46ers-Trainer Fischer: "Einfach guten Basketball spielen"

(luk) "Wir freuen uns auf das Spiel gegen Alba Berlin. Alle sind fit, und wir wollen in Berlin einfach guten Basketball spielen und die Probleme abseits des Parketts ausblenden", will Headcoach Mathias Fischer von den LTi Gießen 46ers im Vorfeld der Begegnung in der Landeshauptstadt den Fokus rein auf das Sportliche legen.

Dennoch ist es nicht von der Hand zu weisen, dass die Bundesliga-Begegnung der wirtschaftlich in arger Not steckenden Gießener in der Berliner O2-World am Samstag um 19 Uhr (live im AZ-Webradio) das für lange Zeit letzte Spiel in der langen und ruhmreichen Bundesligageschichte der Gießener Basketballer sein könnte.

"Wir werden am Montag erfahren, wie es weitergeht. Geschäftsführer Heiko Schelberg ist vorsichtig optimistisch", weiß auch Fischer nicht, ob er am Samstag zum letzten Mal in Diensten der 46ers an einer Bundesligaseitenlinie stehen wird. Insolvenzverwalter Tim Schneider und Schelberg werden die Tage noch nutzen, um gesondere Gespräche zu führen. Am Wochenende soll die Entscheidung fallen, ob die Saison regulär zu Ende gespielt werden kann oder ob das Insolvenzverfahren eröffnet werden muss. Bis dahin wird bei den Verantwortlichen gehofft, dass die fehlenden 160 000 Euro neben den bereits zugesagten 200 000 Euro an Sponsorengeldern noch eingehen werden.

Der Übungsleiter hat seine Mannschaft, die nach dem Allstar-Pause seit Montag wieder im Training ist und der Fischer gute Einheiten bescheinigt, intensiv auf die zurzeit etwas kriselnden Albatrosse, die von den letzten acht Pflichtspielen sieben verloren haben und auf Rang fünf in der Tabelle stehen, vorbereitet und möchte die Berliner mit verschiedenen Abwehrformationen ärgern. "Wir werden zwischen einer Mann- und einer Zonenverteidigung wechseln, um deren Rhythmus zu stören und ihre Probleme gegen eine Zonenverteidigung ausnutzen", so der 41-Jährige.

Besonders Deon Thompson gilt es, an den Brettern zu kontrollieren, denn der US-Amerikaner ist mit 15,5 Punkten pro Spiel mit Abstand der beste Werfer in der Mannschaft von Trainerfuchs Sasa Obradovic und war auch beim 71:61-Hinspielerfolg der Berliner in der Osthalle mit 14 Zählern der eifrigste Punktesammler von der Spree. Zudem ist er mit 5,8 Rebounds im Schnitt auch in dieser Kategorie der beste Berliner Spieler. Der frühere Nationalspieler Yassin Idbihi ist mit 11,5 Punkten zweitbester Alba-Scorer und bekanntermaßen auch ein Spieler, der sich in der gegnerischen Zone äußerst wohlfühlt. Somit kommt auf den dezimierten Gießener Frontcourt am Samstagabend Schwerstarbeit zu.

"Wir spielen ohne Perkovic und Bonds, das heißt, die anderen Jungs wie Büchert und Spohr müssen jetzt ran", nimmt Fischer seine Ergänzungsspieler in die Pflicht. Vor allem Spohr, der nach seiner Verletzung an der Schulter aus dem Hagen-Spiel wieder fit ist, hat gute Erinnerungen an die Berliner, lieferte er doch im Hinspiel mit 19 Zählern seine Bundesligabestleistung ab.

Allerdings ist Berlin auch auf den kleinen Positionen außergewöhnlich gut bestückt. Nationalspieler Heiko Schaffartzik kann mit seinen in Gießen bestens bekannten Distanzwürfen genauso gut ein Spiel entscheiden wie der zuletzt etwas schwächelnde ehemalige Liga-MVP DaShaun Wood. Der pfeilschnelle Wood ist mit 3,8 Assists der beste Vorlagengeber bei den Hauptstädtern. Daher wird auf den gebürtigen Berliner im Gießener Dress Achmadschah Zazai, der sich beim letzten Gießener Gastspiel in Berlin ein hitziges Duell mit Wood lieferte und auch am Samstag wieder vor zahlreichen Freunden und Bekannten bis in die Haarspitzen motiviert zu Werke gehen wird, und seine Kollegen auf den Guardpositionen einiges an Arbeit zukommen.

"Jeder weiß, dass Berlin unheimlich tief besetzt ist und nicht umsonst in den Top 16 der Euroleague stehen", verweist Fischer auf die hohe Qualität im Berliner Kader, der in dieser Saison auch in Europa zu den Besten gehört.

Eben dieser Fakt sorgt bei den LTi Gießen 46ers hingegen durchaus für Hoffnung, stand doch am gestrigen Donnerstagabend das historische Spiel in der Euroleague gegen die Brose Baskets Bamberg auf dem Programm. "Es ist ein besonderes Spiel für den deutschen Basketball und daher von großer Wichtigkeit für Berlin", hofft Gießens Trainer darauf, dass die Albatrosse nur zwei Tage nach diesem Highlight ein etwas flügellahmer Gastgeber für die 46ers sein werden.

"Die Regenerationszeit ist sehr kurz, und wir hoffen, dass sie müde sind und uns vielleicht auch unterschätzen", hat Fischer einen Hoffnungsschimmer auf eine Sensation. Das Berlin sich gegen vermeintlich schwache Gegner durchaus schwer- tun kann, war vor Jahresfrist in Bayreuth zu bestaunen, als die Obradovic-Truppe mit einer gehörigen 65:90-Packung auf die Heimreise geschickt wurden. Obradovic nahm dies zum Anlass, seiner Mannschaft und insbesondere dem schwächelnden Wood gehörig die Leviten zu lesen – und prompt gelang im Heimspiel gegen Braunschweig ein deutlicher 80:58-Erfolg.

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