Allrounder mit einer Portion Schussverliebtheit

Nicht viele Spitzenbasketballer kommen aus Alaska. Carlos Boozer von den Utah Jazz, vielleicht noch Trajan Langdon von CSKA Moskau fällt einem ein (immerhin trägt letzterer den Spitznamen "Alaskan Assassin"). Aber auch Kyle Bailey, Aufbauspieler des Bundesligisten BG Göttingen stammt aus dem größten Bundesstaat der USA. Geboren wurde Bailey in Fairbanks, der zweitgrößten Stadt des dünn besiedelten Staates. Man sollte sich nun aber nicht von dem Attribut "zweitgrößte" täuschen lassen - bei knapp 35 000 Einwohnern von Fairbank kann man nicht behaupten, der Pointguard wäre in einer Großstadt aufgewachsen.

Nicht viele Spitzenbasketballer kommen aus Alaska. Carlos Boozer von den Utah Jazz, vielleicht noch Trajan Langdon von CSKA Moskau fällt einem ein (immerhin trägt letzterer den Spitznamen "Alaskan Assassin"). Aber auch Kyle Bailey, Aufbauspieler des Bundesligisten BG Göttingen stammt aus dem größten Bundesstaat der USA. Geboren wurde Bailey in Fairbanks, der zweitgrößten Stadt des dünn besiedelten Staates. Man sollte sich nun aber nicht von dem Attribut "zweitgrößte" täuschen lassen - bei knapp 35 000 Einwohnern von Fairbank kann man nicht behaupten, der Pointguard wäre in einer Großstadt aufgewachsen.

In Alaska sorgte er dennoch für Aufsehen: Für seine Highschool überragte der Guard, erzielte im Durchschnitt 26 Punkte und wurde als "McDonald's All-American" nominiert. Am College trat Bailey in durchaus bekannte Fußstapfen: Seine Vorgänger als Aufbauspieler an der Santa Clara University waren unter anderem der zweimalige NBA-MVP Steve Nash, und in seiner ersten Saison verschaffte Bailey Brian Jones (EnBW Ludwigsburg, zuvor Bremerhaven, Tübingen) die nötigen Ruhepausen. Zumindest am Anfang der Saison, denn schnell etablierte sich der schnelle Aufbauspieler als die Nummer eins auf der Eins, der den "Senior" Jones auf die kleine Flügelposition verdrängte.

Seinen persönlichen Höhepunkt erlebte er im Spiel gegen Idaho State: Mit 0,3 Sekunden auf der Uhr netzte er den siegbringenden Dreier ein und wurde von seinen Teamkameraden gefeiert. In seiner dritten College-Saison dann die ersten Rückschläge: Aufgrund von Rücken- und Fußverletzungen musste Bailey nach sechs Spielen die Saison beenden, bekam aber von der College-Liga die Genehmigung, st ein fünftes Jahr für die Broncos aufzulaufen.

In den darauffolgenden Jahren knüpfte der Guard aber schnell wieder an seine Leistungen aus den ersten beiden Saisons an, führte das Team als Kapitän und beendete seine College-Karriere 2005 schließlich als zweitbester Dreipunktschütze seiner Uni hinter Steve Nash und der Spieler, der die meisten Partien für die Santa Clara Broncos absolviert hatte. Während in Gießen die Eidson-Manie herrschte, bereitete sich Bailey, der einen Abschluss in Philosophie gemacht hatte, darauf vor, in den unterklassigen US-Ligen zu spielen. Ein Anruf jedoch veränderte seine Zukunftsplanung: Die San Antonio Spurs haben den Aufbauspieler ins Trainings Camp eingeladen. Zusammen mit dem zu diesem Zeitpunkt amtierenden Meister reiste Bailey auf die Virgin Islands, trainierte an der Seite von Superstar Tim Duncan.

Ein Spieler nach dem anderen musste den Kader verlassen, und am Ende unterschrieb Bailey einen Vertrag mit dem amtierenden NBA-Champion. Nach zwei Vorbereitungsspielen ist der Traum aber dann doch vorbei. Aufgrund des Überangebots an Pointguards musste der "Rookie" vom College das Team doch noch verlassen. Anstatt vor Zehntausenden Zuschauern in der besten Liga der Welt aufzulaufen, tingelte Bailey durch die Development-League der NBA und landete 2006 schließlich an der Leine. Nicht an der Leine eines autoritären Trainers, vielmehr unterschrieb er in der damaligen 2. Bundesliga Nord bei der BG 74 in der Leinestadt Göttingen. Vom ersten Tag an dominierte der Wirbelwind die Liga, erzielt mit 21 Punkten, sechs Rebounds und drei Assists pro Spiel hervorragende Werte und führte Göttingen in die BBL.

Der "Spieler des Jahres" der zweiten Liga ging ebenfalls in die erste Liga: Bei ratiopharm Ulm unterzeichnete Bailey einen Ein-Jahres-Vertrag. Aber bereits nach 18 Spielen trennten sich die Wege des Pointguards und der Schwaben wieder, nachdem ein gebrochener Daumen und die Art und Weise, wie mit der Verletzung vonseiten des Vereins umgegangen wurde, den Guard irritierten.

Stattdessen heuerte Bailey, der in seiner Freizeit fleißig Deutsch lernt und bereits sehr gut mit seinen Göttinger Fans in deren Heimatsprache kommunizeren kann ("Hochdeutsch habe ich am meisten vermisst, als ich nicht in Göttingen gespielt habe", bekannte der Amerikaner in einem Interview), wieder in Niedersachsen an. Unter John Pat-rick zeigte Bailey wieder seine bewährten Allrounderqualitäten und überzeugte die Göttinger Fans mit 13 Punkten, knapp fünf Rebounds und vier Assists im Schnitt. Es darf aber nicht übersehen werden, dass der Pointguard seine Werte auch mit einer gewissen Schussverliebtheit erzielt hat: Fast 14 Schüsse pro Spiel feuerte Bailey ab, das sind fünf Schüsse mehr als sein Gießener Gegenüber Heiko Schaffartzik durchschnittlich in Richtung Korb schickt. Dennoch, auf den Aufbauspieler, der nach seiner Karriere gerne in die Politik gehen würde, werden die Gießen 46ers heute (20 Uhr/Sporthalle Ost) aufpassen müssen - seine Nummer steht noch immer im Telefonbuch von Spurs-Coach Gregg Popovich .… Martin Vogel

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