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Amateure auf den Spuren von Phil Taylor

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Wer Darts hört, dem fallen Namen wie Phil Taylor oder Michael van Gerwen ein. Doch Darts ist auch ein Teamsport – mit Nachwuchsarbeit und einem geregelten Spielbetrieb. Ein Ortsbesuch beim DC Cartoon Gießen.

Wenn im "Ally Pally" in London die Stars der Darts-Szene auf die Bühne kommen, rasten die Fans aus. Sie tragen schrille Kostüme, das Bier fließt in Strömen und die Weltmeisterschaft ist eine einzige Party. Millionen Zuschauer fiebern am Fernseher mit, wenn die Profis ihre Pfeile um 2,5 Millionen Pfund Preisgeld auf die Scheibe werfen. Darts boomt. Die Einschaltquoten bei der WM rund um Weihnachten sind in Deutschland in den letzten Jahren rasant gestiegen. Das hilft auch den Amateurclubs. "Wir merken ein gesteigertes Interesse an unserem Sport", sagt Micky Macke, der 1. Vorsitzende des Dartclubs Cartoon Gießen. Doch das Vereinsleben ist so ganz anders als die großen Turniere der Profis.

Gemeinsamkeiten zwischen Profis und Amateuren

Wenn in der "Kupferkanne", dem Vereinslokal des DC Cartoon, die Amateure ihre Wettkämpfe bestreiten, herrscht kein Remmidemmi. Die Zuschauerzahl ist überschaubar, auf den Tischen stehen meist Mineralwasser, Cola oder ein Pott Kaffee. Was Profis und Landesliga-Akteure eint: Sie sind hoch konzentriert und spielen nach identischen Regeln. Aber nicht als Einzelkämpfer, sondern als Team. "Bei einem Liga-Wettkampf werden jeweils acht Einzel und vier Doppel ausgetragen", erklärt Wolfgang Henke, der Kassenwart des DC Cartoon. Jedes einzelne Duell wird nach dem Modus "best of five" ausgetragen – der Sieger steuert einen Zähler zum Mannschaftsergebnis bei.

Darts ist ein Kneipensport. "Es wird ja immer wieder von alkoholisierten, dicken Männern gesprochen, die das, was sie da tun, überhöhen und als Sport darstellen", kennt Henke ein gängiges Vorurteil. "Unser Sport findet eben in der Gaststätte statt und hat deshalb immer diesen Beigeschmack", ergänzt Macke und nippt an seinem Kaffee. Für beide ist klar: Darts ist Sport, nicht nur, weil der Hessische Dart-Verband und seine Mitgliedsvereine dem Landessportbund angehören. "Es geht um Geschicklichkeit, gepaart mit Konzentrationsfähigkeit", sagt der 69-jährige Henke, der in der zweiten Mannschaft aktiv ist. "Und um Übung: Um gezielt eine Zahl zu treffen, bedarf es einiges an Training", weiß Macke. Der 1. Vorsitzende sagt auch: "Das Schöne an unserem Sport ist, dass es keine Altersgrenze gibt und er von Frauen und Männern gemeinsam ausgeübt wird." Denn die Meisterschafts-Teams sind gemischt, der Frauenanteil bei den Gießenern liegt zwischen 15 und 20 Prozent.

Kneipensport aus Notwendigkeit

Dass Darts oft in Gaststätten gespielt wird, hat nicht nur Tradition, sondern ist meist auch eine Notwendigkeit. "Wir finanzieren uns alleine aus unseren Mitgliedsbeiträgen. Wie sollten wir da eigene Räumlichkeiten anmieten können?", sagt Henke. Mehrfach ist der Club umgezogen. Gegründet wurde er 1987 im Kellerlokal eines Verbindungshauses in der Grünberger Straße, dem "Cartoon" – die Kneipe gibt es schon lange nicht mehr, ihr Name hat durch den Dartclub überlebt. Der hat sein Domizil inzwischen in der "Kupferkanne" in der Krofdorfer Straße. Wirt Josef Tok ist 2. Vorsitzender des Clubs und hat perfekte Bedingungen geschaffen, um den Ligaspielbetrieb oder auch größere Turniere austragen zu können. Tok selbst war schon Weltmeister im E-Dart, dem elektronischen Dart; das ist die populärere Variante des Präzionsspiels. Daneben gibt es noch das Steeldart, die traditionelle Art, nach der die großen Wettbewerbe und auch der vom Dart-Verband organisierte Ligaspielbetrieb ausgetragen werden.

