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Alle dürfen mitspielen

  • Ronny Herteux
    VonRonny Herteux
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Wer die Zukunft gestalten möchte, muss heute aktiv werden. Dabei reichen neue Spielformen für den Fußball-Nachwuchs allein nicht aus. Das Neue sollte auch altersgerecht gestaltet sein, und das scheint nun für die G- und F-Junioren gelungen mit vier Spielfeldern und jeweils vier Minitoren.

Frust und Verärgerung sind der größte Feind wenn es darum geht, den Nachwuchs bei der Stange zu halten. Da dribbelt ein seinen Altersgenossen körperlich überlegener Spieler immer und immer wieder durch die gegnerische Mannschaft und erzielt Tor um Tor. Das mag jene Mannschaft freuen, die sich in »Besitz« dieses Spielers wähnen darf. Beim Kontrahenten jedoch dürfte die Frusttrationsgrenze schnell auf den Nullpunkt sinken. Und auch beim sieggreichen Team werden zumindest all jene, die nicht eingewechselt werden, schnell den Ansporn verlieren. Denn wir sprechen hier über Fünf- bis Sechsjährige bei den G-Junioren und Sieben- bis Achtjährige bei den F-Junioren.

Damit soll nun allerdings Schluss sein. Der Kreisjugendausschuss Gießen mit Klaus-Jürgen Schretzlmaier und Stellvertreter Oliver Rieb an der Spitze hatten auf das Licher Sportgelände an der Fasanerie geladen, um die neue Spielform für den jüngsten Nachwuchs vorzustellen. Dabei geht es in erster Linie darum, den Weg vom reinen Wettbewerbsbetrieb zu verlassen und die Förderung des Einzelnen und den Gemeinsinn voranzutreiben.

Bei der neuen Spielform wird mit Start im September auf Minifeldern mit jeweils vier Toren gespielt. Dabei können drei gegen drei oder vier gegen vier spielen, spätestens nach einem Treffer ist ein Wechsel vorzunehmen, damit jeder Nachwuchsspieler zu seinen Einsatzzeiten kommt. Die Spielfeldgröße wird dabei an die Mannschaftsstärke angepasst, ein fester Torwart ist nicht vorgesehen, die Spielzeit wird stets für Trinkpausen unterbrochen, Tore dürfen nur innerhalb einer Sechsmeter-Schusszone erzielt werden - und nach jedem Treffer ist ein Spielerwechsel im Rotationsprinzip vorzunehmen. Auch für den Fall, dass der Torerfolg ausbleibt, sind feste Wechsel vorgesehen.

»Das finde ich gut«, sagt der sechsjährige Noah Schock von der JSG Buseck/Rödgen, der seit zwei Monaten dem runden Leder hinterherjagt. »Ich will natürlich Tore schießen, aber dann darf auch mal ein anderer spielen«, möchte der G-Junior, dass seine Kameraden auch an die Reihe kommen. Bei den etwas älteren F-Junioren ist der »Leistungsgedanke« schon etwas ausgeprägter, »der Trainer merkt schon, wenn einer nicht mehr kann, oder ich melde mich dann«, wollen die Sieben- bis Achtjährigen spielen, spielen, spielen. »Aber dass jetzt jeder spielen darf, ist schon in Ordnung«, zeigen hier die beiden befragten Licher dann doch Verständnis.

Oliver Rieb ist sich sicher, »wenn alle mitspielen dürfen, dann sind die Kinder und die Eltern zufrieden«, was weiteren Abwanderungsbewegungen entgegenwirken kann. Das »neue Konzept ist aber auch der Tatsache geschuldet, weil es nicht mehr so viele Schiedsrichter gibt«. Klaus-Jürgen Schretzlmaier, der dieses Pilotprojekt ein zweites Mal am 23. August in Langgöns unter der Leitung des Verbandsbildungsbeauftragten Achim Mohr vorstellen will, ist vom neuen Konzept überzeugt, zumal auf vier Spielfeldern der Austausch der Mannschaften untereinander jederzeit gewährleistet sein kann. Zwei schwächere Mannschaften, die zuvor auf stärkere Vertretungen getroffen sind, können nun so verschoben werden, dass sie gegeneinander antreten, während auf dem anderen Spielfeld die stärkeren Teams zum Vergleich aufgerufen werden. Auf vier Spielfeldern kristallisieren sich nach und nach Stärken und Schwächen heraus und können von den Betreuern in die richtige Richtung gelenkt werden. Wie Schretzlmaier betonte, seien nach der ersten theoretischen Vorstellung die Meldungen sprunghaft bei den G-Junioren von acht auf 20 Mannschaften angestiegen. Und da bei dieser Form kein Verein gegen einen Verein spielt, können auch die einzelnen Teams vermischt werden.

»Durch Corona hatte ich schon etwas Bammel, aber inzwischen haben wir insgesamt über 200 Mannschaften im Jugendbereich am Start«, was den Kreisfußballjugendwart auch mit Stolz erfüllt. Allerdings vernimmt auch er immer wieder die gleichen Klagen aus den Vereinen nach dem Motto: Wir würden gern noch mehr Mannschaften stellen, finden aber keine Betreuer dafür. »Und das geht querbeet durch alle Vereine.«

Axel Georg ist noch einer, der sich als Jugendleiter bei der JSG Buseck/Rödgen einbringt. »Ich finde die neue Spielform absolut weltklasse, das war lange überfällig«, zumal nun der Leistungsgedanken hinten ansteht. »Der Spaß steht im Vordergrund und alle Kinder kommen kontinuierlich zum Einsatz und alle dürfen sich auch dazugehörig fühlen.«

Wer an der neuen Spielform der G- und F-Junioren noch teilnehmen möchte, kein Problem laut Schretzlmaier: »Eine Anmeldung schriftlich per Mail reicht aus, es ist auch keine Mindestanzahl an Spielern nötig«. Gespielt wird bei den G-Junioren sonntags zwischen 9.30 und 11.30 Uhr, bei den F-Junioren samstags - für mindestens vier Mannschaften zentral bei einem Gastgeber, der sich Minitore beim Kreisjugendausschuss ausleihen kann - bis zu 40 Stück sind hier vorrätig.

Und so hofft auch Kreisfußballwart Henry Mohr auf eine Anschubfunktion für den Jugendfußball: »Das ist eine tolle Sache und sinnvolle Geschichte für die Kinder. Jeder darf mal spielen, das ist auch gut für die Eltern, für Oma und Opa, die sich dann vielleicht sagen: ›Da gehen wir wieder hin‹. Ob das neue Konzept aufgeht? »Das weiß ich nicht, aber es ist ein weiterer Baustein.«

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