Heim-EM soll einen Motivationsschub für den Amateurfußball bringen.«

Den Masterplan hatte der DFB bereits vor Corona entworfen, infolge der Pandemie aber sei dessen Umsetzung noch wichtiger geworden, wie Reuß findet. Drei zentrale Probleme stellen sich aus seiner Sicht für den hessischen Fußball: Verminderte Einnahmen für die Vereine, die daher im vergangenen Jahr vom Verband insgesamt rund 650 000 Euro an Beiträgen und Gebühren erlassen bekamen. Dazu das Risiko des Fernbleibens von Spieler:innen sowie ein Rückgang an Verbundenheit des Publikums. »Wir hoffen, dass wir die Abwanderungsgedanken durch unsere Maßnahmen an vielen Stellen bremsen können«, sagt Reuß, der sich im September aller Voraussicht nach erneut zur Wahl als HFV-Präsident stellt, obwohl er 2022 auch geschäftsführender Präsident des Sparkassen- und Giroverbands Hessen-Thüringen wird,

Dafür hat der HFV im Dialog mit den hessischen Klubs, 2110 sind es derzeit, acht zentrale Punkte herausgearbeitet, die angepackt werden sollen. »Die Teilziele sind ambitioniert, das ist uns bewusst«, sagt Masterplan-Koordinator Jonas Stehling, »aber wenn wir sie erreichen, dann müssen wir uns um den Fußball in Hessen auch in Zukunft keine Sorgen machen.«

Im Sog der Heim-EM, und natürlich auch in den drei Jahren bis dahin, soll die Zahl der Fußballerinnen und Fußballer, der Vereinsmitglieder, der Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter und des Publikums mindestens gehalten, oder besser noch, gesteigert werden. Einige Statistiken zur aktuellen Lage: So hat der DFB zwar insgesamt 7,06 Millionen Mitglieder sowie 24 301 Vereine unter seinem Dach vereint, nach etlichen Jahren des Wachstums aber waren einige Bereiche zuletzt rückläufig. Im Vergleich zu 2020 hat sich etwa die Anzahl der Referees um 14,26 Prozent reduziert, die der Spieler um 10,19, die der gemeldeten Teams um 2,49. Mindestens alarmierend.

Entsprechend soll die Bindung von Aktiven und Passiven an den Amateurfußball wieder enger werden. »Es ist ein ganzheitlicher Ansatz«, sagt Stehling, um mit einigen Beispielen aufzuwarten: Künftig wird etwa bei den Kleinsten (U6 bis U11) die Spielerzahl auf ein Drei-gegen-Drei reduziert, um die Kinder möglichst oft an den Ball kommen zu lassen und damit ihren Spaß zu fördern. Zudem sollen Schulen und Kitas systematisch besucht werden (Stehling: »Da haben wir Nachholbedarf«), um schon die Jüngsten für die Kickerei zu begeistern. Schiedsrichter-Neulinge bekommen bald standardmäßig einen erfahrenen Paten an die Seite gestellt, um nach möglichen Rückschlägen in ihrer Einstiegsphase nicht sofort wieder die Lust am Pfeifen zu verlieren. Aufbauende Worte, so Stehling, nach unschönen Erfahrungen könnten da oft Wunder bewirken.

Zudem soll der Austausch mit den Vereinen, auch das Hilfsangebot seitens des Verbandes, ausgebaut werden - zum Beispiel bei Fragen zu Hygienekonzepten oder der Mitgliedergewinnung. Denn, so Stehling: »Es braucht natürlich auch Leute, die am Wochenende bereit sind, die Bratwurst hinterm Grill zuzubereiten.«

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