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Amateurfußball: Die Sorgen und Nöte in Mittelhessen

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Damit der Fußball eine Zukunft hat, wollen einige Klubs nun nicht mehr kleckern. Sie wollen klotzen. Ganz einfach ist das aber nicht, wie sich gerade im Lumdatal zeigt. Eine Bestandsaufnahme.

Am großen Tisch saßen die Vereinsvertreter zusammen und verpassten einem noch zu gründenden Verein, der eine fußballerische Zäsur im Lumdatal begründen würde, schon recht klare Strukturen. In etwa 15 Sitzungen diskutierten die Verantwortlichen aus Kesselbach, Allertshausen, Odenhausen, Treis, Allendorf und Londorf über die Abläufe des Spielbetriebs, über die Zusammensetzung des Etats und über rechtliche Fragen. "Wir hatten die Satzung schon stehen und hätten eigentlich loslegen können mit dem FC Lumdatal", blickt Michael Groß zurück, Vorsitzender beim SV Odenhausen/Lda.

Eine von allen akzeptierte Lösung in Sachen Heimspielregelung hätte so ausgesehen: "Ausgehend von einem Team in der Kreisoberliga und einem weiteren in der A-Klasse, hätte jedes Wochenende immer eine Mannschaft Heimrecht genießen sollen", erklärt Klaus Lotz, Sportvorstand bei der SG Treis/Allendorf, der zwar um die Stabilität seiner derzeitigen Spielgemeinschaft weiß, aber eine große Lösung im Lumdatal perspektivisch für sinnvoll hält. "Somit wäre gewährleistet, dass es an einem dieser sechs Orte zumindest einmal pro Woche Fußball zu sehen gibt." Wie Günther Krieb, Vorsitzender vom FC Allertshausen, zu verstehen gab, kommen bei entsprechendem Spielermaterial sogar drei Mannschaften infrage. Auch Krieb steht der großen Lösung im Lumdatal sehr positiv gegenüber. Selbst für die finanzielle Ausstattung des neuen Klubs, dem die einzelnen Ortsvereine als Stammvereine angehören würden, hatte man schon eine Regelung gefunden.

Es war noch keiner bereit, einen führenden Posten zu übernehmen

Michael Groß, SV Odenhausen

Noch keine zufriedenstellenden Ergebnisse gab es dagegen bei der personellen Zusammensetzung des neuen Vorstandes. Michael Groß (Odenhausen), der zu den Sitzungen einlud und das Protokoll führte, sagte: "Es war noch keiner bereit, einen führenden Posten zu übernehmen." Immerhin haben die Vorsitzenden und Funktionsträger der Ortsvereine mit ihren derzeitigen Aufgaben schon einiges zu tun. "Unter diesen Voraussetzungen ist Odenhausen nicht dabei", erklärte Groß, gab aber zu verstehen, dass das Projekt "nur auf Eis" gelegt sei.

(Noch) keine große Begeisterung für den FC Lumdatal aufkommen will unterdessen beim FC Rüddingshausen und beim SV Geilshausen. Diese beiden Vereine waren auf den jüngsten Sitzungen nicht vertreten. "Wir stellen uns der Problematik, wenn es so weit ist. Derzeit ist das für uns nicht aktuell. Wir möchten gerne die Spielgemeinschaft mit dem TSV Londorf beibehalten", ließ der Rüddingshäuser Vorsitzende Bernd Reuter wissen. Die Londorfer bekundeten mit ihrer Anwesenheit bei den vereinsübergreifenden Treffen allerdings ein Interesse an den neuen Strukturen, wenngleich sich TSV-Abteilungsleiter Udo Kreisel sich nicht zur Thematik äußern wollte.

Wir möchten die Spielgemeinschaft mit Londorf beibehalten

Bernd Reuter, FC Rüddingshausen

Wie es funktionieren kann, macht derzeit der Nachwuchs vor. Bei der JSG Lumdatal sind alle acht Ortschaften seit Sommer 2017 unter einem Dach vereint. Auch die Handballer der Region haben schon längst einen gemeinsamen Weg beschritten und firmieren seit Jahren als HSG Lumdatal.

Auch im Männer-Fußball muss man nicht lange nach Beispielen suchen: Die Fußballer aus Wißmar, Krofdorf-Gleiberg und Launsbach sind seit 2011 als FSG Wettenberg unterwegs – ein eingetragener Verein. Nicht immer sind Vorstand und Mitglieder bei den außerordentlichen Versammlungen, die über den Beitritt zu einem übergeordneten Klub entscheiden, einer Meinung. So konnte zwar im Fußballkreis Limburg-Weilburg 2016 der FC Waldbrunn aus der Taufe gehoben werden, dem fünf Ortsvereine angehören. Einer davon, der TuS Lahr, verlor jedoch bei der Entscheidungsfindung seinen kompletten Vorstand, da dieser das knappe Mitgliedervotum zugunsten des neuen Vereins nicht mittragen wollte und zurücktrat.

Soweit muss es aber im Lumdatal nicht kommen. Fakt ist: Zur neuen Saison 2018/2019 wird das Projekt noch nicht realisiert. Aber das Thema kommt wieder auf den Tisch.

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