Der Ball ruht aufgrund den Corona-Bestimmungen der Bundesregierung auch in der 3. Liga und den Jugend-Bundesligen. FOTO: VOGLER
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Der Ball ruht aufgrund den Corona-Bestimmungen der Bundesregierung auch in der 3. Liga und den Jugend-Bundesligen. FOTO: VOGLER

Handball

Die absolut richtige Entscheidung

  • vonMarc Steinert
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Bis zum Jahresende wird auch nicht mehr in den Jugendhandball-Bundesligen sowie in der 3. Liga der Frauen und Männer gespielt - wegen der Corona-Pandemie.

(mgs/pie). Während der Hessische Handball-Verband (HHV) die Saison 2020/21 schon vor einigen Wochen bis in den Januar hinein ausgesetzt hatte, sollte der Ball in der 3. Handball-Liga der Frauen und Männer sowie den Jugend-Bundesligen nach der Pause bis zum kommenden Wochenende wieder durch die Hallen fliegen. Dem hat der Deutsche Handball-Bund (DHB) aber nun einen Riegel vorgeschoben. Die Mitteilung sorgte zwar nicht für Partystimmung bei den heimischen Vertretern, stieß aber dennoch auf großes Verständnis. Eine Wiederaufnahme des Spielbetriebes ist demnach für das Wochenende 9./10. Januar 2021 vorgesehen, sofern dies die weitere Entwicklung der Corona-Pandemie zulässt, bis dahin wurde der Spielbetrieb ausgesetzt.

Fast unabdingbar machte die Verbandsentscheidung zudem die Tatsache, dass sich bei der Frage, ob die 3. Liga dem Profi- oder dem Amateursport zuzuordnen ist, kein einheitliches Bild ergab. Von insgesamt 131 Vereinen, die im Männer- und Frauenbereich in dieser Spielzeit am Ball sind, haben derzeit ein Drittel auch keine Erlaubnis, um weiterhin trainieren zu können. Etwa die Hälfte dürfte den Spielbetrieb auch ohne Zuschauer nicht aufnehmen.

"Die Pause macht Sinn und ist mit Blick auf die Zahlen absolut verständlich. Und in unserem Sport sieht man ja beispielsweise, was in der 1. Liga nach den Länderspielen los ist", blickt Marc Langenbach, Trainer des Frauen-Drittligisten HSG Kleenheim-Langgöns auch über den Tellerrand seiner Spielklasse hinaus. Mit der vom DHB festgelegten Pause hat der Coach nun auch eine gewisse Planungssicherheit für die nächsten Wochen. "Jetzt müssen wir zum Glück nicht wieder von Woche zu Woche schauen, wie es weitergeht, sondern haben jetzt schon mal einen vorgegebenen Rahmen", betont Langenbach, der daher auch schon mit seinen Mitstreitern festlegen konnte, wie es weitergeht. "Wir werden den restlichen Monat definitiv pausieren und dann ab Dezember wieder anfangen. Es ist momentan wirklich so, dass wir alle maximal flexibel sein müssen, was beispielsweise auch Entscheidungen für oder gegen Training angeht. Es ist eine große Herausforderung für uns alle!"

Den restlichen November pausiert auch der zweite mittelhessische Frauen-Drittligist, die HSG Lumdatal. Aber auch bei den Verantwortlichen des Aufsteigers ist das Verständnis für die DHB-Entscheidung groß. "Vor allem beim Blick auf die aktuellen Zahlen muss man ganz klar sagen, dass die Gesundheit definitiv vorgeht. Zudem ist der Handball nur unser Hobby, keine Spielerin unserer Mannschaft verdient hier Geld. Und bei seinem Hobby soll man ja auch Spaß haben, das wäre momentan auch überhaupt nicht gegeben", betont HSG-Trainer Marcel Köhler, der auch im Dezember die Umstände weiter im Blick behalten will und das Training bzw. den Trainingsbeginn darauf ausrichten wird. Und wenn die Entscheidung auch aus HSG-Sicht alternativlos ist, so ist die aktuelle Situation vor allem auch für die Mannschaft natürlich keine schöne.

"Wir hatten uns so sehr auf diese Liga und die Saison gefreut. Dass wir zunächst ohne Zuschauer spielen durften und jetzt gar nicht mehr, macht uns natürlich sehr, sehr traurig und ist auch ein Stück weit deprimierend. Zumal sich so viele im Verein und rund um die Mannschaft vorab so viel Mühe gegeben haben, dass alles laufen kann", führt Madeleine Müller, Spielführerin der HSG, aus. "Auch wenn wir gerne gespielt und gezeigt hätten, dass wir in dieser Klasse durchaus mithalten können, so ist die Entscheidung aber die absolut richtige!"

Auch eine Frage des Zeitfensters

Betroffen sind auch die A-Jugend-Bundesligat-Teams des TV 05/07 Hüttenberg und der HSG Dutenhofen/Münchholzhausen, die zudem eine Drittligamannschaft am Start hat. Wir haben die Stimmen der Trainer zu den jüngsten Entwicklungen eingefangen.

Michael Ferber (TV 05/07 Hüttenberg): "In Bezug auf die weiteren Entwicklungen der Pandemie bin ich der Meinung, dass man nur von einer sinnvollen und logischen Reaktion sprechen kann. Zudem ist damit ein klarer Tätigkeitsbereich und Personengruppe definiert, wodurch der Trainingsbetrieb für bestimmte Teams weiterlaufen kann. Dies sorgt erst mal für Klarheit. Aus sportlicher Perspektive könnte dieser eingeschlagene Weg verhärtende Folgen für unsere Sportart haben. Ich wünsche mir, dass alle Jugendtrainer ihr Mögliches tun, um ihren Kids weiterhin diese Sportart schmackhaft zu machen. Unsere Perspektivspieler werden zudem Spielpraxis in der 1. Männermannschaft sammeln dürfen."

Andreas Klimpke (HSG Dutenhofen/Münchholzhausen): "Jetzt haben wir wenigstens mal für acht Wochen Klarheit. Am Freitag werden wir besprechen, wie es weitergeht, dann wird ein neuer Plan aufgestellt mit Blickrichtung auf die erste Januar-Woche. Wir haben das Glück, dass wir zum Leistungs- und Spitzensport zählen. Da gibt es ganz andere Vereine, wie die Drittligisten aus der Pfalz, die können seit gefühlten zwei, drei Wochen gar nichts mehr machen. Das wird die große Kunst sein, möglichst alle wieder ins Boot zu holen. Da gibt es jetzt ein breit gefächertes Meinungsbild und auch kritische Stimmen. Zum Re-Start müssen wir möglichst viele Spiele hinbekommen, damit man eine Wertung machen kann. Danach stellt sich die Frage, welches Zeitfenster haben wir noch? Viele Spieler haben nur einen Vertrag bis 30. Juni, haben vielleicht woanders schon neue Verträge. Wird nur die Hinrunde gewertet und danach eine Meisterrunde gespielt? Das muss man abwarten, wie wir da jetzt durchkommen. Was passiert, wenn am 9. Januar nicht fortgesetzt wird? Mein größter Wunsch ist erst einmal, dass die Zahlen runtergehen und wir dann mal wieder alles normal machen können."

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