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Besten "Dunk": Die Gießen 46ers um Smallforward Yorman Polas Bartolo haben in der Hinrunde die eine oder andere Überraschung geschafft. (Foto: hf)

46ers sorgen für viel Positives zur Saisonhälfte

(mv). Die Gießen 46ers haben die erste Halbserie nach der Rückkehr in der Basketball-Bundesliga hinter sich gebracht – und wie. Die Mittelhessen spielen im Oberhaus eine gute Rolle und konnten für die eine oder andere Überraschung sorgen. Ein Zwischenfazit.

Positiv: Der Tabellenstand / Rang elf ist eine Spitzenposition für die Gießener, deren Ziel der Klassenerhalt ist (woran auch überraschende Siege gegen Bamberg und Ulm nichts ändern). Bereits jetzt haben die 46ers vier Siege Vorsprung auf die Abstiegszone, nur zwei Siege Rückstand auf die Playoff-Plätze. Zuletzt konnten die Mittelhessen eine BBL-Saison im Jahr 2006 auf Rang elf beenden, besser war man seitdem nie.

Negativ: Die Freiwurfquote / Der letzte Platz im ligaweiten Vergleich von der Linie geht an die 46ers, die bereits einige Partien mehr hätten gewinnen können, wenn sie von dort besser wären. Insbesondere Yorman Polas Bartolo (59,0 Prozent), Cameron Wells (68,4 Prozent) und Gabriel Olaseni (62,1 Prozent) sollten hier noch einmal Sonderschichten einlegen.

Positiv: Die Entwicklung der ProA-Spieler / Das Grundgerüst der Gießener Mannschaft spielte letzte Saison noch in der zweiten Liga, ging ohne Erstligaerfahrung in die Spielzeit. Aber Spieler wie TJ DiLeo, Benjamin Lischka und Yorman Polas Bartolo haben gezeigt, dass sie auch in der BBL mithalten können. Das hat auch seinen Preis: Vor allem der Deutsch-Kubaner, der sich im Sommer einen verlässlichen Dreier zugelegt hat und dank 47,1 Prozent Trefferquote mittlerweile sogar zu den besten Werfern von außen ligaweit gehört, wird im Sommer nur schwer zu halten sein.

Positiv: Die Reaktionen auf Ausfälle / Wer vor der Saison prophezeit hätte, dass sich die 46ers im Verletzungsfall mit einem deutschen A-Nationalspieler und einem Euroleague-Center verstärken, hätte wohl allenfalls mitleidiges Kopfschütteln als Reaktion bekommen.

Aber nach dem Ausfall von Kapitän DiLeo holte das Duo Manager Heiko Schelberg und Trainer Denis Wucherer erst Karsten Tadda aus Bamberg, für den langzeitverletzen Maurice Pluskota folgte zunächst Ekene Ibekwe und dann Gabriel Olaseni, ebenfalls vom deutschen Meister aus Franken. Um diese Zugänge beneidet man die Gießener in der gesamten unteren Tabellenhälfte der Liga – und sogar weiter oben.

Negativ: Die Verletztenmisere / So gut auf die Ausfälle reagiert wurde, so viele Positionen gab es zu besetzen. Gerade einmal fünf Spieler absolvierten alle 17 Partien, mit DiLeo, Pluskota und Palm mussten gleich drei wichtige Spieler lange Pausen einlegen. Dafür kann niemand was – ärgerlich ist es aber trotzdem.

Positiv: Das Scouting / Neben Tadda und Olaseni sowie den verbliebenen Spielern aus der vergangenen Saison sind auch die weiteren Neuzugänge mehrheitlich positiv zu bewerten: Suleiman Braimoh spielt nach einem Top-Start in die Saison immer noch äußerst solide, Braydon Hobbs ist mit seiner Vielseitigkeit einer der besseren Guards der Liga. Einzig bei Ethan Wragge, den Coach Wucherer als "mehr als nur einen Dreierschützen" verpflichtete, lag der Meistertrainer daneben – doch als Rollenspieler mit weiterem Potenzial ist auch er ein gutes Puzzleteil für die Mannschaft.

93 Prozent Hallenauslastung

Positiv: Die Zuschauerzahlen / 3485 Fans kamen im Schnitt in den ersten neun Heimspielen in die Osthalle, eine Auslastung von gut 93 Prozent. Mehrfach schon konnten die 46ers in dieser Saison "ausverkauft" vermelden und erhöhen damit auch noch einmal den Druck – denn mittelfristig wird eine neue Heimstatt für das sportliche Aushängeschild der Stadt nötig sein.

Negativ: Die Stimmung in der Osthalle / An dieser Stelle sei es gesagt: Von einer "Osthölle" zu sprechen, ist vermessen. Im Vergleich mit den anderen Hallen ist man bestenfalls Mittelmaß, nur ab und an springt der Funke vom Fanblock (der auch schon kreativer war) auf die anderen Tribünen über und nicht wenige Zuschauer sind einzig und allein dann zur Stimmung zu bewegen, wenn die Mannschaft ohnehin auf der Siegerstraße ist. Dazu trägt sicher auch der schlechte Ruf der Fans hinter dem Korb ein Stückchen bei. In Göttingen war zum Hinrundenausklang einmal mehr nach der Partie das Benehmen mancher jüngerer und jung gebliebener Anhänger der Gießener ein Thema. Hier sollten ergebnisoffene Gespräche zwischen Verein und Zuschauern sowie innerhalb der Fanszene geführt werden.

Positiv: Die Sichtbarkeit der 46ers in der Stadt / Die "46ers-Woche" vor Saisonbeginn war ein Ausrufezeichen an die Gießener Bevölkerung: "Hallo, wir sind auch noch da!" Jahrelang war dieses Feld vernachlässigt worden, nun kehren die Basketballer wieder ins öffentliche Bewusstsein zurück. Der Claim "Unsere Liebe ist rot" sorgt für mehr farblichen Patriotismus bei den Fans in der Osthalle. Hier muss weiter Druck gemacht und bald die weitere Region in den Blick genommen werden. Auch in Wetzlar, Marburg oder Butzbach sind sicher noch Menschen für Spitzenbasketball zu begeistern.

Positiv: Der Etat / Gegenüber den heimischen Medien ist Manager Schelberg fast schon traditionell wortkarg, wenn es um eine konkrete Zahl des Budgets geht. Der "Frankfurter Allgemeinen" verriet er dagegen zuletzt, dass die Marke von drei Millionen Euro geknackt wurde. Rekord für den Gießener Basketball.

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