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Markus Schachl kassiert mit Wieseck eine Niederlage. HF

Abstiegskampf angesagt

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(fjd). Vier Spieltage vor Saisonende zweifelt niemand mehr an Meisterschaft und Aufstieg des favorisierten SV Wiesbaden 1885 II in der Schach-Landesklasse West. Mit dem 6:2 über Rochade Diez behielten die Landeshauptstädter ihre weiße Weste und bauten den Vorsprung auf drei Mannschaftspunkte aus.

Bei fast allen übrigen Mannschaften steht dagegen Abstiegskampf statt Sektfrühstück auf der Agenda, da augenblicklich von vier direkten Absteigern ausgegangen werden muss. Auch die SSG Hungen/Lich (4:4 gegen den Vorletzten Anderssen Wetzlar) und die Wiesecker Schachfreunde (3:5 gegen SJ Herborn) verpassten den erhofften Befreiungsschlag, wobei Wieseck aktuell mit 4:6 Punkten und Rang sieben auf einem (mutmaßlichen) Abstiegsplatz zurückgefallen ist.

SSG Hungen/Lich - Sfr. Anderssen Wetzlar 4:4:Ohne die Stammspieler Joachim Lehwalder (Brett 2) und Christoph Soppa, die beide erkrankt sind und möglicherweise länger ausfallen, musste sich die SSG gegen den ebenfalls stark ersatzgeschwächten Aufsteiger aus Wetzlar mit einer enttäuschenden Punkteteilung begnügen. Symbolisch für das Auf und Ab war die Partie von Fide-Meister Gerd Euler (DWZ 2269) am Spitzenbrett. Gegen den 440 Rating-Punkte "leichteren" Gästespieler Udo Ploder hatte der Hungener im Sveshnikov-Sizilianer früh eine gewinnverheißende Position mit Läuferpaar und aktiver Dame gegen unrochierten König auf f1, bevor sich Euler durch das Übersehen einer Springergabel ins Abseits manövrierte und froh war, per Dauerschach wenigstens noch ins Remis entschlüpfen zu können. Besser machte es Manuel Hölß, der als Anziehender gegen den Winawer-Franzosen von Andreas Fichtl mit 4. Lf1-d3 improvisierte und nach erfolgreicher Zentrumsöffnung einen Mehrbauern samt Initiative vorweisen konnte, was sich als entscheidend erwies. Ebenso gewappnet in der Bekämpfung der Französischen Verteidigung zeigte sich Marco Hofmann, der im weiteren Verlauf mittels Tc7 und Sd6 den Punkt f7 im Sturm eroberte.

Ausgleichen konnte Wetzlar durch "weiße" Partiegewinne an den Brettern drei und sieben. Rene Gabel unterschätzte offenkundig die Gambit-Eröffnung des angriffsgewaltigen Sven Kinski und ging zeitnah an der eigenen Unterentwicklung zugrunde, während sich Ersatzspieler Ralf Seibert in einem scheinbar totremisen Läuferendspiel durch Einsperrung des eigenen Offiziers noch die Butter vom Brot abkratzen ließ.

Sfr. Wieseck - Schachjugend Herborn 3:5:Erstmals in dieser Saison hatte Herborn mit Flo Hahn, Tornay Gomez und Tobi Blaschke alle drei Top-Spieler ins Gefecht beordert, die den Wieseckern erwartungsgemäß stark zusetzten. Markus Schachl wurde im Leningrad-Holländer von der Königsattacke des Nachziehenden überrumpelt und musste mit dem König zu Fuß von g1 nach c1 marschieren, was neben Zeit- auch Bauernverlust zur Folge hatte. Klaus Henzelmann versuchte mit seiner "Modernen Verteidigung" den weißen Raumvorteil durch Aktivitäten am Damenflügel zu kompensieren, schwächte dabei aber die eigene Bauernstruktur, so dass Widerpart Blaschke im Endspiel zwei gesunde Mehrbauern auf der Habenseite verbuchen konnte. Sowohl Andreas Muth (am Spitzenbrett gegen Flo Hahn) als auch Klaus Wüst (im Seniorenduell gegen Keuth) konnten im Mittelspiel jeweils einen Bauern erbeuten, die im Gewinnsinne jedoch kaum zu verwerten waren. Ohne nennenswerte Höhepunkte in Punkteteilungen mündeten die Partien von Heinrich Repp (Caro-Kann mit 4...Sd7) und Matthias Leinweber, der mit der Skandinavischen Verteidigung (1. e4 d5) mit beiderseits langer Rochade problemlos ausglich. Da Steffen Reichmann in ohnehin gedrückter Stellung ein Offizier abhandenkam, blieb es Helmut Waldrich vorbehalten, mit einem sauber vorgetragenen Königsangriff aus der Caro-Kann-Abtauschvariante (1. e4 c6 2. d4 d5 3. ed5: cd5: 4. Ld3) heraus für den Wiesecker Ehrentreffer zu sorgen.

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