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Gießens Allrounder Yorman Polas Bartolo setzt in Cuxhaven zum Korbleger an. (Foto: ksc)

46ers siegen in Cuxhaven

(mv) Einen Überraschungserfolg kann man es wohl nicht nennen, wenn sich der Tabellenzweite beim Schlusslicht durchsetzt. Und so ist der 85:55 (51:27)-Auswärtssieg der Gießen 46ers bei den Cuxhaven BasCats auch kein unerwartetes Ergebnis, das die zweite Basketball-Bundesliga Pro A in Aufruhr versetzt, sondern in erster Linie die Erfüllung der Erwartungen der Fans.

Das alles heißt jedoch nicht, dass die Gießener an der Nordseeküste keinen guten Basketball gespielt hätten.

Perfekte Voraussetzungen gab es schon vor dem Spiel: Zum ersten Mal seit den Zeiten von Vladimir Bogojevic reisten die 46ers nicht mit Kleinbussen, sondern mit einem Reisebus an, um den Spielern die Strapazen der gut 500 Kilometer langen Anreise etwas erträglicher zu gestalten. So blieb auf dem Hinweg Zeit für eine kleine Schneeballschlacht am Autohof, vor allem aber Platz für die Mannschaft, sich einmal richtig auszustrecken. "Das fühlte sich fast wie Profibasketball an", sagte der schmunzelnde Denis Wucherer nach der Partie und lobte: "Ein Zeichen, dass es hier in Gießen nach vorne geht und für die Arbeit von Heiko Schelberg, dass er so was kurzfristig möglich macht."

Das tat den Spielern offensichtlich gut, denn mit einem starken Start zeigten die Gießener schnell, dass sie trotz der erwarteten kurzen Besetzung ohne den mit Fersenproblemen aussetzenden Benjamin Lischka ("Wenn Not am Mann gewesen wäre, hätte er spielen können", hofft Wucherer auf eine Rückkehr des Forwards ins Mannschaftstraining unter der Woche) und Besnik Bekteshi (Patellasehne) nicht gewillt waren, beim Tabellenletzten etwas anbrennen zu lassen.

Schon nach acht Minuten führten die 46ers zweistellig (22:11), Mitte des zweiten Viertels erstmals mit 20 Zählern (43:23, 16.). Zu stark war selbst die kurze Rotation von Coach Wucherer für die Cuxhavener: BasCats-Topscorer Bill Borekambi erzielte sämtliche seiner acht Zähler in den ersten sechs Minuten, ehe er von der Gießener Verteidigung aus dem Spiel genommen wurde, Aufbauspieler Aaron Cook machte offensiv ebenfalls nach zehn Minuten bereits Feierabend und ließ seinen neun Zählern in den restlichen drei Vierteln keine weiteren mehr folgen.

"Wir sind nicht Vechta"

Cuxhavens Neuzugang Brandon Johnson, der in den zwei Spielen im Schnitt über 20 Punkte erzielen konnte, lief dagegen am Samstagabend nicht auf, musste nach dem Aufwärmen verletzt absagen: "Das hat die Dynamik des Cuxhavener Spiels verändert und mehr Verantwortung auf Cook gelegt. Wir haben sie dann nach allen Regeln der Kunst beackert, ihnen gleich klargemacht: ›Wir sind nicht Vechta – wir sind härter, wir sind besser als ihr"", sah Wucherer nach der Partie das Spiel seiner Mannschaft als Kampfansage.

Pro-A-tauglich war das, was die Katzen von der Küste ablieferten, spätestens nach der ersten Viertelpause nicht mehr, und so muss man am Ende feststellen, dass sogar ein höherer Sieg der 46ers mit Sicherheit möglich gewesen wäre, hätte das Team ab Mitte des dritten Viertels nicht zwei oder sogar Gänge heruntergeschaltet. "Es ist nicht leicht, wenn man so früh so hoch führt, das bis zum Ende durchzuziehen. Ich mache den Jungs da keinen Vorwurf, dass sie ein bisschen die Konsequenz haben vermissen lassen und auch mal Sachen ausprobiert haben, die vielleicht nicht unbedingt in ihrer Werkzeugkiste zu finden sind."

Im Gegensatz zur intensiven Partie gegen Gotha in der Vorwoche konnte sich Trainer Wucherer sogar erlauben, TJ DiLeo einige Minuten Ruhe zu gönnen, indem er Jonathan Malu und Björn Schoo zeitgleich auf das Feld beorderte. Vor allem Center Schoo bestätigte seine aufsteigende Form einmal mehr, blieb fehlerlos aus dem Feld sowie von der Freiwurflinie und schrieb sich 13 Punkte in den Statistikbogen.

Aber auch Yorman Polas Bartolo, mit 17 Zählern bei knapp 80 Prozent aus dem Feld der Gießener Topscorer, Jonathan Malu mit elf Zählern und sechs Rebounds und Pointguard Cameron Wells, der ebenfalls fast 80 Prozent Feldwurfquote und acht Assists vorweisen konnte, zeigten gute Leistungen. Überhaupt, die Assists: 24 Vorlagen sind ein starker Wert und bestätigen das gute Zusammenspiel. Da fiel die schwache Freiwurfquote von 55 Prozent (sechs Treffer bei elf Versuchen) kaum ins Gewicht, auch wenn Wucherer weiß: "Das gilt es zu verbessern."

Alles in allem war die Partie in Cuxhaven ein entspannter Ausflug an die Nordseeküste für die Gießen 46ers, der nicht nur in den zwei Punkten resultierte: "Auf der Rückfahrt haben die Jungs hinten im Bus gefeiert. Es hilft einer Mannschaft natürlich, zusammenzuwachsen, wenn der Coach an der Tanke ein paar Sixpacks spendiert", konnte Wucherer dem Reisebus mehr Positives als nur den Geruch der großen, weiten Profibasketballwelt abgewinnen.

Gießen 46ers: Marhold (5), Bekteshi (n.e.), Polas Bartolo (17), DiLeo (12), Palm (8), Lischka (n.e.), Malu (11), Hawley (4), Wells (15), Schoo (13). / Cuxhaven BasCats: Sherrill (11), Nawrocki (3), Zeeb (5), Johnson (n.e.), Cook (9), McCombs (15), Baues (4), Borekambi (8), Woods, Seward, Martin.

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