46ers verlieren, sichern aber vorzeitig die Klasse

"Ich gräme mich nicht über das Ergebnis - es war ein Kampfspiel, das wir leider schlecht begonnen haben. Aber ich freue mich riesig, dass wir mit dem Ligaverbleib unser Ziel erreicht haben." Der Trainer der LTi Gießen 46ers, Vladimir Bogojevic, brachte das Entscheidende auf den Punkt. Seine Bundesliga-Mannschaft verlor zwar am Sonntag gegen die Telekom Baskets Bonn mit 52:59 (23:25), sicherte sich aber dennoch einen Spieltag vor dem Ende der Hauprunde den Klassenerhalt in der BBL.

Bereits kurz nach dem Halbzeitpfiff stand das Endergebnis in Bremerhaven fest, sodass die letzte Heimpartie der Gießener gegen den letztjährigen Vizemeister zu diesem Zeitpunkt (gegen 17.50 Uhr) eigentlich ohne Wert war. Der wegen der eigenen Niederlage nicht gerade glücklich wirkende Bogojevic konstatierte dann auch später: "In der zweiten Halbzeit wussten wir von der Düsseldorfer Niederlage, sodass dann möglicherweise die letzte Konsequenz gefehlt hat."

Sein Gegenüber Michael Koch, der gebürtige Licher und selbst frühere Bundesligaspieler des MTV 1846 Gießen, freute sich gleich doppelt: Einerseits über den Erfolg seiner in der Defensive mit hoher Intensität agierenden Mannschaft, andererseits über den Ligaverbleib der 46ers. "Der Klassenerhalt ist ein ganz wichtiger Schritt für die Region und den Basketball hier. Die ganze Saison über waren viele Fans hier und haben die Mannschaft unterstützt", sagte der 44-Jährige, der aber keine Gastgeschenke an seiner alten Wirkungsstätte verteilen wollte.

Sein Bonner Team legte furios los. Zwar führten die 46ers durch einen Hakenwurf von Powerforward Joe Werner mit 2:0, danach gab es für die Gäste aber kein Halten mehr. In einer terrierhaften Mann-Mann-Deckung agierend, kauften sie dem Heimteam anfangs den Schneid ab. Der für seine Größe von 2,10 m sehr bewegliche deutsche Nationalspieler Tim Ohlbrecht eröffnete den Punktereigen, den Ronald Dupree, der von keinem 46ers in der gesamten Spielzeit in seinem Wirkungskreis eingeengt werden konnte, mit einem Dreier fortsetzte. Zwar streute der schwache Elvir Ovcina einen Halbdistanzwurf zum zwischenzeitlichen 4:5 (4.) ein, die Bonner zogen danach aber auf 12:4 (6.) davon. Die Vierminuten-Korbflaute der Mittelhessen beendete der im Angriff glücklose spielende Maurice Jeffers mit einem getroffenen Freiwurf zum 5:14. Dem jungen Serben Viktor Jakovic war es schließlich vorbehalten, ebenfalls mit einem von der Linie verwandelten Freiwurf den letzten Punkt für die LTi Gießen 46ers in den ersten zehn Minuten zu erzielen. Ganze sechs Punkte gelangen den Lahnstädtern im ersten Katastrophen-Viertel bei einer unterirdischen Wurfquote aus dem Feld von 15 Prozent (2 von 13).

Bogojevic reagierte und beorderte fast die komplette zweite Fünf aufs Feld (außer Ovcina), die sich mühsam herankämpfte. Die eingestreute 2-3-Zone der 46ers verfehlte ihre Wirkung nicht, die Baskets kamen aus dem Tritt. Und als Jeffers bei einem Dreierversuch gefoult wurde und alle drei seiner Freiwürfe im Netzt versenkte, waren die Gießener beim 14:19 wieder auf Schlagdistanz. Zum Ende der zweiten zehn Minuten legten die 46ers noch einen 6:0-Lauf hin, der ihnen zur Pause in der korbarmen Begegnung nur noch einen Zwei-Punkte-Rückstand bescherte (23:25).

Ein Raunen ging durch die Osthalle, als kurz nach dem Halbzeitpfiff das Ergebnis aus Bremerhaven vermeldet wurde. Ein gelöster "Vladi" tauschte sich auf der Bank kurz vor dem dritten Durchgang mit seinem "Co" Gerald Wasshuber aus und schäkerte mit dem verletzten Lorenzo Williams, der in Zivil sein Team anfeuerte.

Das kam mit einem sehr starken Max Weber zurück in die Partie. Der Defensivspezialist zeigte plötzlich Scorerqualitäten. Der 25-Jährige hielt die Gießener mit zwei erfolgreichen Drei-Punkt-Spielen (29:33 und 32:34) in der Partie, als er jeweils beherzt zum Korb zog, dabei traf, gefoult wurde und anschließend den Bonuswurf versenkte. Letztlich waren es nur vier Punkte Rückstand, mit denen die Gießen 46ers in den finalen Durchgang starteten.

Erneut agierten die 46ers in einer Zoendeckung, doch Dupree ließ gleich zu Beginn einen Dreier einfliegen, sodass schnell wieder auf eine Mann-Mann-Defense umgeschaltet wurde. Beide Teams zeigten keinen sehenswerten Basketball, vieles blieb Stückwerk, und die Feld-Trefferquote ließ zu wünschen übrig (Gießen und Bonn jeweils 33 Prozent). Die Gäste waren aber einen Tick leidenschaftlicher und punkteten in diesem Quarter meist über ihren schwergewichtigen Center Bowler, der geschickt seine Masse einsetzte und nach Fouls sich auch nicht von der Linie beirren ließ. Als der massige 2,04-m-Mann vier Freiwürfe hintereinander traf und auf 59:49 (1:31 Minuten Restspielzeit) für die Bonner erhöhte, war die Entscheidung für die Gäste gefallen. Und erneut war es Trainer Bogojevic, der das zeitweise "Gewürge" treffend zusammenfasste. "Es war kein Leckerbissen für die Zuschauer, es war ein Kampfspiel mit einem verdienten Sieger Bonn." Wolfgang Gärtner

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