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Autzen

Herausforderung Trainerjob

"Alle müssen zufrieden sein"

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(juk). Über die Herausforderungen des Trainerjobs haben sich am Rande der Saisoneröffnungs-Pressekonferenz der Volleyballer des TV Waldgirmes Thomas Autzen, der Coach der Drittliga-Männer, die erst am 29. September in die Saison starten, und Peter Schlecht, der neuer Coach der Zweitliga-Frauen, zu den Herausforderungen des Trainerjobs geäußert. In den Räumen der Volksbank Heuchelheim sprachen die Trainer dabei unter anderem über ihren Trainerstil und den Umgang mit der "neuen" Spielergeneration.

Wie würden Sie die Herausforderungen des Trainerjobs im Allgemeinen beschreiben?

Schlecht:Für mich geht es darum, das Maximum aus den Spielerinnen herauszuholen und ein Team zu formen, das konkurrenzfähig ist. Dabei ist es auf unserem Niveau auch wichtig, dass man den Ehrgeiz in den Spielerinnen weckt und das Team weiterentwickelt.

Autzen:Meiner Ansicht nach besteht die Herausforderung darin, dass man es schafft, dass die Spieler als Team zusammenwachsen. Alle müssen zufrieden sein. Auch die, die weniger spielen, müssen bei der Stange gehalten werden.

Waldgirmes ist im Vergleich zu vielen anderen Vereinen ein eher kleinerer Standort. Ergibt dies besondere Herausforderungen für Sie?

Schlecht:Mit Gießen und Marburg sind zwar zwei Unistädte in der Nähe, aber sonst ist um Waldgirmes in Bezug auf Volleyballvereine wenig los, was den studentischen Spielermarkt angeht.

Autzen:Meiner Meinung nach ist das Problem für den TV Waldgirmes, dass der Ort keine Universität hat. Dadurch ist es schwerer, dass Spieler auf den Verein aufmerksam werden. Leute, die in Großstädten wie Wiesbaden studieren, finden dort direkt einen Volleyballverein - Waldgirmes kennt kaum jemand.

Wie würden Sie Ihren Stil als Trainer beschreiben?

Autzen:Das müsste man am besten die Spieler fragen (lacht). Ich arbeite gerne partizipativ mit den Spielern, da muss vieles gemeinsam laufen, damit die Spieler verstehen, was passiert, und dementsprechend besser mitziehen - ansonsten arbeitet man gegen Windmühlen.

Schlecht:Ich sehe das ähnlich, vielleicht auch, weil ich von Thomas gelernt habe. In meiner Mannschaft soll viel Kommunikation herrschen, viel über Kommunikation gelöst werden. Ich möchte viel erklären und auch, dass wir alle dieselbe Sprache sprechen. An den richtigen Stellen muss man als Trainer natürlich auch fordernd sein.

Welche Rolle spielt Erfahrung im Trainerjob?

Autzen:Erfahrung tut in jedem Job gut. Erfahrung kann man aber aus unterschiedlichen Perspektiven sammeln. Peter hat als Spieler viel gelernt und mitbekommen, was er jetzt für sich entweder übernehmen oder ablehnen kann. Ich selbst bin seit fast 30 Jahren Trainer und sammele Erfahrung dementsprechend nur noch von einer Seite. Erfahrung heißt für mich, den Mist schon einmal gebaut und hoffentlich daraus gelernt zu haben.

Schlecht:Erfahrung gehört dazu, man kann sie aber, wie Thomas gesagt hat, verschieden erleben. Ich habe mehr die Spielersicht und werde sicher auch Fehler machen. Durch seine Erfahrung mit vielen Spielertypen ist die Kommunikation mit Spielern für Thomas eventuell etwas leichter. Auch bei Entscheidungen während des Spiels hilft ein großer Erfahrungsschatz. Wenn man aber Erfahrungen macht und nicht daraus lernt, trifft man falsche Entscheidungen erneut - Selbstreflektion ist also sehr wichtig.

Ist der Umgang mit der "neuen" Spielergeneration für einen jüngeren Trainer einfacher?

Schlecht:Ich denke, wenn man nicht weltverschlossen ist, bekommt man das mit, was für den Umgang mit Spielern relevant ist. Für mich hängt das weniger am Alter, sondern eher am Typ Mensch, der man ist.

Autzen:Durch meine Töchter und meinen Beruf (Lehrer, Anm. d. Red.) bleibt man am Puls der Zeit - auch, wenn man kein Social-Media-Freak ist. Viel hängt auch von der eigenen Herangehensweise ab. Die Frage ist: Nimmt man Jugendspieler auch ernst und versucht sie zu fördern oder sortiert man gnadenlos aus und legt den Fokus auf die Gegenwart? (Foto: ras)

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