40 Aktive in drei Mannschaften

Der DC Cartoon mit seinen 40 Aktiven stellt drei Mannschaften – in der Bezirksliga, der Oberliga und der höchsten hessischen Klasse, der Landesliga. Dort liegt die "Erste" aussichtsreich im Rennen um die Teilnahme an den Aufstiegskämpfen zur zweigleisigen Bundesliga.

Seit gut einem Jahr betreibt der Verein in Kooperation mit der E-Dart-Liga Marburg auch Nachwuchsarbeit und gehört damit zu den Pionieren in seiner Sportart. "Es ist gar nicht so einfach, in einer Kneipe die Rahmenbedingungen für Jugendarbeit zu schaffen", sagt Henke. Für Kinder und Jugendliche wird an jedem zweiten und vierten Sonntag Training angeboten. "Da ist die Kneipe offiziell geschlossen. Es sind keine anderen Gäste da und alles bleibt komplett alkohol- und rauchfrei", erklärt Macke. Zwischen zehn und 20 Kinder und Jugendliche im Alter von acht bis 18 Jahren kommen zu den Übungseinheiten, um die Pfeile auf die Scheibe zu werfen. Einen Ligaspielbetrieb für Nachwuchsklassen gibt es (noch) nicht, aber diverse Turniere wie die hessischen Meisterschaften. Mancher Jugendliche träumt sicher von einer Karriere, wie sie Phil Taylor oder Weltmeister Michael van Gerwen hingelegt haben. So weit kommen die wenigsten. Für alle anderen Darts-Begeisterten gibt es Clubs wie den DC Cartoon Gießen.

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Gut zu wissen

Unterschied Steel- und E-Dart: Die vom Verband organisierten Wettkämpfe und großen Turniere im traditionellen Steelart werden auf ein Sisalboard ausgetragen. In der Regel wird 501 "Double Out" gespielt. Das bedeutet, dass jeder Spieler mit 501 Punkten beginnt. Nach jedem Wurf wird die Anzahl Punkte abgezogen, die mit dem Pfeil getroffen wurde. Das Spiel gewinnt, wer zuerst mit genau null Punkten abschließt, dabei muss es mit einem Treffer in den äußeren (Double-)Ring beendet werden. Beim Elektronik Dart/E-Dart wird auf Automaten geworfen, dabei gibt es eine ganze Reihe verschiedene Spielvarianten. "Die puristische Steel-Variante ist organisiert wie ein Sportverband, die E-Dart-Szene ist organisiert durch die Automatenaufsteller", erklärt Wolfgang Henke vom DC Cartoon Gießen. Auch im E-Dart gibt es diverse, meist freie Ligen. In der Region haben sich viele Teams der E-Dart-Liga Marburg (EDLM) angeschlossen. Spielbetrieb ohne eigenen Verein: Gruppen, die am Verbands-Spielbetrieb teilnehmen möchten, aber keinem Verein angehören, können sich dem Regionalen Dartverband Mittelhessen anschließen – und unter dessen Dach teilnehmen. Allerdings nehmen auch viele Vereine in der Region gerne neue Mitglieder auf.

Clubs in der Region: Im Landkreis Gießen gibt es eine ganze Reihe Dartclubs. Zum Beispiel den DC Linden Sherlock Homes, den DV Garbenteich, die Pirates of Darts Gießen, die Mighty Mosquitos Mücke, die Seenbachdarter Freienseen oder den Grünberger Dartverein Pilum-Securum.

Informationen im Netz: Infos zum Spielbetrieb und Turnierausschreibungen gibt es auf der Seite des Hessischen Dart-Verbands (www.hdvev.de). Auch die E-Dart-Liga Marburg hat eine eigene Präsenz (www.e-dartliga-marburg.de). Viele Clubs sind zudem mit einer eigenen Seite bei Facebook vertreten. (kus)

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