Der Handball-Supercup gilt als Probelauf für den Spielbetrieb in der in der kommenden Woche beginnenden Saison der Handball-Bundesliga. FOTO: DPA
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Der Handball-Supercup gilt als Probelauf für den Spielbetrieb in der in der kommenden Woche beginnenden Saison der Handball-Bundesliga. FOTO: DPA

Alle drei Tage ein Spiel

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(sid). Die neue WM-Regel beruhigte die Handball-Branche ein wenig, die bevorstehende XXL-Saison dürfte die Spieler aber an ihre Grenzen bringen. Wenn Rekordchampion THW Kiel und Vizemeister SG Flensburg/Handewitt im Supercup um den ersten Titel nach der Corona-Zwangspause kämpfen, beginnt eine bisher beispiellose Terminhatz - den Topspielern drohen allein bis Ende Januar bis zu 40 Spiele.

"Jeder, der schon mal drei Spiele in der Woche gemacht oder mehrere Wochen einen Donnerstag-Samstag-Rhythmus gespielt hat, der weiß, wie das schlaucht. Irgendwann ist der Körper einfach so müde, dass er nicht mehr kann", warnte Nationalspieler Patrick Wiencek von "Corona-Meister" Kiel. Die Vorfreude auf das Nordduell in Düsseldorf, wo am Samstag (20.30 Uhr/Sky Sport News) 2640 Zuschauer zugelassen sein werden, sei dennoch "riesengroß".

Die Bundesliga, die Champions League, die EM-Qualifikation und schließlich die Mega-WM in Ägypten mit 32 Teams blähten den Handball-Kalender ohnehin schon auf. Nun erhöhten der nach hinten verlegte Saisonstart, das verschobene Final Four und die aufgestockte Liga den Terminstress noch einmal. Wiencek zum Beispiel könnte - wenn er stets zum Einsatz kommt und mit Deutschland bis ins WM-Halbfinale vorstößt - bis Ende Januar durchschnittlich zehn Spiele pro Monat absolviert haben, das sind alle drei Tage ein Spiel.

Der Weltverband IHF änderte daher für die WM das Reglement. Bundestrainer Alfred Gislason darf nun wie seine Trainerkollegen mehr Spieler einsetzen und zwischen den Partien häufiger das Personal tauschen. Auch die Bundesliga schraubte mit Blick auf die Belastung am Regelwerk. In der am 1. Oktober beginnenden Saison wird bei Punktgleichheit von zwei oder mehr Teams nicht wie bisher das Torverhältnis, sondern der direkte Vergleich ausschlaggebend sein. Ein weiteres Mittel zur Entlastung der Spitzenspieler, mehr aber nicht.

Das weiß auch Frank Bohmann. Der HBL-Geschäftsführer nimmt die Trainer in die Pflicht: "Es liegt in der Verantwortung der sportlichen Anführer, dafür Sorge zu tragen, dass eine Belastungssteuerung vorgenommen wird und dass ein Spieler für ein Spiel auch mal rausgenommen wird", sagte Bohmann. Noch sei es aber so, ergänzte er, "dass sich alle Spieler nach Belastung sehnen".

In der Tat: 202 Tage nach dem bisher letzten Bundesliga-Spiel brennt auch Wiencek auf den nationalen Restart. International sind beide Klubs schon erfolgreich in die Champions League gestartet. "Titel ist Titel. Und wir spielen gegen Flensburg. Das sind zwei Argumente, die schon reichen. Ein Nordderby zum Start, da freut sich ganz Handball-Deutschland drauf. Das ist ein richtiges Kräftemessen, da wissen wir dann auch, wo wir stehen", sagte der 31-Jährige.

Auch für die Liga geht es am Samstag um viel, ihr Hygienekonzept steht auf dem Prüfstand. Beim traditionellen Saisonauftakt herrscht eine stete Abstands- und Maskenpflicht sowie ein Alkoholverbot, die Zuschaueranzahl im ISS-Dome entspricht exakt der zugelassenen Hallenauslastung von 20 Prozent.

Dass der Handball als erste Sportart nach dem Fußball in Deutschland wieder mit Zuschauern startet, hat für Bohmann "Signalwirkung für den gesamten Sport. Es versetzt uns in die Lage, wieder unsere Geschäftsmodelle verfolgen und unsere Zuschauer wieder für unseren Sport begeistern zu können", sagte er.

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